Verkehr Alb-Donau-Kreis: An der Straße soll es blühen

Minister Winfried Hermann sät Samen an der B 311 aus. Professor Christian Küpfer (von links) und der Wissenschaftler Manuel Vollrath erklären den Abgeordneten Daniel Rottmann und Manuel Hagel sowie den Landräten Heiner Scheffold und Achim Brötel, was das Ziel ist.
Minister Winfried Hermann sät Samen an der B 311 aus. Professor Christian Küpfer (von links) und der Wissenschaftler Manuel Vollrath erklären den Abgeordneten Daniel Rottmann und Manuel Hagel sowie den Landräten Heiner Scheffold und Achim Brötel, was das Ziel ist. © Foto: Stefan Bentele
Obermarchtal / Stefan Bentele 24.08.2018

Der Zottige Klappertopf soll es richten und das Straßenbegleitgrün im Alb-Donau-Kreis erblühen lassen – und ganz nebenbei den Weg für weitere heimische Blüher ebnen, darunter der Wiesensalbei und die Wiesen-Flockenblume und so Insekten etwa Nahrung bieten. Das zumindest haben sich das Landesverkehrsministerium in Stuttgart, die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sowie die Landkreise Alb-Donau, Neckar-Odenwald und Ortenau in einem Modellprojekt für Straßenbegleitgrün vorgenommen.

Startschuss für das auf drei Jahre anberaumte Projekt im Alb-Donau-Kreis war gestern an der Bundesstraße 311 hinter Obermarchtal. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der gerade auf Sommertour durchs Land reist, war auf Einladung von Alb-Donau-Landrat Heiner Scheffold gekommen, ebenso Achim Brötel, Landrat im Neckar-Odenwald-Kreis, die Landtagsabgeordneten Manuel Hagel (CDU), Daniel Rottmann (AfD) und mehrere Kreisräte. Sie ließen sich von Professor Christian Küpfer von der Hochschule Nürtingen-Geislingen, zugleich Projektleiter, erklären, was in den kommenden Jahren geschieht.

Anlass für das Modellprojekt, das 2017 bereits in anderen Kreisen startete, ist die Frage, wie man künftig mit dem so genannten Begleitgrün an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Land umgeht, wie Minister Hermann erklärte. Das Land sei wegen des Straßenbegleitgrüns an den 27 000 Straßenkilometer ein großer Grundbesitzer. Und weil mit Straßenbau massiv in die Natur und in den Lebensraum von Tieren eingegriffen werde, „können wir uns da nicht aus dem Staub machen“. Ziel sei es, auf Gefährdungen für das Ökosystem – Hermann hob das Insektensterben hervor – zu reagieren und „Strategien zum Erhalt der Artenvielfalt zu entwickeln“. Hermann zufolge übernimmt das Land mit dem Projekt bundesweit eine Vorreiterrolle.

Täglich 40 000 Pendler aus und 20 000 Pendler in den Kreis, diese Zahlen nannte Landrat Scheffold und unterstrich damit die Bedeutung der hiesigen Straßen. Mit Blick auf die B 311 im Kreis forderte er von Hermann einen sukzessiven Ausbau der wichtigen Verkehrsachse, denn: „Die B 311 ist die nicht gebaute Autobahn der 70er Jahre.“

Zwar hat Scheffold zufolge der Landkreis das Straßenbegleitgrün bereits im Blick, dies sei schon im Kreisrat intensiv behandelt worden. Auch werden seit 20 Jahren keine chemischen Pflanzenmittel mehr vom Kreis eingesetzt, stattdessen werde gemulcht und extensiviert. Dennoch wolle man einen weiteren Beitrag leisten und die Artenvielfalt erhöhen, nicht nur an den Straßen, auch an den Liegenschaften.

Laut Professor Küpfer habe man sich im Alb-Donau-Kreis umgeschaut und hier im Straßenbegleitgrün gute Verhältnisse vorgefunden. Es verwachse nicht so schnell, womit der Pflegeaufwand für die Straßenmeisterei geringer ausfällt. Küpfers wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ingenieur Manuel Vollrath, erklärte, dass Pflanzen wie der Zottige Klappertopf als Schmarotzer Grassorten verdrängt und damit womöglich Raum für andere Blüher schafft. „Wir wollen sehen, was passiert. Das ist ein Experiment.“ Am Ende des Projekts sollen Standorte festgelegt werden, die sich besonders eignen.

Die erste Aussaat der Samen übernahm Hermann, er bekam von Vollrath einen Saatbehälter umgeschnallt und säte schwungvoll den bereiteten Boden an der B 311. Auf die Frage des Ministers, wie nun weiterverfahren werde, antwortete Vollrath, dass nun Standorte nach Potenzial priorisiert werden.

Die Gesamtkosten des Projekts in Höhe von 270 000 Euro, wozu auch Wildbienen-Monitoring gehört, trägt das Ministerium und die Hochschule.

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