Umwelt Angela Scheffold ist eine, die immer hinschaut

Sie hat zu jeder Jahreszeit alle Hände voll zu tun: Angela Scheffold kümmert sich um Natur- und Artenschutz.
Sie hat zu jeder Jahreszeit alle Hände voll zu tun: Angela Scheffold kümmert sich um Natur- und Artenschutz. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 09.11.2018
Seit 33 Jahren ist Angela Scheffold Vorsitzende der Ehinger BUND–Ortsgruppe. Das Engagement für den Natur- und Artenschutz bestimmt ihr Leben.

Sie kommt vom Volkersheimer Mustergarten und ist auf dem Weg zur Bio-Obst-Zertifizierung. Angela Scheffold macht Pause und weiß gar nicht, wo sie zu erzählen anfangen soll, wenn es um ihre Arbeit geht.

Seit 33 Jahren ist Angela Scheffold Ehinger BUND-Vorsitzende und die Themen und Aktionen gehen ihr nicht aus. Stets hat sie die Natur im Blick, kennt ihre Heimat und die Landschaft drumherum und bedauert so manche Veränderung, die zu Lasten einer gesunden und nachhaltigen Natur geht. „Das Interesse hat wahrscheinlich schon in meiner Kindheit angefangen“, sagt die Volkersheimerin, die in Altheim bei Schemmerhofen als Älteste von fünf Geschwistern aufgewachsen ist.

„Die Arbeit auf einem Hof prägt“, sagt die 59-Jährige. Sie erinnert sich an das „Aufklauben“ von Äpfeln und das Ernten von Kartoffeln. „Der einzige Grund, nicht mithelfen zu müssen, war das Lernen auf eine Klassenarbeit.“ Sie hat Bankkauffrau gelernt, 1980 ihren Mann Mathäus geheiratet und vor der Kinderphase in der Ehinger Raiffeisenbank gearbeitet. Die drei Kinder Sebastian (geboren 1984), Maximilian (1987) und Lisa-Marie (1989) sind mittlerweile aus dem Haus, seit zehn Jahren ist sie Oma von Joel.

Auf dem elterlichen Hof hat sie sich dafür eingesetzt, dass die Restbestände von Streuobstbäumen nicht der Motorsäge zum Opfer fallen. Mit den Jahren bemerkte sie, wie die Flurbereinigungen die Landschaften verändert haben. Sie erkannte, dass sie ihre Heimat „so nicht haben wollte“ und fand im BUND „einen politischen Verein“, der auch auf die Ursachen der Umweltzerstörung schaue.

Im Großen wie im Kleinen

„Dann kam 1986 die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und ich war schnell in den Themen drin.“ Jeden Tag sei etwas anderes auf sie zugekommen, worauf sie reagieren musste. Gesetzliche Vorgaben, Verhandlungen mit dem Umweltamt und Aktionen bestimmen ihren Tag bis heute. Einmal sei geplant gewesen, die Straße von Schlechtenfeld nach Mühlen voll auszubauen. „Der Mühlbach wäre dann verschwunden gewesen.“ Damals ging sie mit Mitstreitern von Haus zu Haus, veranstaltete einen Dorfinformationsabend. Der Ausbau ist mittlerweile ad acta gelegt, jedes Frühjahr blühen Sumpfdotterblumen am Mühlbach.

Angela Scheffold wurde und wird angerufen, wenn Bäume gerodet werden oder Landwirte Gülle auf Schneefeldern ausfahren. „Neulich hat jemand auf dem Feld in größerem Umfang sein Auto repariert.“ Dass sie sich keine Freunde macht, wenn sie das anspricht oder auf Ämtern Schutzmaßnahmen einfordert, daran hat sie sich gewöhnt. In der Bevölkerung habe es stets viel Unterstützung gegeben, „aber politisch hat sich nichts bewegt“. Also hat sie für die Grünen für den Gemeinderat kandidiert. Heute sitzt dort ihr Nachfolger, Kreisrätin ist sie noch.

Ist der Einsatz für den Umweltschutz nicht eine Sisyphusarbeit? „Ja, aber ich angle nicht mehr jeden Frosch aus dem Gulli.“ Man habe ja vieles erreicht. „Die Stadt hat in ihren Pachtverträgen die Auflage, dass kein gentechnisch verändertes Saatgut und kein Glyphosat verwendet werden darf.“ Biomüll wird kompostiert. Und dann gibt es noch etwa den Mustergarten und die neu angelegten Hecken in Altheim und Allmendingen. Die Pflege mache viel Arbeit, die von den älteren BUND-Mitgliedern nicht mehr geleistet werden könne. „Jetzt müssen die Jungen ran.“

Im Privaten kleine Zeichen

Um sich selber und ihre Bedürfnisse nicht zu vergessen, hat sie mit ihrem Mann ein Ferienhaus in Montenegro gekauft. Aber auch dort sieht sie die Misshandlung der Natur und versucht, sich nicht als Umweltschützerin in das Geschehen hineinziehen zu lassen. Dennoch, die Verantwortung für die Natur ist Angela Scheffolds zweite Haut, aus der sie nicht heraus kann.

Privat setzt sie kleine Zeichen. „Ich fahre seit 14 Jahren ein Erdgasauto und fliege nicht.“ Manchmal spricht sie im Supermarkt einen Käufer vor der Milchauswahl an, „ob er nicht lieber zu der gentechnikfreien Milch greifen möchte“. Dann hört sie, dass die teurer sei. „Aber ich habe es wenigstens gesagt.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel