Majestätisch wirkt das große Gebäude, die verspiegelte Fassade glänzt blau im Sonnenschein. Neun große Buchstaben stehen vor dem Haupteingang. SCHLECKER. Fast wie das Hollywood-Zeichen in Los Angeles. Wie in einem schlechten Film müssen sich viele Mitarbeiter vorkommen, die gestern Nachmittag das Verwaltungsgebäude verlassen. Ihre Köpfe sind gesenkt. Sie schweigen, selbst wenn mehrere gemeinsam gehen. Kurz zuvor haben sie erfahren, dass ihnen wohl noch in diesem Monat gekündigt wird.

"Da gibts nicht viel zu sagen. Ich bin enttäuscht, aber da kann man ja nichts machen." Mehr sagt der Herr nicht, als er mit seinem Aktenkoffer zur Tiefgarage eilt. "Kein Kommentar, Entschuldigung", und "Nö, ich möchte nicht reden", sagen andere Mitarbeiter im Vorbeigehen. Gegen 14.45 Uhr verlässt Snezana Durekovic die Zentrale. "Es ist schon eine Entscheidung gefallen? Das wusste ich nicht." Die 46-Jährige hat zwar mitbekommen, dass die Mitarbeiter sich getroffen haben, doch sie sei nicht bei Schlecker angestellt. "Ich bin erst seit April über eine Leiharbeitsfirma hier." Sie überprüft Zeugnisse, die gekündigte Mitarbeiter erhalten. "Dann werde ich wahrscheinlich noch etwas länger hier arbeiten", vermutet sie.

In der einzigen verbliebenen Schlecker-Filiale in der Ehinger Innenstadt hatte Filialleiterin Angelika Dornes mittags noch Optimismus verbreitet. "Mein Gefühl sagt mir, es geht weiter. Ich bin fest davon überzeugt", sagte sie. "Alle Kunden hoffen und bangen mit uns." Mit einem Kollegen habe sie sogar über die Schlecker-Zukunft gewettet - um eine Tafel Schokolade.

Ein Mitarbeiter einer Bau- und Dienstleistungsgesellschaft lieferte in der Innenstadt Büromöbel mit einem großen, blauen Schlecker-Lastwagen aus - im Auftrag des insolventen Unternehmens. "Wenn es Schlecker nicht mehr gibt, fehlt uns ein großer Hauptkunde. Wir sind dabei, Möglichkeiten zu suchen. Aber der Optimismus stirbt zuletzt."

Ein schlechtes Gefühl hatte hingegen Sandra Hamm (41). Die Laupheimer Mediendesignerin arbeitet bei Schlecker. Von zuhause aus. Wegen ihres Sohnes. "Wie soll es weitergehen ohne Job?", fragte sie. Dann kommt die Nachricht: Schlecker wird es bald nicht mehr geben. Hamm zwingt sich zu einem verzweifelten Lachen. "Na, dann trink ich nachher ne Flasche Sekt." Doch dann wischt sie sich eine Träne weg. "Ich bin jetzt elf Jahre lang bei Schlecker. Ich habe immer gute Arbeit gehabt, lockere, kulante Chefs. Das war der Job meines Lebens. Ich dachte, ich bleibe bis zur Rente."

Geschockt ist auch Eileen Schneider. Die 24-jährige Ehingerin arbeitet im Zentrallager in Berg. "Jetzt bin ich ab nächsten Monat arbeitslos." Der Stadt wird auch etwas fehlen, meint sie. "Schlecker ist halt Ehingen." Zeynep Kama (18) glaubt, dass sie auch in Zukunft immer "zum Schlecker" sagen wird, wenn sie ins Schleckerland fährt. Auch wenn es anders heißt.

Daniel Maul (29) findet das Schlecker-Aus schlecht für Ehingen, "aber für die Familie Schlecker tut mirs nicht leid". Auch Jana Giuliano (35) sagt: "Schlecker wird mir nicht fehlen, weil er der schlechteste Arbeitgeber hier war." Ihr Mann Giuseppe (46) beschwichtigt. "Ich habe auch mal drei Jahre dort gearbeitet und konnte mich nicht beklagen." Er fühle mit den Mitarbeitern. "Ach", entgegnet die Frau. "Die werden was Besseres finden."

Einen neuen Job muss sich auch ein Mitarbeiter der Verwaltung suchen. Einer, der vor der Zentrale reden möchte. "Jeder hats erwartet. Wenn Sie hier arbeiten, kriegen Sie die Tendenz mit und können das deuten." Er habe keine Familie, kein Haus, es treffe ihn nicht so hart wie einige Kollegen. "Die, dies verbockt haben, haben ihre Schäfchen im Trockenen." Doch er sei "ein Hirte, der jetzt weiterziehen muss".