Anna Essinger erobert Berlin

Nach der Ulmer Reformpädagogin Anna Essinger ist jetzt auch eine Schule in Berlin benannt.
Nach der Ulmer Reformpädagogin Anna Essinger ist jetzt auch eine Schule in Berlin benannt. © Foto: Simon Gerty/Archiv
UTE GALLBRONNER 11.04.2016

Schwaben in Berlin - das hat ja bereits zu mittelschweren Verwerfungen geführt. Nicht jedoch im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Dort entsteht nicht nur eine Gemeinschaftsschule, sondern sie trägt auch noch den Namen einer schwäbischen Reform-Pädagogin: Anna Essinger.

So ganz ist den Berlinern der Name der gebürtigen Ulmerin (1879 - 1960) noch nicht geläufig. Zumindest war in der Beschlussverlage für die Bezirksverordnetenversammlung noch von einer "Anne" die Rede. An der Zustimmung hat es nichts geändert. Dabei steht der Name schon länger fest, nur die Schule dazu hat es noch nicht gegeben. Denn die ist erst Mitte März offiziell aus einer Grund- und einer Hauptschule entstanden. Seit 2009 war die Gemeinschaftsschule bereits im Schulversuch gelaufen. Mit ähnlichen Nebenwirkungen, die man hier kennt: Die Übertrittsquote von der Grundstufe in die weiterführende Stufe ist (noch) zu gering, weil Eltern auch noch unsicher angesichts der ungewohnten neuen Wege sind.

Was den Namen angeht, waren sich die Berliner dagegen ziemlich schnell einig: Das Votum fiel einstimmig aus. Vielleicht war manchem der Zweitvorschlag "Ubuntu-Gemeinschaftsschule", der von einigen Eltern favorisiert worden war, doch etwas zu ausgefallen. Schwäbisch hat sich also gegen Zulu durchgesetzt. Sogar in Berlin.

Da hatte es 1990 fast mehr Diskussionen gegeben, als auf Anregung des Lehrers und Anna-Essinger-Kenners Hansjörg Greimel aus dem Bildungszentrum Kuhberg, bis 1984 als 2. Ulmer Modell bekannt, die Anna-Essinger-Schulen wurden. Auch hier waren die reformpädagogischen Ideen ausschlaggebend, die Anna Essinger vertreten hat. "Reiche Kindern die Hand, gib ihnen eine Chance" - diesen Satz stellen auch die Berliner vornan.

Auf dem Kuhberg hat man den Akt wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dass es nun drei Schulen diesen Namens gibt, sei doch positiv. "Ich finde es sehr gut, dass diese mutige Frau auch in der Hauptstadt zu Ehren kommt", sagt der Schulleiter des Essinger-Gymnasiums, Marius Weinkauf, der auch einen Glückwunsch nach Berlin geschickt hat. Das hat ihm eine Einladung zur Namensgebungsfeier am 17. Juni eingebracht - falls er zufällig in Berlin sein sollte.

Und man muss sagen: Die "Neue" hat sich auch gleich gut einführt: Die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule ist ins Finale um den Deutschen Schulpreis gekommen.

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