Landwirtschaft 15 Prozent Einbuße bei Getreideernte möglich

Mais bei Sonnenaufgang: Die Pflanze steht gut da, sagt Verbandsvertreter Roggenkamp.
Mais bei Sonnenaufgang: Die Pflanze steht gut da, sagt Verbandsvertreter Roggenkamp. © Foto: Sebastian Gollnow
Ehingen / Stefan Bentele 26.06.2018
Getreide, Mais und Raps sind ihrer Entwicklung zwei Wochen voraus. Die Kreisbauern stellen sich jedoch auf Ernteeinbußen ein.

In Rißtissen, sagt Landwirt Hanns Roggenkamp, fahren bereits die ersten Mähdrescher und bringen Wintergetreide ein. Vergleichsweise früh, doch für Roggenkamp, Vorstandsmitglied im Kreisbauernverband Ulm-Ehingen, erklärbar: Sämtliche Kulturen sind ihrer Zeit zwei Wochen voraus.

Dabei hatte die Feldsaison in diesem Jahr im Raum Ehingen zwei Wochen später begonnen als im Durchschnitt. Grund waren häufige Niederschläge, oft als Schnee, der dann noch liegen blieb. „Aber die Natur hat viel aufgeholt“, sagt Roggenkamp. Bereits im Mai sei der Raps zwei Wochen früher als sonst üblich in der Blüte gestanden.

Natur macht Verzug wett

Obwohl die Natur den Verzug mehr als wettgemacht hat, rechnet der Kreisbauernverband beim Getreide mit Ernteeinbußen von etwa 15 Prozent auf Böden mit geringer Humusauflage, wie sie etwa auf der Ehinger Alb, aber auch im Donautal, etwa bei Rottenacker, vorkommen. Der Mai und der Juni waren in der Gesamtheit zu trocken, sagt Roggenkamp. Aber das sei letztlich nur eine Prognose, keiner wisse, wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickele. „Erst der Mähdrescher wird das Ergebnis zeigen.“

An der Trockenheit haben auch die Unwetter mit den Starkregen­ereignissen in den vergangenen Wochen nichts geändert. Dort, wo es zu trocken war, hat Getreide unter Umständen frisch ausgeschlagen, die Landwirte sprechen dann von „Zwiewuchs“, weil ein Teil der Halme reif für die Ernte ist, der andere aber  noch grün auf dem Feld steht. In Sachen Unwetter sei man mit einem blauen Auge davongekommen, sagt der Bauernfunktionär. Die Schäden bezeichnet er als „regional stark abgegrenzt“, es sei schwierig, diese zu bestimmen und zu verorten. Teilweise gebe es Verluste von 50 Prozent, nur 100 Meter weiter hingegen sei dann schon wieder alles in Ordnung.

„Der Mais steht sehr gut da für die Jahreszeit“, sagt Roggenkamp. Zwar sind auch hier auf den Feldern vereinzelt Kahlstellen zu sehen, besonders in Senken, in denen sich das Wasser nach den Unwettern für ein oder zwei Tage gesammelt hatte, dann, wenige Tage nach dem nächsten Unwetter, erneut gefüllt waren und die Maispflanzen ertranken. Doch laut dem Landwirt handelt es sich um einzelne Stellen, die keinesfalls auf jeder Kultur zu finden seien. Und letztlich gilt für Roggenkamp auch hier: Abwarten und schauen, was eingefahren wurde, sobald die Maishäcksler Ende September und Anfang Oktober über die Felder gefahren sind.

Raps steckt Trockenheit weg

Auch der Raps hat sich gut entwickelt und vor allem die Trockenheit gut weggesteckt. Roggenkamp führt das darauf zurück, dass die Pflanze den eigenen Boden stark beschattet und sich zudem weit verwurzelt. Dennoch brechen bereits jetzt auf manchen Feldern einige Schoten auf, weil Schädlinge an die Pflanzen gehen.

Blickt Roggenkamp auf seine Apfelbäume, so sind diese „teilweise zum Brechen voll“. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als im Frühling viele Blüten im Frost eingingen, lassen die derzeitigen Blicke auf die Apfelbäume eine deutlich bessere Ernte erhoffen.

Mit Bienenstrom Blühflächen fördern

Projekt Der Kreisbauernverband wirbt derzeit unter seinen Mitgliedern wie auch unter Verbrauchern fürs Projekt Bienenstrom, angestoßen vom Biosphärengebiet Münsingen und den Stadtwerken Nürtingen. Stromkunden können mit einem „Blühhilf-Beitrag“ von einem Cent pro Kilowattstunde nicht nur Ökostrom beziehen, sondern auch Blühflächen in der Landwirtschaft fördern. Landwirte wiederum können als so genannte Blühpaten etwa auf Maisanbau verzichten und stattdessen auf sechs Jahre hin eine Blühfläche machen. Aus Schelklingen und Blaubeuren gibt es erste Landwirte, die sich beteiligen. „Es geht dabei um die Farbtupfer in der Landschaft“, sagt Roggenkamp, und darum, Insekten ein Habitat zu geben. sab

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel