Bildung An den Ehinger Schulen gibt es vorerst ausreichend Lehrer

Noch herrscht keine Not: Zum Schuljahresbeginn sind die Ehinger Schulen gut mit Lehrern versorgt.
Noch herrscht keine Not: Zum Schuljahresbeginn sind die Ehinger Schulen gut mit Lehrern versorgt. © Foto: contrastwerkstatt/Fotolia
Ehingen / Corinna Jirmann 11.09.2018
Der Pflichtunterricht ist in Ehingen gewährleistet, doch für Puffer oder für zusätzliche Förderung reicht es fast nirgendwo.

Stell dir vor, es ist Unterricht – und der Lehrer fehlt. Was Schüler vielleicht freuen würde, ist für Schulleiter eine Horrorvorstellung. Die meisten fragen sich wohl jedes Schuljahr wieder mit bangem Blick: Werden wir genug Lehrer haben? Und zurzeit, wo bundesweit vielerorts beim Thema Lehrerversorgung laute „Land unter“-Rufe zu hören sind, wächst die Sorge. So gesehen haben die Ehinger Schulen noch Glück: Ihnen steht – um im Bild zu bleiben – das Wasser nur bis zum Hals. Der (Schwimm-)Unterricht kann also stattfinden. Die von uns befragten Schulleiter melden unisono: Die Versorgung mit Pädagogen für Pflichtunterricht und Ganztagsbetrieb sei gewährleistet.

Dies gilt auch für die Grundschulen sowie die sonderpädagogischen Einrichtungen Schmiechtalschule und Hermann-Gmeiner-Schule. Bei beiden Schularten herrscht bundesweit der größte Lehrermangel. Peter Schelkle, Leiter der Grundschulen in Berg und Kirchen, freut sich, dass er sogar eine halbe beziehungsweise eine ganze Lehrerstunde für zusätzlichen Förderunterricht zur Verfügung habe. Nur Daniela Mezger von der Grundschule Rißtissen/Griesingen berichtet von Engpässen im Fach Musik. Alexander Bochtler, Leiter der Realschule, freut sich, dass er trotz relativ großer Fluktuation wegen Ruhestand und anderem zum Schuljahresbeginn genug neue Pädagogen, insgesamt neun, bekommen habe. Alle anderen Befragten bezeichnen ihre Lehrerversorgung ebenfalls als gut, aber auf Kante genäht. Teilweise habe man etwas jonglieren müssen. So berichtet beispielsweise Tobias Sahm, Leiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums, dass für die ausscheidende Chinesischlehrerin zunächst kein Ersatz in Sicht war und nun ein Pädagoge aus Biberach für ein Jahr in Ehingen aushelfe.

Der Start lief also rund, doch beim Blick nach vorne wird vielen bange: „Jetzt darf nur keiner längerfristig krank werden“, sagt Max Weber von der Längenfeldschule. Ein Satz, der nahezu bei allen so oder so ähnlich fällt. Von Jahr zu Jahr werde es schwieriger, Ausfälle zu kompensieren, weiß Weber. Das Schulamt habe bereits signalisiert, dass nur wenige Reserven für Krankheitsfälle oder Ausfälle wegen Mutterschutz bestünden. „Wir versuchen das dann innerhalb der Fachschaft auszugleichen“, sagt Sahm. Er scheint mit der Lösung nicht alleine zu sein.

Quereinsteiger die Ausnahme

Andreas Tietzel von der Grundschule im Alten Konvikt schließt, wie auch manche Kollegen, die Zusammenlegung von Klassen als Notlösung nicht aus. Und das, obwohl es nach Angaben mehrerer Schulleiter Lehramtsanwärter gab, die vom Schulamt angebotene Stellen abgelehnt hätten. Das sei ärgerlich, findet Bochtler.

Kultusministerin Susanne Eisenmann sieht als weitere Lösungen bekanntlich Quereinsteiger oder Gymnasiallehrer an Grundschulen vor. Letztere gibt es an den nachgefragten Grundschulen noch keine. Und auch Quereinsteiger sind die absolute Ausnahme, beispielsweise gibt am Gymnasium seit mehreren Jahren einen Künstler, der als Vertretungslehrer „sehr gute Arbeit“ leiste, versichert Sahm. Gleiches meldet Dagmar Fuhr von der Michel-Buck-Schule. An der Gemeinschaftsschule Allmendingen/Schelklingen war vergangenes Schuljahr ein Gymnasiallehrer sowohl im Sekundar- als auch in der Vorbereitungsklasse der Grundstufe tätig – „das lief außerordentlich gut“, berichtet Susanne Schelkle. Sie ist überzeugt, dass dies funktionieren kann, vorausgesetzt, der Pädagoge bringe ein besonders großes Engagement mit. Manche Ehinger Schulleiter sehen es ähnlich, die meisten sind jedoch eher skeptisch. Vor allem für die Klassenstufen 1 und 2 sei sehr viel spezielles pädagogisches Wissen erforderlich.

Weil ausgebildete Grundschullehrer aber immer noch die beste Wahl sind, fordert beispielsweise Dagmar Fuhr, der Beruf müsse „in Politik, Öffentlichkeit und den Medien“ wieder mehr geschätzt werden. Bei Gymnasiasten müsse mehr Werbung dafür gemacht werden. Und ihr Kollege Tietzel findet, der Beruf müsse attraktiver gemacht werden. „Eine bessere Bezahlung ist mit Sicherheit ein Anreiz. Somit würden auch mehr Männer den Beruf ergreifen.“ Andernfalls könnte es bald doch noch lauten: „Stell dir vor, es ist Unterricht – und der Lehrer fehlt.“

Die befragten Schulen im Überblick

Vergleich Laut des Deutschen Lehrerverbandes ist der Lehrermangel so dramatisch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es fehlten bundesweit fast 40.000 Pädagogen. Im Alb-Donau-Kreis gibt es nur vereinzelt Engpässe. In Ehingen sieht es noch vergleichsweise gut aus, wie die Befragung folgender Schulen ergab: Gymnasium, Realschule, Längenfeldschule, Michel-Buck-Schule, Schmiech­talschule, Hermann- Gmeiner-Schule sowie die Grundschulen in Berg, Kirchen, Rißtissen/Griesingen und in Erb­stetten.

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