Freizeit An der Donau entlangtuckern

Walter Kneußle und seine Schmalspurbahn-Mitfahrer am Krämermarkttag.
Walter Kneußle und seine Schmalspurbahn-Mitfahrer am Krämermarkttag. © Foto: Karin Mitschang
Karin Mitschang 04.04.2017

Walter Kneußle aus Dürmentingen hält schon mal als Requisite für einen lustigen Schnappschuss her: Als ob sie per Anhalter mitfahren wollten, haben einige Rechtensteinerinnen im Dirndl einmal an der Lok seiner Schmalspurbahn posiert. Viel Aufmerksamkeit erfährt der heute 60-Jährige stets für seine Fahrten mit der von den Frauen „Mathilda vom Stoi“ getauften Bahn im Schritttempo im malerischen Ort. Viel zu schade um nur Holz zur damaligen Papierfabrik zu befördern sei die kleine Bahn, befand der Lagerist schon in den 80er Jahren, als er erstmals im Ort vorbeikam und sich sofort für die Strecke direkt an der Donau begeistern konnte.

Einst hatte man Holz ins Kraftwerk von Anton Reitter per Bähnchen gefahren. Nachdem das arbeitstechnisch stillgelegt wurde (die Paperfabrik schloss 1993), hatte Kneußle die Idee in einer handbetriebenen Draisine à la Lucky Luke auf den Schienen zu fahren. Nachdem es keine solche gab, baute er aus Teilen, die Reitter ihm überließ, mit einem Arbeitskollegen eine Draisine, die erregte schnell das Interesse von Mitfahr-Willigen, so kam die Idee für das Freizeitbähnchen, das Kneußle seit wenigen Jahren zweimal im Jahr zum Krämermarkt oder auch mal auf spezielle Anfragen hin für Besucher betreibt. Die Enthusiasten kommen bis aus der Schweiz, um in den zwei kleinen Waggons mitzufahren.

Romy Wurm sowie das Landratsamt wollten Elmar Reitter, den Sohn Anton Reitters und heutigen Betreiber des Wasserkraftwerks an der Donau, eigentlich vor einigen Jahren dazu bringen, die 60 Zentimeter breiten Schienen zugunsten der Straßenerweiterung abzubauen. Kneußle als offizieller Betreiber war 2015 der Faktor, der auch die Bürgermeisterin umstimmte. Heute ist sie stolz und freut sich über das Interesse an „Mathilda“, der Schmalspurbahn mit  Dieselmotor der Marke Deutz, Baujahr 1943. Die wird nach der Großbaustelle am Wasserkraftwerk, in der gestern die letzte Wehrklappe eingebaut wurde, übrigens eine Aufwertung erhalten: „Wir können durch eine Weiche die Lok dann umsetzen, sodass sie immer vorne ist“, freut sich Kneußle, der mit den Besuchern dann vom Bahnhof direkt bis ins Kraftwerk fahren kann.