Erziehung 50-Jahrfeier im Kindergarten St. Elisabeth

Ehingen / Christina Kirsch 05.07.2018
Seit 50 Jahren gibt es den Kindergarten St. Elisabeth. Die Pädagogik ist ein Aspekt, der sich in den Jahren geändert hat.

Damals hat man alles gemeinsam gemacht“, sagt Kindergartenleiterin Monika Braig, seit 1990 Leiterin des katholischen Kindergartens St. Elisabeth im Ehinger Wohngebiet Wenzelstein. „Damals“, das bezieht sich auf die Anfänge des Kindergartens vor 50 Jahren, als die ersten Kinder in der Einrichtung betreut worden sind. Am Wochenende feiert der Kindergarten Jubiläum.

Schwester Hildegard hieß die erste Leiterin im Jahr 1968, die Gruppen mit 35 bis 40 Kindern beaufsichtigte. „Bei dieser Kinderzahl blieb einem gar nichts anderes übrig als alles gemeinsam zu machen“, sagt Monika Braig. Gemeinsam am Tisch spielen, aufs Klo gehen, malen.

Heute gehen 25 Kinder in eine Gruppe, es wird Gemeinschaftssinn als auch Individualität gefördert. „Das Kind wird als Akteur seiner selbst gesehen“, sagt Monika Braig. Heute orientiere man sich daran, wie das Kind Erfahrungen sammelt, diese verknüpft. Früher mussten die Kinder mit dem Strom schwimmen.

Wegen der geburtenstarken Jahrgänge konnten Kinder auch erst im Alter von fünf Jahren aufgenommen werden, weshalb die meisten Kinder ein Jahr lang den Kindergarten besuchten. Heute kommen Kinder meist mit drei Jahren in den Kindergarten St. Elisabeth. Was sich nicht geändert hat: Damals wie heute gibt es eine Warteliste. In den Anfangsjahren des Kindergartens war den Eltern wichtig, dass ihre Kinder gut aufbewahrt werden. „Heute rückt die Bildung der Kinder in den Fokus“, sagt Monika Braig.

So wie vor 20 oder 30 Jahren wird heute kein Kind mehr betreut. Es gab eine feste Öffnungszeit, die berufstätige Mütter nicht berücksichtigte. Und alle Betreuer fingen gemeinsam an und hörten gemeinsam auf. Die Vorschulkinder absolvierten ein festes Vorschulprogramm mit Arbeitsblättern. Heute hingegen verstehen sich die Erzieherinnen als Wegbegleiterinnen. Interessen und Fragen der Kinder werden aufgegriffen, individuell und situativ wird darauf eingegangen.

Im Gegensatz zu den Anfangsjahren ist auch die interkulturelle Vielfalt bei den Kindern und Familien gewachsen. Derzeit besuchen 75 Kinder den Kindergarten, davon sprechen 26 Kinder Deutsch als Muttersprache. Türkische, russische, kroatische und griechische Kinder bereichern die Kinderschar. Und: „Es sind immer mehr konfessionslose Kinder“, sagt Monika Braig. Weniger als die Hälfte der Kinder ist katholisch.

Aber nicht nur inhaltlich, auch in dienstlicher, bürokratischer und hygienischer Hinsicht gab es Veränderungen. Früher hatte jedes Kind sein eigenes Handtuch, heute trocknen sich die Kinder die Hände an Papierhandtüchern ab. Die Hygienevorschriften gehen so weit, dass keine Eier und bei Festen keine Kuchen mit Creme oder Sahne verwendet werden. „Wenn wir Waffeln backen, dann Waffeln ohne Ei“, sagt Monika Braig. Und von jedem Kuchen müssen die Erzieherinnen eine Rückstellprobe einfrieren. „Damit man nachvollziehen kann, wo die Ursache liegt, falls ein Kind krank wird.“

Die Bürokratie nimmt auch im Kindergarten Raum ein. So muss im Ordner nachgeschaut werden, welches Kind zu welchem Anlass fotografiert werden darf. Jährliche Entwicklungsgespräche müssen dokumentiert werden, es gibt Hygienepläne und Gefährdungsbeurteilungen.

Heute beinahe undenkbar ist die Tatsache, dass die Kinder früher nach dem Kindergarten oft alleine nach Hause gelaufen sind. Trotz aller Veränderungen ist für Monika Braig eines geblieben: „Uns ist die Herzensbildung das Wichtigste.“

Unter diesem Aspekt haben sich die Kinder auch auf den Kindergartengeburtstag vorbereitet und schon eine schöne 50 gebastelt. Die Pusteblumen stehen sinnbildlich für das Jubiläum. „Nur wer Wurzeln hat, kann fliegen“, lautet das Motto zum runden Geburtstag.

Kommen 50 ehemalige Kindergarten-Kinder?

Aktion Der katholische Kindergarten St. Elisabeth feiert sein Jubiläum unter dem Motto „Nur wer Wurzeln hat, kann fliegen“ am Sonntag, 8. Juli. Die Feierlichkeiten beginnen um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Michael. Danach zieht die Schar Kinder zusammen mit den Gästen und begleitet von einem Akkordeonspieler zum Kindergarten. Dort singen die Kinder ihrem Kindergarten ein Geburtstagsständchen und wedeln mit Puscheln. Mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen wird dann im Kindergarten gefeiert. Für die Kinder kommt ein Luftballonkünstler und die Ministranten von St. Michael haben eine Spielstraße aufgebaut. Um 14 Uhr tritt jeweils eine Folkloregruppe der griechischen und der kroatischen Gemeinde auf. Der Elternbeirat startet um 14.30 Uhr die Aktion „Können sich mindestens 50 ehemalige Kindergartenkinder beim Fest versammeln?“.

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