Überwachung Der Mann für die Sicherheit

Von Ifigenia Stogios 06.10.2018

Er sitzt in seinem Büro im zweiten Stock des Bahnhofsgebäudes in Ludwigsburg. Seine Berufsbezeichnung lautet: Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Er ist bei der Stuttgarter Industriebewachung Bruno Wachtmeister angestellt. Nach seinem ersten halben Arbeitsjahr am Bahnhof arbeitete sich Dennis Morlok zum Objektleiter hoch. Das heißt, dass er für die Sicherheit am Bahnhof und für die dazugehörige untere und obere Parkanlage zuständig ist und ein Sicherheitsteam leitet. Vier bis fünf Mal in der Woche ist er in Ludwigsburg tätig, jedes Mal zwölf Stunden lang. Von seinem Bildschirm aus überwacht er anhand 23 Kameras das Gebäude. Diese sind seit zweieinhalb Jahren im Gebäude installiert. Wegen der zahlreichen Sachbeschädigungen beschloss der Privatbesitzer, nämlich die Doblinger Unternehmensgruppe aus München, eine Überwachung duchzuführen, „damit alles aufgedeckt werden kann“.

Falls Morlok etwas Verdächtiges wie etwa ein aggressiver Mensch auffällt oder eine körperliche Auseinandersetzung, so kommuniziert er gleich per Funk mit seinem Kollegen. Nur wenn beide die Situation nicht stemmen können, rufen sie die Polizei an, so der 37-Jährige. Zusätzlich führt Morlok täglich ein Protokoll und erstellt Statistiken und Dienstpläne.

Die meisten Stunden seines Berufsalltags verbringt Morlok allerdings stehend. Er hält sich lange im Ein- und Ausgangsbereich auf. „Hier spielt sich viel ab, besonders in den späteren Stunden“, verrät er. Am häufigsten kommen Körperverletzungen und Diebstähle vor. Schlägereien mit Flaschen sind keine Seltenheit. „Man braucht ein dickes Fell und darf sich vor dem Umgang mit Menschen und vor Konfrontationen mit ihnen nicht scheuen“, weiß er aus seiner bisherigen Erfahrung. Wenn sich Leute prügeln, geht Morlok dazwischen und versucht sie zu trennen. „Ich traue mir manchmal zu viel zu“, gibt er zu. „Gott sei Dank hat das bisher immer funktioniert“, sagt er und lacht.

Die richtige Tonart einschlagen

Sobald in irgendeinem Laden im Bahnhof ein Dieb erwischt wird, hilft er den Landedetektiven ihn festzuhalten bis die Polizei eintrifft. Die Handschellen, die er mit sich trägt, haben eine unterstützende Rolle. Am Bahnhof halten sich unter anderem Alkohol- und Drogenabhängige auf. „Ihre Reaktionen sind nicht leicht einzuschätzen. Die Hemmschwelle liegt ziemlich weit unten.“ Aus diesem Grund geht der Bietigheimer vorsichtig auf sie zu. „Wir versuchen höflich und freundlich zu sein, gleichzeitig aber auch bestimmend.“ Meistens kommen die Störenfriede dann seinen Aufforderungen nach, doch er berichtet auch von welchen, die „Lust auf Spielchen haben“. „Da muss ich dann eine andere Tonart einschlagen.“

Um sich vor aggressiven Menschen zu schützen, ist eine entsprechende Ausrüstung vom Vorteil. Morlok trägt eine Stichschutzweste, schnittsichere Handschuhe, die gegen Spritzen schützen. Auch Pfeffergel und Handschellen sind in seinen Hosen- und Jackentaschen zu finden. Das Pfeffergel sei dickflüssiger als das Pfefferspray und „wird punktuell eingesetzt, sobald Waffen mit ins Spiel kommen“, sagt er. Das sei jedoch glücklicherweise in seiner Zeit in Ludwigsburg noch nicht vorgekommen. Einen weiteren Bereich, den der 37-jährige Mann im Blick haben muss, ist die Anlieferzone im Untergeschoss. Zutritt haben dort nur die Lieferwägen. Mittels eines Codes machen die Lieferanten das magnetgesicherte Tor auf. „Früher hielten sich hier Obdachlose auf.“ Das tun sie immer noch, allerdings eher vor den verschiedenen Läden. Das passiert bei Minustemperaturen im Winter. „Solange sie sich nicht mit ihren Matratzen ausbreiten und den Bahnhof nicht als Schlafzimmer nutzen, ist es okay, schließlich sind wir keine Unmenschen“, sagt er.

Aber Morlok schreitet nicht nur ein, wenn Menschen überreagieren oder illegal handeln, sondern auch wenn es zu technischen Defekten kommt. „Es kommt vor, dass die Schrankenanlage nicht mehr funktioniert. Die Autos können dann nicht mehr aus dem Parkhaus raus.“ Bei solchen Fällen, sofern er das Problem nicht beheben kann, alarmiert er einen Techniker. Ebenso greift er ein, sobald ein Aufzug nicht mehr funktioniert und befreit Menschen, die darin steckengeblieben sind.

Seine Arbeit kann nicht jeder von heute auf morgen übernehmen. Die Ausbildung dauerte vier Jahre. Außer einer Schulung für Aufzugsbefreiung hat er zudem noch eine Brandschutzschulung hinter sich und ein Seminar zum Verhalten bei Bombendrohungen. Und an einem Auffrischungskurs für Ersthelfer nimmt er auch hin und wieder teil. Eine Sachkundeprüfung legte er erfolgreich ab. Im Rahmen der Prüfung lernte er Rechtsgrundlagen und befasste sich mit Notwehr.

Doch egal wie häufig er mit schwierigen Situationen konfrontiert wird, Morlok übt seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Vor allem wird ihm nie langweilig. „Kein Tag ist wie der andere“, somit sei sein Berufsalltag äußerst abwechslungsreich. „Ich brauche Action, um aufzublühen.“ Er ergänzt noch mit einem Hauch von Selbstsicherheit: „Meine Mitmenschen können sich während meiner Dienstzeit sicher fühlen.“

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