Ehingen Absicht oder nur ein dummer Unfall?

Ehingen / JULIA-MARIA BAMMES 29.01.2014
Weil er ein Auto angefahren haben soll, stand ein 45-Jähriger gestern vor dem Ehinger Amtsgericht. Nun soll ein Gutachten eingeholt werden.

War der VW Sharan überhaupt in den Vorfall verwickelt? War es Vorsatz? War es ein Unfall? Und war der Angeklagte überhaupt derjenige, der das Auto fuhr? All diese Fragen ließen sich gestern vor dem Ehinger Amtsgericht nicht klären. Und so kam es auch zu keinem Urteil. Angeklagt war ein 45-Jähriger.

Ihm wird vorgeworfen, im Dezember 2012 mit dem VW zwei Mal mit Absicht gegen ein anderes Auto, einen Opel, gefahren zu sein. Auf dem Beifahrersitz des Opels saß die Tochter des 45-Jährigen, am Steuer der Freund der jungen Frau. Der Unfall ereignete sich am frühen Morgen um zwei Uhr. Das Auto war auf einem Parkplatz in der Nähe der Wohnung abgestellt, in der die junge Frau und ihre Eltern leben.

Wie es in der Anklage heißt, sei der VW zunächst frontal gegen das rechte Hinterrad des Opels gefahren, dann gegen das vordere rechte Rad gekracht. An dem Opel entstand dadurch ein Schaden von 3400 Euro. Laut Kostenvoranschlag einer Werkstatt hätten sowohl vordere als auch hintere Stoßstange und die vordere Tür der Beifahrerseite ausgetauscht werden müssen.

Der Freund, heute 24 Jahre alt, schilderte den Unfall: Er habe auf Wunsch der Freundin in einiger Entfernung zur Wohnung geparkt, man habe geredet und wollte sich verabschieden. Dann sei ein Auto, ein Familienwagen, gekommen, habe einen Bogen beschrieben und sei in seinen Wagen gekracht. Die Freundin habe gerufen, "das ist mein Vater, hau schnell ab". Und so meinte er auch, den Angeklagten als jenen Mann zu erkennen, der hinterm Steuer saß. Nach dem Zusammenstoß habe er den Motor gestartet und sei weggefahren. "Ich hab Angst bekommen", sagte er. Nach dem Vorfall war die Beziehung beendet. Der Freund erstattete Anzeige. Am Tag nach dem Unfall habe die Mutter der Freundin angerufen und ihn bedroht. Der Angeklagte machte gestern keine Angaben.

Ein Polizist, der den Fall damals bearbeitet hatte, berichtete, dass er damals den 45-Jährigen aufgesucht habe. Dessen Frau habe sich sogleich eingeschaltet und gesagt, dass sie den VW gefahren habe. Das brachte auch der Verteidiger ins Gespräch. Auch sei zu überprüfen, ob in besagter Nacht Schnee lag. Möglicherweise sei es ein Unfall gewesen. Weiter sei der 45-Jährige zum Zeitpunkt der Tat auf Kur gewesen.

Richter Wolfgang Lampa schlug vor, das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen einzuholen. Die Unfallspuren, auf Fotos dokumentiert, scheinen in manchen Punkten nicht unbedingt zu dem möglichen Ablauf des Unfalls zu passen. Das Gutachten soll klären, ob und gegebenenfalls auf welche Weise die Schäden an dem Opel durch den VW verursacht worden sind. Über den weiteren Fortgang des Verfahrens werde dann nach dem Eingang des Gutachtens entschieden.

Weiter wird dem 45-Jährigen vorgeworfen, sowohl in der Unfallnacht als auch im Februar 2012 ohne Führerschein am Steuer gesessen zu haben. Im Jahr 2000 wurde dem Mann der Schein entzogen.

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