Ein großer, dunkelbrauner Sitzungstisch steht in Romy Wurms holzgetäfeltem Amtszimmer. Bevor die Rechtensteiner sie 1999 zur Bürgermeisterin gewählt haben, hatte die Christdemokratin zehn Jahre lang als Gemeinderätin an diesem Tisch gesessen. Am falschen Ende, wie die heute 60-Jährige irgendwann merkte. "Was der Bürgermeister macht, kann ich auch", dachte sie sich.

Solche Ideen hatten damals außer ihr nur wenige Frauen in der Region. Romy Wurm war die erste weibliche Kandidatin, die im Alb-Donau-Kreis zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Heute, 17 Jahre später, sind es ganze zwei: Renate Bobsin, Bürgermeisterin von gleich zwei Gemeinden in der Nähe von Langenau - Nerenstetten und Ballendorf - ist hinzugekommen. Auch auf Landesebene sieht das Bild nicht besser aus: Von den 1000 hauptamtlichen Bürgermeistern Baden-Württembergs waren 2013 nicht einmal 50 weiblich.

Romy Wurm hat also Exotenstatus. Ihr Erfolgsgeheimnis ist ihrer Meinung nach ihr Selbstvertrauen. "Ich denke wie ein Mann", sagt sie. Denn Männer trauten sich mehr zu als Frauen. Diese Eigenschaft unterscheide sie von vielen Frauen und sei der Grund, warum Frauen in wichtigen Positionen in Politik und Wirtschaft noch immer unterrepräsentiert sind.

Geboren wurde Romy Wurm in Munderkingen, machte dort ihre Mittlere Reife und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur medizinisch-kaufmännischen Assistentin. Als ihre Kinder geboren wurden, stieg sie aus dem Beruf aus. Sie sind inzwischen erwachsen. Ältere Kinder zu haben ist typisch für weibliche Bürgermeister: "Eine Familie zu haben, ist für Frauen kein prinzipielles Hindernis für eine kommunalpolitische Führungsposition", heißt es in einer Untersuchung der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft. Um gleich darauf einzuschränken: "Wenn die private Konstellation stimmt." Das heißt: Die Kinder sind bereits groß und der Ehepartner steht bekräftigend hinter der Frau. Dieses Glück haben nicht alle Frauen, Romy Wurm hatte es: "Mein Mann Joachim hat mich von Beginn an immer unterstützt", berichtet sie.

Konflikte wegen ihrer zahlreichen politischen Aktivitäten habe es deswegen kaum gegeben. Wobei sie durchaus auch manchmal ein schlechtes Gewissen hatte, wenn sie die Kinder in jungen Jahren für Gemeinderatssitzungen alleine lassen musste. Skrupel, die männliche Kollegen meistens nicht kennen.

Seit ihrem Einstieg in die Kommunalpolitik vor 27 Jahren hat sich bei Romy Wurm einiges an Ämtern angesammelt. Außer ihrer Tätigkeit als Bürgermeisterin ist sie Kreistagsabgeordnete, Vorstand im Tagesmütterverein, Vorstandsmitglied der Leader-Aktionsgruppe Oberschwaben und nicht zuletzt auch Schöffin am Sozialgericht. Ihr Amt als Vorstandsmitglied im CDU-Kreisverband hat sie angesichts ihrer zahlreichen Aufgaben vor kurzem niedergelegt. Man braucht ein großes Energiereservoir für diese Aktivitäten, muss umtriebig sein. Kein Wunder also, dass sie Napoleon bewundert. Nicht wegen seiner Kriege, sagt sie, sondern wegen seines Elans, des strategischen Denkens und vor allem: Er brauchte nur vier Stunden Schlaf.

Ihr geschichtliches Interesse ist generell sehr ausgeprägt. Sie liest gerne, verschlingt vor allem Biografien. Besonders Geschichten über starke Frauen haben es ihr angetan. Oft findet sie darin Inspiration für ihr eigenes Schaffen. Wenn sie in den Büchern ein Vorbild gefunden hat, dann Elisabeth I., sagt sie. Wie die Königin Schicksalsschläge und persönliche Rückschläge im Leben gemeistert hat, daran gewachsen ist, beeindruckt sie. Ihr historisches Wissen gibt sie regelmäßig in Vorträgen für die Konrad-Adenauer-Stiftung weiter. Zudem ist sie Vorstandsmitglied im Geschichtsverein der Verwaltungsgemeinschaft Munderkingen.

Vor ihrer Wahl 1999 gab es auch durchaus kritische Stimmen. Vor allem im Bierzelt war man skeptisch darüber, was man von einer Frau in der Ortsverwaltung halten solle. Die Kritiker sind mittlerweile verstummt: Vergangenes Jahr wählten die Rechtensteiner sie erneut - mit 95,5 Prozent. Noch beeindruckender war jedoch die Wahlbeteiligung: Obwohl sie die einzige Kandidatin war, gingen 75 Prozent der 239 Wahlberechtigten wählen. Hört sie heute einen spöttischen Kommentar über sie als Bürgermeisterin, bleibt sie souverän. Ein Kollege wollte sie als einzige Frau einmal zur "Gardinenbauftragten" machen. Sie konterte: "Im Gegensatz zu dir kann ich Gardinen auswählen. Damit kann ich eine Sache mehr als du."

Internationaler Frauentag

8. März Auf der ganzen Welt fordern heute zahlreiche Organisationen die soziale, wirtschaftliche, politische sowie kulturelle Gleichstellung von Frauen. Zurück geht der Internationale Frauentag auf die deutsche Sozialdemokratin Clara Zetkin. Seit 1911 wird er in Deutschland und seinen Nachbarländern organisiert. Dieses Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto "Zusicherung der Gleichheit".