Kultur „Ehinger Bibliothek“ findet neue Heimat

Gudrun Brzoska vor den licht gewordenen Regalen ihrer Bibliothek. Rund 200 Bücher, allesamt Doppelexemplare, sind in Ehingen geblieben. Der Rest steht nun in Regensburg.
Gudrun Brzoska vor den licht gewordenen Regalen ihrer Bibliothek. Rund 200 Bücher, allesamt Doppelexemplare, sind in Ehingen geblieben. Der Rest steht nun in Regensburg. © Foto: Amrei Groß
Ehingen/Regensburg / Amrei Groß 12.01.2018
Über 2500 Werke ungarischer Literatur in deutscher Sprache zählt die Sammlung von Gudrun Brzoska. Ab Februar ist sie Teil der Universität Regensburg.

An einem halben Tag war alles erledigt. So lange brauchte die Umzugsfirma, um die mehr als 2500 Werke ungarischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller und die vielen prall gefüllten Ordner dazugehöriger Sekundärliteratur von Gudrun Brzoskas Privatadresse in Ehingen ans Ungarische Institut der Universität Regensburg zu schaffen. Hier findet die private Sammlung der Bibliothekarin und Buchhändlerin ein neues Zuhause. Am 1. Februar wird die „Ehinger Bibliothek“ in Regensburg feierlich eröffnet.

„Mein Lebenswerk“, nennt Brzoska sie. Begonnen während der Zeit ihres Mannes Wolf im Auslandsschuldienst im Westen Ungarns, wuchs die stattliche Sammlung seit 2002 Jahr für Jahr. „Als mein Mann nach Ungarn ging, haben wir vor Ort schnell eine deutschsprachige Tageszeitung abonniert“, blickt die 73-Jährige zurück. In der ersten Ausgabe las sie von der Verleihung des Literaturnobelpreises an den ungarischen Schriftsteller Imre Kertész. Brzoska kaufte sein Werk „Roman eines Schicksallosen“. Ihr erster Kontakt mit der Literatur ihrer Heimat auf Zeit – und gewissermaßen Liebe auf den ersten Blick. „Ich war hingerissen und erschüttert zugleich von dieser Erzählung“, sagt sie.

Begeistert von der „ganz anderen Art des farbigen Ausdrucks und des Erzählens“ begann sie zu recherchieren, fand weitere interessante ungarische Autoren, weitere interessante Geschichten. Angespornt durch Worte der Unterstützung und des Lobes nicht nur aus der Ehinger Partnerstadt Esztergom und von Vertretern verschiedenster Universitäten und Bibliotheken vertiefte sich Brzoska immer weiter in ungarische Literatur in deutscher Sprache. „Mein Mann und ich haben alles aufgekauft, was uns aus diesem Bereich in die Hände fiel“, erzählt sie. Kinder- und Jugendbücher, Romane, Gedichtbände, Reiseberichte und vielerlei mehr gehören zu ihrer Sammlung; einiges ist in verschiedenen Übersetzungen vorhanden. Längst ist Brzoska Expertin ihres Fachs.

Seit 2009 verwaltet eine von Brzoska und ihrem Mann gegründete Bibliotheksgesellschaft die umfangreiche Sammlung. In über 20 Ausstellungen präsentierte Gudrun Brzoska ihre Schätze beziehungsweise Auszüge daraus; ständig entdeckt sie neue Details und Schwerpunkte, in die sich die Rentnerin vertieft – im Schnitt über zehn Stunden pro Tag. „Ich hätte nie damit gerechnet, welche Ausmaße das annimmt“, sagt sie und lacht. Nun gehört die „Ehinger Bibliothek mit ungarischer Literatur in deutscher Sprache“ dem Ungarischen Institut der Universität Regensburg und dient zukünftig Studierenden als umfangreiche Recherchebasis. Der Abschied sei ihr nicht schwer gefallen, sagt Brzoska: „Ich weiß meine Bücher dort in guten Händen.“