Wechsel Albert Schweizer war Idol: Generalökonomin Erentraud geht in Ruhestand

Schwester Erentraud geht in den Ruhestand. Foto: Doris Moser
Schwester Erentraud geht in den Ruhestand. Foto: Doris Moser © Foto: Doris Moser
Untermarchtal / DORIS MOSER 29.12.2016

Das Idol meiner Jugend war Albert Schweitzer, und deshalb wollte ich als Krankenschwester in die Missionsarbeit gehen“, blendet Schwester Erentraud zurück. Mit diesem Ziel trat die als „Anneliese vom Lamm“ in Lautlingen auf der Alb aufgewachsene Tochter der Gastwirts- und Bauernfamilie Fauler 1961 in den Orden des Heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal ein. Doch daraus wurde nichts, wenngleich die Vinzentinerinnen in Tansania Missionsarbeit leisten. Vielmehr fand Schwester Erentraud in ganz anderen Bereichen ihre berufliche Erfüllung. Sie wurde bis jetzt in Untermarchtal gebraucht.

Nach dem Studium an der Berufspädagogischen Hochschule in Stuttgart unterrichtete sie zunächst an der privaten Hauswirtschaftsschule des Klosters bis zu deren Auflösung 1979 und wechselte dann in die Verwaltung des Mutterhauses. Damit kehrte sie zu ihrem ursprünglich erlernten Beruf zurück und absolvierte ein berufsbegleitendes Betriebswirtschaftsstudium in Ulm. Damit war die Ordensfrau gewappnet für die verantwortungsvolle und vielseitige Aufgabe, die ihr 1993 von der damaligen Generaloberin Schwester Marieluise Metzger im Einvernehmen mit dem Generalrat per Ernennung übertragen wurde: Als Generalökonomin verwaltete sie fortan unter Leitung der Generaloberin das Vermögen der Kongregation unter Beachtung der Kirchen-, Ordens- und zivilrechtlichen Grundlagen.

Damit wuchs ihr eine komplexe Herausforderung zu, denn in ihren Händen lag nun die Verwaltung eines großen Unternehmens mit zahlreichen Einrichtungen, das stetig wuchs und sich weiter entwickelte. Viele Millionen Euro wurden unter ihrer Ägide in neue Projekte sowie Sanierungen zum Werterhalt investiert. Sie war an den strategischen und strukturellen Entwicklungen beteiligt, die 1996 in die Gründung von drei GMBHs mündeten. Etwa das Marienhospital in Stuttgart, die psychiatrische Klinik in Rottenmünster und die Kurklinik Bad Ditzenbach wie auch die Altenzentren wurden nun eigenverantwortlich geführt, und mittlerweile sind alle Einrichtungen des Klosters gehalten sich selbst zu finanzieren. Ein erheblicher Wandel vollzog sich auch auf dem personellen Sektor. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs seit 1996 von 3200 auf aktuell 5700, im selben Zeitraum fiel die Zahl der Ordensschwestern von 640 auf 294 zurück. Diese Entwicklung und die Altersstruktur des Ordens ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft, und sie erfordert genaue und differenzierte wirtschaftliche Planungen. Ziel und Zweck aller Arbeit ist es laut Schwester Erentraud, das vinzentinische Profil zu schärfen und dafür zu sorgen, dass der Orden weiterhin gestalterisch wirken kann und der Lebensunterhalt der Schwestern gesichert ist. Dies muss er aus eigener Kraft leisten, denn von der Kirchensteuer erhalte der Orden kein Geld.

Derzeit räumt Schwester Erentraud ihr Büro und sieht mit Freude ihrem neuen Lebensabschnitt in Schwäbisch Gmünd entgegen. Dort lebt sie ab Januar in der Schule für Hörbehinderte im Konvent St. Josef. Ob sie auch Aufgaben übernimmt werde sich mit der Zeit zeigen. Sie kehrt damit zu den Wurzeln des Ordens zurück, der in Schwäbisch Gmünd gegründet wurde und um 1890 nach Untermarchtal umgezogen ist. Vom Mutterhaus an der Donau nimmt sie viele schöne Erinnerungen mit, unter anderem ein Album mit Bildern und Eindrücken, das Mitschwestern und Mitarbeiter für sie gestaltet haben. „Es ist gut, dass meine Tage künftig nicht mehr so eng getaktet sind und es insgesamt ruhiger wird“, sagt die 75-jährige Ordensfrau, die zehn Jahre über das reguläre Rentenalter hinaus ihre Pflichten erfüllt hat. Ihre Nachfolgerin ist Schwester Tabea, die das Schwabenalter erreicht hat.

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