Granheim / Rainer Schäffold Für Patienten auf der Ehinger Alb gibt es noch eine Allgemeinpraxis, die aber im Sommer schließen dürfte.

Ein „Riesen-Segen“ sei sie, die Arztpraxis in Granheim. Dies sagte vor kurzem Jutta Uhl, Ortsvorsteherin im nahen Frankenhofen. Doch inzwischen hat sie und die Menschen auf der Ehinger Alb die Entwicklung eingeholt: Im Sommer soll die frühere Praxis von Dr. Günther Hudek schließen. Nach den Betriebsferien im August soll sie nicht mehr geöffnet werden, so ist der momentane Stand. Vor allem der Ärztemangel sei einer der vielfältigen Gründe für das geplante Aus, wie Daniela Rieker, Pressesprecherin der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, mitteilt. Es sei ausgesprochen schwierig, Ärzte in eine „so stark ländlich geprägte Region“ zu bekommen.

Praxis wichtig für die Alb

Seit 1. April 2015 betreibt die ADK GmbH die Granheimer Praxis als Filialpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Munderkingen. Dorthin soll die Praxistätigkeit im Sommer verlegt werden, mit dem derzeitigen Personal. Hans-Jörg Pletsch werde dort dann als Allgemeinmediziner praktizieren, wie er es bislang in Granheim getan hat. Zeitweise hat ihn Dr. Bernhard Platt dabei unterstützt. Noch vor einem Jahr habe es mit Pletsch und einer jungen Kollegin nach einer langfristigen Lösung ausgesehen, schreibt Daniela Rieker. Doch die Ärztin stehe aus familiären Gründen nicht mehr zur Verfügung.

Dabei wäre die Praxis so wichtig für die Alb, sagt Jutta Uhl. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind. „Die Praxis hat floriert.“ Nicht nur von der Alb, auch „aus dem Lautertäle“ und aus Ehingen seien die Patienten gekommen. Früher war es gar so, dass es bei Dr. Hudek, der inzwischen im Ruhestand ist, Medikamente zum Mitnehmen gab. Klingt ungewöhnlich, ist aber für eine ländliche Region wie die Alb nur konsequent: Eine Sondergenehmigung machte es möglich, dass Hudek Produkte aus der Apotheke in Obermarchtal vorrätig hatte und den Patienten gleich mitgeben konnte. Im Grunde wurde so das Fehlen einer nahen Apotheke als Nachteil kurzerhand in einen praktischen Vorteil umgemünzt. „Die Hudeks haben das mit Herzblut betrieben“, sagt Jutta Uhl, „das war ihr Lebenswerk“. So sei Hudeks Ehefrau Sabine Hudek als Sprechstundenhilfe „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen.

Weder Zahnart noch Apotheke

Mit dem Ende der Landarztpraxis mag sich Jutta Uhl noch nicht abfinden. „Es muss das Bestreben sein, die Praxis zu erhalten.“ Sie habe bereits Gespräche geführt und eine Lösung stehe im Raum. „Es könnte sich was abzeichnen“, wobei noch nichts sicher sei. Denn nicht nur der Bedarf, sondern auch die Rahmenbedingungen seien vorhanden. „Praxis, Gelände, alles ist da.“

Keine stationäre Praxis gibt es für die Bürger auf der Schelklinger Alb, ebenso wenig wie einen Zahnarzt oder eine Apotheke. Der nächste Zahnarzt befindet sich in Mehrstetten. Die Ingstettener, Justinger oder Hausener etwa holen ihre Medizin in der Apotheke in Schelklingen, Heroldstatt oder Laichingen und nehmen dabei Fahrtstrecken von bis zu zwölf Kilometer in Kauf, erklärt Dieter Schmucker, Ortsvorsteher in Ingstetten. Zum Arzt gehen sie nach Schelklingen, Heroldstatt oder Feldstetten.

Oder sie besuchen Dr. Andrea Münkle-Krimly. Einmal pro Woche, jeden Donnerstag, kommt die Allgemeinmedizinerin aus Mehrstetten nach Justingen. Im Pfarrhaus hat sie eine Arztpraxis eingerichtet. „Mit einer allgemein­ärztlichen Notausstattung“, sagt Münkle-Krimly. Es gibt Geräte für EKG oder Blutabnahme, jedoch keine für Ultraschall oder zum Prüfen der Lungenfunktion. Dieses Modell, dass der Arzt zu den Leuten kommt, nehmen die Patienten sehr gut an, sagt sie. Denn es erhalte vor allem den Älteren die Selbstständigkeit. Eine Stunde ist sie in der Praxis, dann macht sie noch Hausbesuche. In Bremelau betreut die Ärztin eine weitere solche „Zweigstelle“.

Sprechstunde ohne Termin

Bürokratie oder lange Wartezeiten, wie es sie vor allem bei  Fachärzten oft gibt, kennt Andrea Münkle-Krimly in ihrer Praxis nicht: „Wir sind auch Fachärzte auf eine Art“, sagt sie, „nur nicht so tiefgreifend“. Wer zu ihr in die Sprechstunde will, braucht noch nicht einmal einen Termin. Sie oder er kommt einfach ins Pfarrhaus. „Bei uns wird immer jeder angenommen, ohne vorherige Absprache.“

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Mal pro Woche kommt Allgemeinmedizinierin Dr. Andrea Münkle-Krimly ins Justinger Pfarrhaus und hält dort Sprechstunden ab – gefolgt von Hausbesuchen.