Munderkingen Älteste Bürgerin Munderkingens feiert 104. Geburtstag:

Anna Jäger, die älteste Munderkingerin, feiert morgen ihren 104. Geburtstag.
Anna Jäger, die älteste Munderkingerin, feiert morgen ihren 104. Geburtstag. © Foto: Burkhardt
INGEBORG BURKHARDT 17.06.2014
Bis 2012 hat sich Anna Jäger noch selbst versorgt. Dann kam sie aus Friedrichshafen zurück in ihre Heimatstadt ins Altenheim St. Anna. Hier feiert die älteste Munderkingerin morgen ihren 104. Geburtstag.

Mit dem Rollator ist Anna Jäger im Altenheim unterwegs. Nach einem arbeitsreichen Leben kehrte die vor 104 Jahren im Gasthaus "Grüner Baum", im so genannten "Burren", geborene Tochter des Metzgermeisters Karl Kreutle in ihre Heimatstadt zurück. Bis vor zwei Jahren hatte sie in Friedrichshafen gelebt und sich auch selbst versorgt. Weil es ihr ab und zu schwindlig ist, hat sie sich jetzt ins Altenheim begeben, in die Nähe ihrer Nichte Jutta Shannon und zu ihrem Stiefbruder Konrad Neumeister, der nebenan in der Seniorenwohnanlage lebt.

Dass sie nun mit 104 Jahren die älteste Bürgerin der Stadt ist, nimmt die Jubilarin gelassen und blickt auch erstaunt auf, wenn sie nach ihrem Leben gefragt wird, wo doch "alles schon so lange her ist" und sie sich wegen ihrer Schwerhörigkeit auch anstrengen muss, dass sie versteht, was sie gefragt wird, sagt die einstige Wirtstochter, die in jungen Jahren als Haushaltshilfe in Stuttgart und in der Schweiz gearbeitet hatte. Ihr Vater war bereits 1919 gestorben. Bald hatte Konrad Neumeister die Mutter mit der kleinen Anna und ihren drei Brüderchen geheiratet. Dann waren noch ein Bruder und ein Schwesterle dazu gekommen.

Bei Heimatbesuchen hatte die junge Haushaltshilfe den an der Marktstraße aus Rechtenstein mit seiner Mutter zugezogenen Flugzeugtechniker Georg Jäger kennen gelernt, der sie 1934 zum Traualtar führte. Die Hochzeitsfeier mit der großen Verwandtschaft wurde im Saal des Gasthauses "Hecht" (es stand bis zum Brand 1937 auf dem Platz der heutigen Sparkasse) gefeiert. Dann zog das junge Paar nach Friedrichshafen, wo Georg Jäger im Flugzeugbau bei Zeppelin arbeitete, und manchmal ging sie dann "zum Bedienen". Wenn der Stiefbruder Konrad zu Besuch kam, dann nahm ihn der Schwager mit zum Segelfliegen und ins Werk, in dem die Luftschiffe gebaut wurden - und zum Start der Hindenburg. Als Friedrichshafen bombardiert wurde, hätten sie Glück gehabt, denn das Haus, in dem sie als Mieter gewohnt hatten, sei verschont geblieben. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs habe "ihr Schorsch" bei der Bahn einen guten Arbeitsplatz bekommen. Sie sei aber "schon ewig lange Witwe", und "Kinder hatten wir leider keine", sagt die Seniorin, die sich damals entschieden hatte, am Bodensee zu bleiben. Als junge Witwe machte sie dann das, was sie schon als Kind gelernt hatte und ging in ihrer Wahlheimat "zum Bedienen in die ,Krone". Mit der Zeit hatte sie so viel gespart, dass sie sich eine Eigentumswohnung in einem Hochhaus kaufen konnte, in der sie bis 2012 gewohnt hat.

Im Altenzentrum St. Anna hat sie sich gut eingelebt und war auch 2013 beim einwöchigen Urlaub mit dabei. Diesmal will sie passen, hat sie ihrer Nichte gesagt. Aber der Geburtstag wird mit den Angehörigen gefeiert.