Lebensweg Alex Rothenbacher: Wald macht ihn glücklich

Bistro-Betreiber, Jäger und Waldpädagoge: Alexander Rothenbacher in seinem Büro in der Münsingerstraße.
Bistro-Betreiber, Jäger und Waldpädagoge: Alexander Rothenbacher in seinem Büro in der Münsingerstraße. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 13.07.2018
Alexander Rothenbacher ist Bistro-Betreiber, Jäger und auch Waldpädagoge. Mit viel Freude bringt er Natur und Mensch zusammen.

Wenn Alexander Rothenbacher über den Wald spricht, strahlt er Zufriedenheit aus. Während seine Jahrgänger bereits vom Vorruhestand reden, hat der 58-Jährige vor nicht allzu langer Zeit ganz neue Wege eingeschlagen. Er ist nicht nur Bistro-Betreiber und Jäger, sondern auch staatlich zertifizierter Waldpädagoge. Im Oktober 2013 hat Rothenbacher nach einer zweijährigen Weiterbildung die Prüfung abgelegt. Damit sei er einer von wenigen Waldpädagogen im Land und der einzige im Alb-Donau-Kreis, der es vorberuflich mache. Mit Kindergarten-, Schulkindern und Erwachsenen geht Rothenbacher in den Wald, um ihnen die Natur näher zu bringen, er spricht über Waldbewirtschaftung und Nachhaltigkeit und leitet Wald-Camps.

Vom Kaufmann zum Pädagogen

Dass er mal Pädagoge wird, das konnte er sich selbst am wenigsten vorstellen, erzählt er und lacht. Der 58-Jährige ist gelernter Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Eigentlich sei es vorgesehen gewesen, dass er in das Geschäft seiner Familie einsteigt. Dazu gehörten eine Tankstelle und direkt nebenan, in der Pfisterstraße 22, wo heute das „Bistro ’84“ ist, ein Lebensmittelgeschäft. „Die Tankstelle hat meine Oma väterlicherseits 1959 gegründet“, erzählt Rothenbacher. „Sie war eine richtige Geschäftsfrau und Kauffrau.“ Bis 1988 hat die Familie die Tankstelle betrieben. Doch es war nicht einfach: „Es waren beides Branchen, die wir mit der Zeit aufgeben mussten“, sagt Rothenbacher, der im Haus über dem „Bistro ’84“ geboren ist.

Eine Neuorientierung war gefragt. 1980, da war der Laden bereits verpachtet, ging Rothenbacher zur Bundeswehr nach Ulm und absolvierte eine Ausbildung zum Reserveoffizier. „Es war von Anfang an nur auf eine gewisse Zeit gedacht“, erzählt er. 1984 gründeten Rothenbacher und sein Jugendfreund Andreas Lemmle dann das „Bistro ’84“. Seit 1986 betreibt Rothenbacher das Bistro, das heute in Ehingen eine Institution ist, alleine. Es gibt Gäste, die dem Lokal all die Jahre die Treue gehalten haben. Darüber freut sich Rothenbacher. Heute beschäftigt er neun Angestellte und hat sich selbst weitestgehend aus dem Service zurückgezogen. „Ich habe Mitarbeiter, die den Betrieb leben.“ Umso leichter falle es ihm, sich auf seine jüngste Aufgabe, die Waldpädagogik, zu konzentrieren.

Zur Natur fand er über den Schäferhund Eric, den sein Vater gekauft hatte. „Der Hund was so kräftig, dass ich mit ihm spazieren gehen musste“, erzählt Rothenbacher. „Wir sind viel zusammen in den Wald gegangen.“ Die Jagd hat sein Interesse zuerst geweckt. Kurzerhand hatte er Dr. Jörg Trowitzsch, seinen damaligen Arzt, der auch Jäger ist, gefragt, ob er zu einer Jagd mitkommen könnte. Die Faszination blieb, und so hat Rothenbacher 2006 eine Jägerprüfung abgelegt. Als ein Kind mit der Bitte auf ihn zukam, ob der Jäger ihm und seinen Freunden den Wald zeigen könnte, eröffnete dies Rothenbacher einen neuen Horizont – die Waldpädagogik. „Das Kind hat mich darauf gebracht“, erzählt er. Fürs Erste holte sich Rothenbacher Unterstützung bei Dr. Martin Melzer, einem erfahrenen Jäger aus Kirchen. Die Idee ließ ihn nicht mehr los. „Es hat mich bitzelt“, erzählt er. Zunächst ehrenamtlich engagierte sich Rothenbacher einige Jahre für die Jägervereinigung. So entstanden die ersten Kontakte zu Schulen und Vereinen. „Die Nachfrage nach Umweltbildung war so groß, dass ich sie nicht mehr bedienen konnte“, erzählt er.

Tobias Schwarz vom Forstamt brachte den Jäger Rothenbacher, der inzwischen ins staatliche Forstrevier Lauterach gewechselt war, auf die Idee der Weiterbildung zum Waldpädagogen bei der staatlichen Forstverwaltung. Inzwischen ist die Waldpädagogik zu einer Vollzeitbeschäftigung gewachsen, sagt Rothenbacher. Vier Tage die Woche, das ganze Jahr über sei er in Sachen Umweltbildung unterwegs.

Hinzu kommen ehrenamtliche Einsätze im Arbeitskreis Bildung für Nachhaltige Entwicklung der Lokalen Agenda Ehingen sowie bei den Junior Rangers im Biosphärengebiet Schwäbische Alb und für die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Das Bewusstsein, dass unser Konsum die Ressourcen verschlingt, ist wenig ausgeprägt“, stellt Rothenbacher fest, „vor allem bei Erwachsenen“. Es bleibt also viel zu tun. „Für den Umweltschutz muss man kämpfen.“ Nicht nur begeistert, sondern auch bestärkt hat Rothenbacher, der sich als gläubigen Christen bezeichnet, die Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. „Ich habe den Beistand vom Papst und das beflügelt mich, ich bin voll auf seiner Linie.“

Wenn der Marder im Dach haust

Dass er sich als Jäger und Waldpädagoge etabliert hat, zeigt auch dieses: Die Leute rufen ihn an, wenn ein Marder im Dach haust oder wenn ein Fuchs gesichtet wird. Dann verweist Rothenbacher an die richtigen Ansprechpartner. Sein Name werde inzwischen eben eher mit dem Wald als mit dem Bistro in Verbindung gebracht, sagt er und schmunzelt.

Zu viel wird ihm das alles nicht: „Im Wald bin ich glücklich“, sagt der Ehemann und Vater einer erwachsenen Tochter. Mit einer Einschränkung, dass die Familie nicht zu kurz kommen darf. Genauso wie im Wald, geht es eben auch im Leben um die richtige Balance.

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