Ehingen Nach Ausraster: Angeklagter nicht ganz schuldunfähig

Das Amtsgericht verurteilte am Dienstag einen 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro.
Das Amtsgericht verurteilte am Dienstag einen 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro. © Foto: Rainer Schäffold
Ehingen / Rainer Schäffold 11.01.2019
Ein 34-Jähriger muss eine Geldstrafe zahlen, weil er gegenüber einem Kollegen ausgerastet war. Es war viel Alkohol im Spiel.

Vollrausch, fahrlässig oder vorsätzlich, oder doch Körperverletzung? Für Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Lampa war klar: Das Grunddelikt sei Körperverletzung; er verurteilte am Dienstag einen 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 60 Euro. Daraus folgt keine Eintragung ins Zentralregister, der Mann gilt nicht als vorbestraft.

Bei einer feucht-fröhlichen Feier zum Start des Betriebsurlaubs am 28. Juli 2017 in einer Ehinger Gaststätte soll der Angeklagte einem Kollegen zunächst ein Glas ins Gesicht geworfen und ihn dann mit der Faust geschlagen haben. Zudem habe er einen Stuhl nach ihm geworfen, den das Opfer abwehrte. Der Mann verlor dabei einen Schneidezahn und verletzte sich zudem am Handgelenk und am Daumen. Der Fall war bereits im Oktober verhandelt worden, der Richter wollte damals noch die Schuldfähigkeit des Angeklagten klären und vertagte.

Etwa 18 Halbe Bier

Dies versuchte nun der Sachverständige Dr. Frank Reuther. Er wollte in seinem Gutachten, das er im Gericht vortrug, zwar eine „erheblich verminderte Schuldfähigkeit“ beim Angeklagten wegen Alkoholeinflusses nicht ausschließen, eine Schuldunfähigkeit jedoch sah der Mediziner nicht. Der Zustand sei nicht so weit gegangen, dass der Mann sein Tun gar nicht mehr beeinflussen konnte. Die Schwierigkeit beim Gutachten war, sagte Reuther, dass keine Blutprobe vorlag, sondern nur eine Messung des Atemalkohols. Und die war erst gut zwei Stunden nach dem gewalttätigen Vorfall vorgenommen worden. So konnten nur Näherungswerte ermittelt werden. Der Gutachter ging von einer Menge von 18 Halbe Bier aus, die der Mann an jenem Tag getrunken habe.

„Ihm war klar, dass es sich um eine Person handelte“, die er angegriffen hat, sagte Richter Lampa. „Es war ihm bewusst, dass er was falsch gemacht hat.“

Der Angeklagte hatte keine Erinnerung an die Vorfälle von damals. „Ich weiß nicht mehr, was ich gemacht habe.“ Er habe bis dahin niemals Streit mit anderen gehabt. Zuvor war er von einem anderen Gast massiv provoziert worden, später war er eingeschlafen und kurz vor den Gewalttätigkeiten aufgewacht.

Beim Geschädigten, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat, hatte er sich ein paar Wochen nach dem Vorfall bei der Ehinger Kirbe entschuldigt, zudem auch in schriftlicher Form. Außerdem hat er ihm 1300 Euro Schmerzensgeld zukommen lassen. Der Kollege wusste dies zu schätzen: „Ich bin nicht nachtragend.“

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