Geschichte 6000 kunsthistorische Gegenstände im Altardepot

Der Architekt und Kunsthistoriker Ralf Schneider (im blauen T-Shirt) führte die Gruppe durchs Depot.
Der Architekt und Kunsthistoriker Ralf Schneider (im blauen T-Shirt) führte die Gruppe durchs Depot. © Foto: Hermann Illenberger
Obermarchtal / HERMANN ILLENBERGER 11.08.2018

Was die rund 40 Besucher im Obermarchtaler Depot für Altäre und Kunstgegenstände zu sehen bekamen, war überwältigend. Diesen Einblick ermöglichte das CDU-Ferienprogramm Obermarchtal. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart sammelt im Obermarchtaler Depot seit 1986 Kunst, erläuterte der für die Führung extra aus Rottenburg angereiste Kunsthistoriker und Architekt Ralf Schneider.

Die Räume im ehemaligen Kloster in Obermarchtal (in den  früheren und nach einem Brand im Jahr 1976 wiederaufgebauten Wirtschaftstrakten) eigneten sich für diese Depoteinrichtung. Auf zwei Etagen und auf mehrere Räume erstreckt sich der Fundus. Bevor es zu der zentralen Sammlung kam, waren die Kunstgegenstände in Kirchen, Kapellen, Dachböden, Pfarrscheuern und sonstigen kirchengemeindlichen Bauten untergebracht. Diese Aufbewahrungsorte waren aber größtenteils nicht alarmgesichert und auch der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das Bischöfliche Bauamt sichtete und sammelt von den 1970er Jahren an diese Kunstgegenstände – auch diejenigen aus renovierten oder gar abgebrochenen Kirchen.

Von der Gotik bis zur Moderne

In der Folge wurde das Depot Obermarchtal in den Jahren 1988, 1998 und 2001 erweitert. Das Denkmalamt wirkte dabei in allen Belangen mit. Aufgenommen werden ins Depot können alle Objekte, die in einem kirchlichen Zusammenhang stehen oder standen, in weitgehend wiederverwendungsfähigem Zustand sind und kulturhistorisch bedeutsamen Charakter haben.

Sortiert sind im Depot historische Altäre, Chorgestühle, Skulpturen, Kruzifixe, Leuchter, Reliquien, Gemälde, Tabernakel und Beichtstühle. Paramente befinden sich fast ausschließlich im Kloster Sießen. Dort ist auch eine vom dortigen Kloster betriebene Paramenten-Werkstätte. In Obermarchtal lagern rund 6000 kunsthistorische Gegenstände. Nach und nach werden geeignete Gegenstände wieder einer sakralen Nutzung zugeführt – nach Prüfung durch das Denkmalamt und Bischöfliche Bauamt. Leihgaben für besondere Ausstellungen in der Diözese sind möglich.

Den Teilnehmern des Ferienprogramms offenbarte sich eine große Bandbreite: Gemälde in allen Größen, Gobelins, Skulpturen, Heiligenfiguren sowie Kreuze, und dies alles aus mehreren Kunstepochen – von der Gotik über den Barock und den Historismus bis hin zu Arbeiten im Nazarenerstil und der Moderne.

Reliquien aus Rom

Ein Reliquienschrein des heiligen Clemens beeindruckte die Gruppe, ebenso die Ausführungen von Ralf Schneider über den einstigen Handel mit Reliquien. Bedient hatte man sich damals etwa auch in den Katakomben in Rom. Die Besucher erfuhren, dass die überwältigende Mehrheit sakraler Kunst nicht in Museen zu sehen ist. Eine Sammlung in Museen unterliege dem jeweiligen Zeitgeist, sagte Schneider.

Der Kunsthistoriker ging auch auf die immer kleiner werdenden Kirchengemeinden ein. Als Beispiel nannte er eine Kirche in Bad Cannstatt, die in den Nachkriegsjahren wegen der großen Zahl der Flüchtlinge gebaut worden war und bereits wieder abgebrochen wurde. An deren Stelle wurde ein viel kleineres Gotteshaus erstellt. Dabei kann sich diese Kirchengemeinde auch aus dem Obermarchtaler Depot bedienen.

Zum Abschluss der Führung sammelte sich die Gruppe im Erdgeschoss in der „Abteilung Reue und Buße“. Dort stehen Beichtstühle aus mehreren Kunstepochen – ein Anblick, der zum Nachdenken einlud.

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