Als Marion Hausner vor fünf Jahren einen Knoten in der Brust entdeckt, verdrängt sie das Gefühl von Panik und freut sich auf den anstehenden Urlaub. "Danach hat das doch auch noch Zeit", denkt sie. Eine Woche später sitzt die Blausteinerin doch bei ihrer Frauenärztin. Sie und der Spezialist, zu dem Marion Hausner später gehen wird, erkennen schnell: Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen bösartigen Tumor.

"So war es dann auch. Die haben beide Klartext mit mir geredet. Und das war auch gut so", sagt Hausner. "Ich wollte das Thema nämlich selbst nach der ersten Operation immer noch verdrängen." So groß ist die Angst vor der Krankheit, die sie töten könnte.

Sie sträubt sich zunächst gegen eine Therapie und glaubt, mit Hormontabletten werde sie ganz gesund. "Erst als das Wort ,Chemotherapie gefallen ist, da hat sich auf einmal die Welt aufgehört zu drehen." Erst dann sei der Groschen gefallen. Heute, ohne neuen Befund, weiß die Blausteinerin: Die Diagnose Krebs wird oft als Todesurteil empfunden. Wichtig sei es deshalb, dass man sich in der Zeit der Behandlungen gut aufgehoben fühlt. "Das war bei mir der Fall. Und es gibt heute so gute Therapieverfahren."

Wie diese aussehen und welche Chancen die Medizin Krebspatienten bietet, ist in der Podiumsdiskussion "Diagnose Krebs - wie geht es weiter?" am Donnerstag, 23. Oktober, von Fachärzten aus der Region zu erfahren. Die Veranstaltung im Rahmen der Allmendinger Gesundheitstage beginnt um 19.30 Uhr im Bürgerhaus in Allmendingen.

Bislang gab es bei den Gesundheitstagen ausschließlich Fachvorträge, die Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Spezialisten ist neu. Die Organisatorin Marlinde Gabora kam auf die Idee, weil sie Betroffene wie Marion Hausner kennt. Sie sagt: "Man darf Menschen in solch einer Situation nicht alleine lassen, muss ihnen Hoffnung geben." Und zwar von Experten mehrerer Fachrichtungen.

Ängste nehmen und Wege aufzeigen, wie es nach der Diagnose weitergehen kann, ist das Ziel, betont Dr. Roland Eisele. Der Internist und Gastroenterologe am Kreiskrankenhaus Blaubeuren moderiert den Abend zusammen mit dem Chefarzt für Frauenheilkunde am Kreiskrankenhaus Ehingen, Dr. Ulf Göretzlehner.

Statt langer Vorträge wollen die Podiumsteilnehmer kurze Statements abgeben, die den Blick der Betroffenen auf Hoffnung und Chancen richten sollen. "Wer die Diagnose bekommt, bei dem fällt ja erst einmal der Vorhang. Anfangs sieht man keinen Ausweg mehr." Den sichtbar zu machen, sei Aufgabe der Mediziner.

Die Fortschritte in der Therapie seien beachtlich, der Abend soll Einblicke in die Bereiche Gynäkologie, Diagnostik, Onkologie, Chirurgie und Radiologie geben und Ängsten wie etwa vor einer Bestrahlungstherapie entgegenwirken. Selbst dann, wenn keine Heilung möglich sei, gebe es Ansatzpunkte, die Krankheit zu lindern.

"Unsere Botschaft lautet: Man wird nicht alleine gelassen", sagt Eisele. Man könne nicht beantworten, wie lange jemand noch leben werde. Aber man könne Mut machen, sich Ziele zu setzen, etwa eine lang ersehnte Reise oder eine Aussprache mit jemandem. Auch Fragen, wie sich etwa Patienten gegenüber ihren Angehörigen verhalten sollten, will die Gesprächsrunde beantworten und somit helfen, Unsicherheiten im Alltag der Betroffenen abzubauen.

Marion Hausner hat sich von ihrer Erkrankung am Ende positiv beeinflussen lassen: Die ehemalige Arzt-Sekretärin wollte das Gefühl haben, anderen betroffenen Frauen helfen zu können und verkauft seither Perücken. Sie gilt zurzeit als gesund, weiß jedoch auch: "Man hat die Sache immer irgendwie im Hinterkopf. Aber man darf sein Leben nicht davon bestimmen lassen."

Die weiteren Teilnehmer im Uberblick

Professor Dr. Thomas Wiegel, Facharzt für Strahlentherapie und Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Ulm.

Bernd Nasifoglu, Facharzt für Chirurgie und spezielle Viszeralchirurgie, Sektionsleiter Viszeralchirurgie am Krankenhaus Ehingen.

Dr. Martin Simon, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie mit Niederlassung im Gesundheitszentrum in Ehingen.

Dr. Markus Tannheimer, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Oberarzt der Viszeralchirurgie am Krankenhaus Blaubeuren.

Dr. und Diplom-Physiologe Sebastian Thees, Arzt für Radiologie, Radiologische Praxis.

SWP