Stadtgeschichte 110 Jahre Müllabfuhr

Ein Ochsengespann in der Bahnhofstraße in Ehingen um das Jahr 1925.  Foto: Archiv Walter Schaupp
Ein Ochsengespann in der Bahnhofstraße in Ehingen um das Jahr 1925. Foto: Archiv Walter Schaupp © Foto: Schaupp
Andreas Hacker 30.12.2016

Es war ein altes Foto, von dem er annimmt, dass es noch nie veröffentlicht worden ist, das Walter A. Schaupp wieder mal zum Nachforschen gebracht hat. Es stammt aus der Zeit um das Jahr 1925, zeigt ein Gespann in der Bahnhofstraße mit den Kaminen des ehemaligen Zementwerks im Hintergrund, und hat den Ehinger Heimatgeschichtler dazu inspiriert, sich Gedanken über die Geschichte der Kehrrichtabfuhr zu machen.   Ob es eine alte Darstellung zur Kehrichtabfuhr gibt, weiß Schaupp nicht, aus seiner Arbeit auch für die Museumsgesellschaft weiß er aber um Erzählungen alter Ehinger, dass „Lenzott“, der Vater von Josef Ott auf der Wühre, früher den Müll abgeholt hatte, „was in der Zeit, als auch die Asche so entsorgt wurde, ein gar grausliches Bild gegeben haben muss, weil der Mann stark schwitzte und die Asche auf ihm kleben blieb“, schreibt Schaupp. Er selbst kann sich daran erinnern, dass Stadtarbeiter die Kübel von Hand auf einen offenen landwirtschaftlichen Hänger geleert haben.

Schaupp weiß auch, dass die Geschichte der Ehinger Müllabfuhr genau 110 Jahre zurückreicht: Im Juli 1906 sei der Kehrrichtwagen eingeführt worden, um jeden Samstag den Abfall einzusammeln und ihn wegzubringen.

Aus diesem Jahr 1906 hat Schaupp in seinen Unterlagen auch zwei völlig gegensätzliche Beschreibungen der Stadt Ehingen, eine freundliche vom badischen Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob, und eine kritische aus dem „Volksfreund für Oberschwaben“ aus dem Verlagshaus Feger. Die freundliche stammt aus Hasjakobs Buch „Sonnige Tage“, in dem er schreibt: „Nach mehr als einstündiger Fahrt näherte ich mich wieder dem Donautale und komme in das eine Viertelstunde vom Fluss entfernte Oberamtsstädtle Ehingen. Dieses würde sich, an und auf einem Hügel gelegen, mit drei flotten, alten Kirchtürmen, recht malerisch präsentieren, wenn nicht drei riesige Fabrikschlote den guten Eindruck gewaltig beeinträchtigen. Ich fahre durch die Untere Stadt, die schöne, alte Häuser aufweist, die am Abend elektrisch beleuchtet wurden. Ich bemerke dabei, dass bei den Ehinger Wirten durchwegs nur redende Schilder ohne jede Inschrift vorhanden sind. Da sieht man flott konstruierte Adler, Löwen, Storche und Sonnen, die da verkünden, dass hier ein Wirtshaus steht. Alles in allem genommen, und soweit ich es gesehen, ist Ehingen eines der schönsten schwäbischen Städtle, die ich kennengelernt habe“.

Bis auf die Tatsache, dass es zur damaligen Zeit fünf große Schlote in Ehingen gab, alle in der damaligen Fabrikstraße, heute Adolffstraße, und vier davon zum Zementwerk und einer zur Baumwollspinnerei gehörten, hat Schaupp an diesem Lob fürs Städtle nichts auszusetzen. Dass es auch andere Ansichten gab, verdeutlicht die Beschreibung aus dem „Volksfreund“: „Für‘s erste lagert auf den ungepflasterten Straßen, namentlich in gegenwärtiger Zeit, ein solcher Morast, dass das Fahren mit einem ordentlichen Kinderwagen unmöglich ist. Es bleibt den Besitzern von Kinderwagen nichts anderes übrig, als entweder sich beim Ausfahren mit Kot zu überziehen und sich und sein Kind in Gefahr zu bringen oder mit Kind und Wagen hübsch zu Hause zu bleiben ( . . .). Wen hat es beim Nach-Hause-Gehen nicht schon widerlich berührt, dass die Wirtshäuser nicht nur durch Schilder, sondern durch eine vor denselben herrschende Überschwemmung kenntlich gemacht sind?“

Ob es eine Folge dieser wenig schmeichelhaften Beschreibung war, dass ab Juli 1906 ein Kehrichtwagen eingeführt wurde? Schaupp lässt das offen: „Viel hängt vom Wetter ab, und wer hat nicht an sich selbst schon bemerkt: bei Sonnenschein ist die Welt viel schöner.“ ah

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