Natur Äpfel sind früher reif, aber weniger saftig

Werner Schöll (links) aus Berghülen  und Edgar Götz aus Weilersteußlingen sind geprüfte Obstbaumpfleger.
Werner Schöll (links) aus Berghülen und Edgar Götz aus Weilersteußlingen sind geprüfte Obstbaumpfleger. © Foto: Emmenlauer
Oberdischingen / Renate Emmenlauer 15.09.2018
Edgar Götz und Werner Schöll eint die Liebe zu Obstsorten. Sie sind enttäuscht über manche Kommunen, die Bäume nicht pflegen.

Die Sonne scheint über die riesige Streuobstwiese von Edgar Götz auf den Lutherischen Bergen. Der Weilersteußlinger hat es sich mit Werner Schöll aus Berghülen auf einer rustikalen Holzbank gemütlich gemacht und schaut mit strahlender Miene auf seinen gut gediehenen Baumbestand. „Das ist pures Leben, hier inmitten der wunderschönen Natur zu verweilen.“ Werner Schöll pflichtet bei. Götz hat sein Faible für die Natur schon von klein auf, durch den elterlichen Bauernhof und seinen Vater, der auch Dutzende Apfelbäume gehegt und gepflegt hat.

Gute Apfelernte

Jeder beißt genüsslich in einen gepflückten Apfel. „Wir sind schon mitten in der Ernte. Bei uns kommen nur Äpfel aus der eigenen Ernte auf den Tisch. Da wissen wir, was man isst“, sagt Götz. Wegen Hitze und Trockenheit seien die Äpfel in diesem Jahr zwar einige Wochen früher reif, der Ertrag wegen dem guten Frühjahr überdurchschnittlich, die Äpfel seien aber trockener als sonst. Die Ausbeute beim Saften ist deshalb nicht ganz so hoch. Aber es kommt auch auf die Sorte an. Beide lassen ihre Äpfel überwiegend zu Apfelsaft pressen, die Verwandtschaft wird so versorgt. „Ein kleines Fässle Most für den Hausgebrauch muss aber auch sein“, sagt Götz und lacht.

Obst aus eigenem Anbau

Obgleich die Bäume der Hobbyobstbauern nie gespritzt oder anderweitig chemisch behandelt werden, haben sie diese nicht als Bio zertifizieren lassen. „Wir wissen für uns, dass unser Obst biologisch einwandfrei ist. Das reicht“, sagt Werner Schöll. Beide sind ausgebildete Fachwarte für Obst- und Gartenbau und haben in diesem Frühjahr noch die umfangreiche Schulung zum Obstbaumpfleger absolviert.

Werner Schöll widmet sich in der Freizeit seinen 140 Obstbäumen daheim in Berghülen. Auch Edgar Götz ist vielfach in seiner Streuobstwiese mit 80 Obstbäumen und mehr als 30 Sorten zu finden. Beide setzen auf die „alten“ Sorten, um deren Erhalt mit zu sichern. „Im 19. Jahrhundert gab es weltweit 6000 Apfelsorten, jetzt nur noch 2000. Äpfel zählten in den damals kargen Zeiten mit Hungersnöten und Vitaminmangel zu den wichtigsten Hauptnahrungsmitteln“, sagt der Weilersteußlinger.

Leidenschaft für die Natur

Die zwei Freunde, die ihre Leidenschaft für die Natur teilen – und die ihrer Ansicht immer steriler wird – kämpfen für das Obst von anno dazumal, auch wegen dessen gesunden Inhaltsstoffen wie Polyphenole. „Die sollen Entzündungen heilen bekämpfen“, sagt Werner Schöll. Sie bemängeln das mangelnde Wissen vieler Leute um den hohen Wert des alten Apfelbestands. „Die gehen in den Supermarkt und wollen nur hochglänzende Äpfel ohne jedes Wärzchen. Aber mit gesundem Obst haben diese Äpfel längst nichts mehr zu tun.“

Zudem wünschen sie sich, dass es für Privatpersonen Zuschüsse geben müsste, wenn sie alte Obstbäume pflanzen. Am meisten aber ärgern sie sich über Kommunen, die Streuobstwiesen anlegen, mehrheitlich aber nur der Ökopunkte wegen als Ausgleichsflächen. Danach lasse man die Wiesen und Bäume oft regelrecht verkümmern. Die beiden plädieren dafür, dass ein so genannter Feldschütz die Bäume von Städten und Gemeinden kontrolliert und bei mangelhafter Pflege die Ökopunkte entzogen werden. Denn wie beide wissen, verfügen die wenigsten Kommunen in ihren Bauhöfen über ausgebildete Obstbaumpfleger. „Die kennen sich meist nur mit Alleebäumen aus.“

Aber nur mit kontinuierlichen Pflege und richtigem Schnitt könne ein Obstbaum über Jahre gedeihen, viel Ertrag und gesunde Früchte bringen. Sollte ein Baum verkümmern, sei dieser nicht tot und müsse nicht umgesägt werden. Er biete besten Lebensraum für Wildbienen, Insekten und anderes Getier.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel