Reihe Vortrag: „Schluss mit der Angst“

Gut besuchter Vortrag: Dr. Notker Wolf, ehemals Abtprimas des Benediktinerordens und Erzabt in St. Ottilien, sprach am Sonntag im Gemeindehaus „Arche“ in Rißtissen vor 160 Zuhörern.
Gut besuchter Vortrag: Dr. Notker Wolf, ehemals Abtprimas des Benediktinerordens und Erzabt in St. Ottilien, sprach am Sonntag im Gemeindehaus „Arche“ in Rißtissen vor 160 Zuhörern. © Foto: Emmenlauer
Rißtissen / RENATE EMMENLAUER 20.02.2018
Mit Dr. Nothker Wolf als Referent hat die hochkarätige Vortragsreihe "Christsein bewegt" im Gemeindehaus "Arche" in Rißtissen erneut ein volles Haus verbucht. Sein Thema war "Schluss mit der Angst".

Wie sehr die aktuellen politischen Weltverhältnisse, die Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft, die Flüchtlingsproblematik und der Klimawandel die Menschen bewegen und vielfach auch ängstigen, das unterstrich die große Resonanz beim Vortrag des emeritierten Abtprimas Dr. Notker Wolf zum Thema Angst am Sonntagabend in Rißtissen. 160 Zuhörer füllten den Saal im Gemeindehaus „Arche“. Der Erzabt des Benediktinerordens in St. Ottilien referierte auf Einladung der Katholischen Seelsorgeeinheit Donau-Riss und der Evangelischen Kirchengemeinde Ersingen im Rahmen der Reihe „Christsein bewegt“.

Der promovierte Theologe griff den Titel seines Buches „Schluss mit der Angst“ heraus. Inhaltlich bezieht sich das Werk auf die zunehmende Angst, die tief in die Gesellschaft eingedrungen scheint. Neben der Angst vor der verworrenen Weltlage und der Erdzerstörung richte sich der Blick vieler Menschen in Deutschland auf die Angst vor dem sozialen Abstieg sowie vor einer vermeintlichen „Überfremdung“ und „Islamisierung“ durch die Flüchtlinge, sagte Wolf. Hinzu kämen die terroristischen Gewalttaten. Erschwert werde die Problemlösung durch die Äußerungen so genannter Wutbürger.

Als Mutmacher wolle er diesen teils diffusen Ängsten sein eigenes Prinzip „Hoffnung“ entgegensetzen, begründet im christlichen Glauben. „Mut machen haben wir bitter nötig. Denn die Angst bestimmt alles“, leitete er in seinen Vortrag ein. Deutschland sei zutiefst verunsichert. Konform zum Sprichwort „Wenn’s dem Esel zu wohl ist, geht es aufs Eis und bricht dort vielleicht ein“ entstünden auch viele Probleme, „weil es uns hier zu gut geht.“

Der Theologe riet daher zu mehr Gelassenheit und weniger Streben nach Perfektionismus. „Wir Deutschen haben nicht für alles den Schlüssel in der Hand. Wir brauchen auch nicht für die ganze Welt den Schulmeister spielen und uns einmischen.“ In unserem Land wollten die Leute immer alles planen, doch da könnten sie viel von anderen Kulturen lernen, etwa von der Gelassenheit der Südländer. „Angst macht krank und nimmt uns die Lebensfreude. Das können wir nur selber ändern.“ Das Abendgebet der Benediktinermönche enthalte den Satz „Gott, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist“. Sein Rezept gegen diese Angst: „Sich in die Hand Gottes zu begeben und die Schöpfung von ihm anzunehmen.“

Als Zentrum der Angst bezeichnete der Buchautor den Flüchtlingsstrom. Die Willkommenskultur sei in Ernüchterung, teils in nackte Angst umgeschwenkt. „Wobei es schon bis in die Urzeiten Migration gegeben hat. Wir sind eben ein laufendes Wesen“, setzte er entgegen. Wolf erinnerte an die Massenauswanderung im 19. Jahrhundert nach Amerika, dann die Zuwanderung nach Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Er zitierte Jesu Worte aus der Bibel: „Richtet nicht, damit Ihr nicht selbst gerichtet werdet.“ Nach den Worten des Theologen müsse eine neue Gemeinschaft und Gesellschaft mit den Migranten entstehen. Dazu bedürfe es einer raschen Integration.

Bei aller Menschenliebe stellte der Abt jedoch auch klar, dass Deutschland nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen kann, ebenso dass die Angst nicht ganz unbegründet sei. Insbesondere die Muslime seien gefordert, den deutschen Rechtsstaat zu akzeptieren. Er verwies auf die USA, in der alle Zuwanderer einen Eid auf die Verfassung leisten müssen. Auch müsse den Flüchtlingen in Deutschland klar gemacht werden: „Wenn dir unsere Gesetze nicht passen, musst du nicht hier bleiben.“

Anderseits forderte Wolf die Deutschen zu mehr Toleranz auf und zu mehr Respekt vor der Lebensweise anderer Völker. Wolf erachtete es als besondere Aufgabe für gläubige Christen, die gute Botschaft aus dem Glauben in einen Erneuerungsprozess einzuflechten. „Jesus ist bei uns. Er wird uns auf unserem Weg begleiten. Er schläft nicht. Wir können uns in seine Hände begeben.“

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