Blasmusik Abschied eines Schlagzeugers

Ehingen / Christina Kirsch 10.04.2018

Süffig und elegant spielte das Kreisverbandsjugendblasorchester unter der Leitung von Franco Hänle bei seinem Konzert in der gut besuchten Lindenhalle auf. Mit der populären Carmen Suite von Georges Bizet in der Transkription von Tohru Takahashi bestritt des Kreisverbandsjugendblasorchester einen Konzertabend, an dem die Ehinger ihre große Verbundenheit mit dem 1999 gegründeten Auswahlorchester bekundeten. Ehemalige Musiker trafen sich an dem Abend ebenso wie Dirigenten der Musikvereine. Man kennt sich und hat meist schon miteinander Musik gemacht. Zunächst eröffnete Dirigent Franco Hänle das Konzert mit einer Fanfare. Danach folgte die Carmen Suite, deren neun Sätze mit der „Aragonaise“ oder der „Habanera“ bekannte Ohrwürmer bereit hielt. Das Orchester spielte professionell, akzentuiert und elegant.

Vor der Pause gab es noch eine besondere Ehrung: Karl Glöckler aus Sontheim, früher langjähriger Vorsitzender des Blasmusikkreisverbands und heute Vizepräsident des Blasmusikverbands Baden-Württemberg, zeichnet mit Hans-Peter Hirling einen langjährigen Wegbegleiter des Orchesters aus. Hirling,  selbst leidenschaftlicher Musiker aus Ringingen und seit dem Jahreswechsel pensionierter Vorstandssprecher zuerst der Ehinger Volksbank und dann der Donau-Iller-Bank, erhielt die Erich-Ganzenmüller-Medaille des Landesverbands. Hirling hatte über Jahrzehnte die Stiftung Blasmusikjugend finanziell unterstützt und mit dazu beigetragen, dass sie heute mit einem Kapital von mehr als 300 000 Euro Gutes für die Bläserjugend tun kann. Hirling war es auch, der die Abrechnungen gegenüber der Aufsichtsbehörde durchgeführt hat, bedankte sich Karl Glöckler.

Von Säuseln bis Donnerschlag

Seit fünf Jahren ist Jonathan Frey aus Neu-Ulm im KVJBO Ulm/Alb-Donau aktiv und war in dieser Zeit auch Registerführer. Mit dem Konzert schied der Lehramtsstudent aus dem Auswahlorchester aus und gab einen fulminanten Abschied. Der 22-Jährige spielte ein Konzert für Schlagzeug und Orchester, das sein Studienfreund Julien Meisenzahl geschrieben hatte. Mit den Überschriften „Wind“, „Reinheit“ und „Tanz“ waren die drei Sätze der Komposition überschrieben. Jonathan Frey intonierte eine emotional aufgeladene Komposition, in der vom Säuseln bis zum Donnerschlag allerlei Naturphänomene zu hören waren. Beinahe folkloristisch mutete der Tanz an, den das Orchester einfühlsam begleitete. Der versierte Solist wechselte zwischen Metallophon und Trommeln hin und her, unterbrach Rhythmen, stoppte sich selber, nahm wieder Schwung und manipulierte den Schall mit der Hand, so dass sich mit unterschiedlichsten Elementen ein musikalischer Kreis schloss.

In eine ganz andere Richtung ging das von Jazz und Blues inspirierte Stück „Blue Shades“ von Frank Ticheli, in dem immer wieder kehrende musikalische Schatten die Musiker vorantrieben. Man empfand das Stück aufregend und gehetzt. Im Gegensatz zu dieser Stimmungslage blies Sophia Hüber eine sehr melodische Klarinette im Stil von Benny Goodman.

Publikum und Orchester amüsierten sich über einen witzigen Schluss. „Die Forderung nach einer Zugabe trifft uns nicht unvorbereitet“, meinte Franco Hänle am Konzertende. Der Dirigent stellte kurz die Neuzugänge unter den Musikern vor. „Ich bezeichne das Orchester immer als Durchlauferhitzer“, erläuterte er das Kommen und Gehen in dem Jugendorchester. Franco Hänle ließ auch diejenigen aufstehen, die das letzte Mal mitspielten. Ann-Katrin Maikler verabschiedete sich in der ersten Zugabe mit einem Flötensolo. „Wir haben in dem Titel Elemente der modernen Stilistik“, kündigte Franco Hänle die Komposition an, in der auch Sprechgesang zu hören war. Als zweite Zugabe spielten die Musiker den Kreismarsch „Von der Alb zur Donau“, den die Vereinsmusiker ohnehin im Repertoire haben. Wieder einmal gaben die 55 aktiven Musiker eine hervorragende Visitenkarte ab und begeisterten die Ehinger nachhaltig.

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