Schlecker Prozess Schriftliches Urteil: Meike und Lars „von besonders großer Geldgier geprägt“

Das schriftliche Urteil gegen Anton Schlecker und seine Kinder Meike und Lars ist nun freigegeben worden.
Das schriftliche Urteil gegen Anton Schlecker und seine Kinder Meike und Lars ist nun freigegeben worden. © Foto: dpa
Ulm / Simone Dürmuth 27.07.2018

Vor acht Monaten fiel das Urteil  gegen den gefallenen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker und seine Kinder Meike und Lars. Der Prozess endete nach fast neun Monaten mit einer Bewährungs- und Geldstrafe für den Patriarchen und Gefängnisstrafen von fast drei Jahren für seine Kinder.

Jetzt liegt der SÜDWEST PRESSE die schriftliche Urteilsbegründung vor. Gegen die Herausgabe des 141 Seiten starken Dokuments hatte sich Familie Schlecker gerichtlich gewehrt. Sie zeigt, was den Schlecker-Kindern zum Verhängnis wurde. Hier die vier wichtigsten Fakten des schriftlichen Urteils:

1. Gläubigern Zugriff auf Vermögen entzogen

Zum einen waren die Richter davon überzeugt, dass das Drogerieunternehmen Schlecker deutlich überhöhte Stundensätze an die Logistikfirma LDG, die den Kindern Meike und Lars gehörte, zahlte. „Durch die überhöhten Stundensätze versprachen sie sich hohe eigene Gewinnausschüttungen“, heißt es in dem Urteil. Ihnen sei bekannt gewesen, dass das eine „Möglichkeit war, unauffällig Vermögen“ zu übertragen. Sie hätten auch gewusst, dass das dem Drogerieunternehmen, dem bereits die Zahlungsunfähigkeit drohte, Schaden würde. Anton Schlecker und seine Kinder hätten dabei zusammengearbeitet und so Vermögen dem Zugriff der Gläubiger entzogen.

2. Fünf Millionen „Vorab-Gewinnausschüttung“ für Kinder

Noch schwerer wiegt, dass Anton Schlecker, nur wenige Tage bevor der den Insolvenzantrag für seine Drogeriemarktkette stellte, etwas mehr als sieben Millionen Euro an die Firma seiner Kinder zahlte. Die ließen sich rund fünf Millionen Euro davon noch am selben Tag als „Vorab-Gewinnausschüttung“ auszahlen. Der Rest ging ans Finanzamt. Nur wenig später rutschte die LDG selbst in die Insolvenz.

Das ist laut Urteilsbegründung ein besonders schwerer Fall der Untreue. Die Gewinnausschüttung sei für die Drogeriemarktkette ein „existenzvernichtender Eingriff“ gewesen. 

3. Zeitpunkt vor Insolvenz wirkt strafverschärfend

Den hohen finanziellen Schaden, aber auch, dass die Insolvenz bereits kurz bevor stand, werteten die Richter als strafverschräfend. Dass die Überweisung nur wenige Tage vor der Schlecker-Insolvenz stattfand zeige, dass die Motivation von Meike und Lars von „besonders großer Geldgier geprägt war“.

4. Freiwillige Zahlungen strafmildernd

Strafmildernd wurde hingegen gewertet, dass sowohl Anton Schlecker als auch seine Kinder freiwillige Zahlungen an den Insolvenzverwalter leisteten. Noch während des Prozesses stockten sie diese Zahlungen noch einmal auf. Das habe „eine friedensstiftende Wirkung“.

Während Anton Schlecker sein Urteil angenommen hat, haben seine Kinder Revision eingelegt. Das Verfahren liegt nun beim Bundesgerichtshof.

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