Ehingen / Andreas Hacker Die Museumsgesellschaft war auf der Spur der Ehinger Wasserversorgung vom ersten Hochbehälter bis zum Pumpwerk im Donautal.

„Quellfrisch, naturbelassen, herrlich erquickend.“ So wirbt der Versorgungs- und Verkehrsbetrieb Ehingen (VVE) für Ehinger Wasser – ein Thema, das jetzt bei der Museumsgesellschaft zwei Mal im Mittelpunkt stand. Beim Stammtisch im Schwert waren wieder knapp 80 Interessierte dabei, als Frank Häring vom VVE den Bogen schlug vom Jahr 1877, das mit dem Bau des ersten Hochbehälters am Wolfert als Beginn einer Ehinger Wasserversorgung gilt, bis heute. Und knapp 30 machten sich dann auch noch am Sonntag auf, um mit Häring von diesem alten Hochbehälter ins Pumpwerk im Donautal zu laufen und sich dort in einer Führung erklären zu lassen, woher eine große Menge dieses Wassers kommt.

Was heute selbstverständlich ist, war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert eine tägliche Herausforderung, sagte der Vorsitzende der Museumsgesellschaft, Franz Romer, in seiner Einleitung. Der inzwischen stillgelegte Wasserhochbehälter auf dem Wolfert von 1877 ermöglichte zum ersten Mal in der Geschichte Ehingens die Versorgung aller Häuser der Stadt mit sauberem Frischwasser. Dafür sind, wie im Ehinger Heimatbuch von Franz Josef Weber beschrieben, am Weiherbach Quellen gefasst und eine erste Wasserleitung in Betrieb genommen worden. Zuvor gab es keine nennenswerte Wasserversorgung in den Häusern, sagte Romer, wer Wasser brauchte, war auf die Brunnen am Marktplatz, in der Unteren Stadt oder beim Nikolaus­­tor angewiesen. Unterhalb von St. Blasius seien Fundamente einer Pumpstation entdeckt worden, die den Brunnen am Marktplatz mit Wasser aus der Schmiech versorgt habe. Wie gut das Wasser damals war, sagte Romer, hing ganz entscheidend von den Allmendingern und Berkachern ab, und davon, was sie in die Schmiech eingeleitet hatten.

Heute ist alles ganz anders, sagte Häring und beschrieb die Ehinger Wasserversorgung mit Zahlen: 170 Kilometer lang sind die Hauptleitungen im Netz des VVE, Tendenz steigend, weil das Baugebiet Rosengarten stetig größer wird. 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser werden im Jahr abgegeben, zwischengespeichert in elf Hochbehältern und bezogen aus vier eigenen Hauptquellen und mehreren kleinen Quellen im eigenen Bereich (1,2 Millionen m3) sowie als zugekauftes Fremdwasser von der Griesinger Gruppe (345 000 m3), der Albwassserversorgungsgruppe VI (143 000 m3), der Bussenwasserversorgung für Kirchbierlingen und Volkersheim (47 000 m3) und der Hochsträßgruppe für Blienshofen und Heufelden (29 500 m3). Der größte Abnehmer ist die Berg Brauerei mit 90 000 Kubikmetern, und deren Erfolg am Markt lasse sich am Steigen des Verbrauchs deutlich ablesen, sagte Häring.

„Wenn Sie Leitungswasser trinken, tun Sie sich definitiv was Gutes“, machte Häring Werbung für ein Produkt, das von großer Reinheit sei: „Unser Wasser geht so, wie es aus dem Boden kommt, an den Verbraucher“ – kein Chlor, keine aufwendige Filtration, keine Bestrahlung. Dementsprechend groß ist der Aufwand der vier Wasserwärter des VVE: wöchentliche Kontrollen der Anlagen und der Wasserschutzgebiete, zentrales Prozessleitsystem mit Datenarchivierung, alle Anlagen alarmüberwacht und Schutz vor Ausfall durch Mehrkammersysteme bei Hochbehältern und Pumpwerken.

Zwei Quellen ungenutzt

Häring verschweigt nicht, dass es auch beim Ehinger Wasser zu Problemen kommt wie etwa bei den beiden großen Quellen: So hat die Wührequelle in Mühlen eine enorme Schüttung von drei Litern pro Sekunde, doch bakteriologische Untersuchungen über die Dauer von einem Jahr haben sporadisch den Nachweis von Coliformen Keimen erbracht, welche nach der Trinkwasserverordnung nicht vorhanden sein dürfen. Aus diesem Grund wird die Quelle seit längerem nicht mehr zur Trinkwasserversorgung herangezogen; die Teilorte Mühlen, Schlechtenfeld, Stetten und Deppenhausen werden nun über Kirchen versorgt. Analog verhält es sich mit der Spitzlochquelle bei Altsteußlingen. „Bei beiden Quellen konnte kein Ereignis mit dem Vorhandensein der Keime in Verbindung gebracht werden“, sagt Häring und vermutet, dass die lang anhaltende Trockenheit eine Ursache sein könnte.

Bei der Pumpstation im Donautal, die im Rahmen der Sonntagsführungen von Archiv und Museumsgesellschaft besucht worden ist, wird das Wasser aus einer Tiefe von etwa acht Metern gefördert. Was ankommt, stammt nicht aus der nahen Schmiech oder  der nahen Donau, sondern ist laut Altersbestimmung sowie der Analyse von Spurenstoffen des Wassers durchschnittlich rund 15 Jahre alt und ist Grundwasser aus dem Oberjura im Nordwesten, im oberen Schmiechtal und weiter.

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Wasserpreis ist seit 16 Jahren unverändert

Preis Die Kosten für frisches Wasser sind in Ehingen seit 16 Jahren unverändert. 1000 Liter Trinkwasser, das sind etwa 119 Kisten Mineralwasser, kosten seit Juli 2003 netto 1,42 Euro (frei Haus, wie Frank Häring beim Stammtisch betont). Das sind 55 Cent unter dem Landesdurchschnitt von netto 1,97 Euro/m³.