Feier 90. Geburtstag von Dächinger Hebamme Anna Hildenbrand

Das Bild von der Verabschiedung im Ehinger Krankenhaus durch Dr. Klaus Gnad, dem damaligen Chefarzt der Frauenklinik, steht vor der 90-jährigen Anna Hildenbrand auf dem Tisch.
Das Bild von der Verabschiedung im Ehinger Krankenhaus durch Dr. Klaus Gnad, dem damaligen Chefarzt der Frauenklinik, steht vor der 90-jährigen Anna Hildenbrand auf dem Tisch. © Foto: Christina Kirsch
Dächingen / Christina Kirsch 27.07.2018
Die ehemalige Dächinger Hebamme Anna Hildenbrand ist 90 Jahre alt geworden.

„Woisch, Hebamm‘, wenn du do bisch, no beruhigt sich älles“. Mit diesem Satz wurde die einstige Hebamme Anna Hildenbrand oft in den Häusern auf der Alb empfangen. Bei Wind und Wetter war die Dächingerin von 1950 bis 1975 als freiberufliche Haushebamme tätig. Von 1975 bis 1992  wurde sie im Krankenhaus als Hebamme angestellt und am vergangenen Dienstag feierte die Dächingerin ihren 90. Geburtstag.

„In der letzten Nacht vor meiner Pensionierung hab‘ ich noch zwei Kinder auf die Welt gebracht“, erinnert sich Anna Hildenbrand. Aber auch in Dächingen ging beinahe jedes Kind, das heute ein mittleres Alter hat, durch ihre Hände.

Durch Zufall war Anna Hildenbrand auf die Alb gekommen. „Man hat damals nur eine Ausbildungsstelle an der Stuttgarter Landesfrauenklinik bekommen, wenn man eine Einsatzstelle nachweisen konnte“, erinnert sich die Rentnerin. Zuerst war sie im Kreis Wangen und dann wurde in Dächingen eine Stelle frei, „weil man der Vorgängerin die Anerkennung genommen hat“.

Die Vorgängerin war wohl nicht immer erreichbar. Das machte die 22-jährige Anna, die 1950 nach Dächingen kam, von Anfang an besser. Sie kaufte sich ein Motorrad, eine NSU Quickly, und schnallte ihren Hebammenkoffer hinten drauf, wenn sie zu einer Geburt fuhr. „Im Winter ist der Kindsvater manchmal mit einem schweren Motorrad vorausgefahren und ich in seiner Lois hinterdrein“, berichtet Anna Hildebrand, wenn sie sich daran erinnert, wie sie der Spur des Kindsvaters im Schnee folgte.

Prominente Geburten

Sie sei in Dächingen vom Altbürgermeister herzlich empfangen worden. „Ich bekam im alten Schulhaus ein Zimmer mit einem Bett und ein paar Möbeln“. Das alte Schulhaus steht nicht mehr, aber all die Kinder, die Anna Hildenbrand auf die Welt gebracht hat, sind quicklebendig. „Den Dekan Sigmund Schänzle hab‘ ich auf die Welt gebracht und den Josef Uhl“, zählt sie nur zwei „prominente“ Geburten auf. „Von so einer Geburt konnte ich mir ein paar Schuhe kaufen“. 32 Mark habe sie bekommen.

Beinahe nebenberuflich bekam Anna Hildenbrand selber fünf Kinder und half später im Maurergeschäft ihres Mannes mit. Große Reisen hat sie nie gemacht, um stets abrufbereit zu sein. Dann schnappte sie sich ihren Hebammenkoffer mit der Säuglingswaage, dem Hörrohr, der Nabelschnurschere, dem Mundkeil und dem Einlaufbecher und machte sich auf den Weg. „D‘ Hebamm‘ kommt“, hieß es dann im Haus der Gebärenden. Und alles beruhigte sich erst einmal.

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