Crailsheim Zwischen Farbfeuerwerk und erdigem Ton

Margot Bullinger – hier vor ihrem abstrakten Gemälde „Meereswelt“ – stellt derzeit in der Sparkasse Crailsheim aus.
Margot Bullinger – hier vor ihrem abstrakten Gemälde „Meereswelt“ – stellt derzeit in der Sparkasse Crailsheim aus. © Foto: Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 20.07.2018
Fast 50 Bilder von Margot Bullinger sind in der Sparkasse in Crailsheim zu sehen. Der paradox klingende Titel „Farbenspiel in Schwarzweiß“ ist nicht das einzig Besondere.

Das war die Initialzündung: Im Jahr 2003 habe die Künstlerin Margot Bullinger mit einem Volkshochschulkurs und viel Leidenschaft für das Malen zu ihrer Form des Ausdrucks gefunden. Der ehemalige Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde Ilshofen, Roland Wurmthaler, ordnete sie nach der Begrüßung durch Hausherrn Thomas Lützelbeger in seiner Einführung als „Vertreterin der abstrakten Malerei“ ein.

Und in der Tat werden in der Sparkasse zahlreiche „gegenstandslose Farbkompositionen“ präsentiert, die einfach die Bezeichnung „Abstrakt“ erhalten haben. Zumeist sind es schmale hochformatige kleine Farbtornados oder mehr ins Quadratische gehende Farbfeuerwerke.

Titel geben Richtungen vor

Manchmal gibt es Titel, die Tendenzen oder Richtungen in den Bildern anzeigen. Da bläst der „Farbwind“, wird in der „Farbwelt“ oder einer „Phantasielandschaft“ gelebt oder werden das „Farbspiel“ und die „Leuchtkraft“ beschworen. Durchaus konkret wird die Künstlerin also bei der Bezeichnung vieler Bilder jenseits der einfach als „Abstrakt“ bezeichneten.

Da trifft der Betrachter auch auf eine leuchtende „Meereswelt“, die den Bezug zu Korallenbänken farblich in sich trägt. Beim „Paartanz“ verdrehen sich die Farben vor einem kleinen Farbfeuerwerk ineinander. Beim „Karussell“ entsteht aus der Drehung im Grunde schon eine Figur.

Dabei muss man bei diesen Bildern zwischen zwei Kompositionsrichtungen unterscheiden. Auf die lichte Art des Umgangs mit Farben weisen Titel wie „Leuchtkraft“ schon hin. Die andere Art ist dunkler angelegt. Da finden sich dann auch Bezeichnungen wie „Höhle“.

Und etliche dieser dunkler angelegten Bilder tendieren ins Konkrete oder in den Worten Roland Wurmthalers: „Wenn man die Gemälde etwas länger auf sich wirken lässt, ist auch manches darin zu entdecken: wie Menschen, Tänzerinnen, Gesichter, verschleierte Gesichter, Bäume, Berge, Wasser oder zum Beispiel eine Landschaft oder ein Boot.“

Wurmthaler machte in seiner Einführung auf diesen Bildern auch Farbsymbolik aus: „In den Gemälden finden Sie meist warme Farben wie Gelb, Orange für warm, erregend, heiter, Freundlichkeit und Optimismus; Rot für belebend, kraftvoll, Leidenschaft, Feuer, Liebe und Freude; Grün für sanft, freundlich, natürlich oder für Ruhe, Entspannung und Natur; Blau für beruhigend, friedlich, kalt, Hoffnung und Harmonie. Schwarz steht für pessimistisch, negativ, geheimnisvoll, aber auch für Schmutz, Trauer, Hass und Spannungen.“ Gesellschaftliches wird auf einigen Bildern thematisiert. Da ist die „Flucht“ zu finden, auf der man eben ein Boot ausmachen kann. Da ist aber auch der „Orient“, der verschleierte Frauenköpfe andeutet. Erdige und warme Farben und angedeutete Landschaften machen „Afrika“ aus.

Noch deutlicher ins Konkrete gehen vor allem die schwarz-weiß gehaltenen Bilder, auf denen sie bevorzugt mit Kohle gezeichnet hat. „Halloween“, „Maskerade“, „Schweigen“, „Ernte“, „Herbst“ oder „Amor“ finden sich da als Titel. Das Schweigen ist noch einmal auf einem Farbbild wiederzufinden. „Fehlende Worte“ heißt es da. Ähnlich mysteriös wirkt das „Spiegelbild“ oder das allerdings lichtere „Zirkus“, das wohl fesselndste Bild der gesamten Ausstellung.

Fünf Bilder als Ergänzung

Ergänzend hängen noch fünf Bilder von Bewohnern des Ilshofener Heims für ältere geistig und körperlich behinderte Menschen, denen die Künstlerin von Zeit zu Zeit Workshops anbietet: ebenfalls abstrakt mit Farben und Farbflächen umgehend, allerdings sehr viel dichter als auf den Bildern Bullingers.

Info

Die Ausstellung in der Sparkasse Crailsheim ist noch bis zum 7. September zu den Öffnungszeiten des Bankhauses zu sehen. Darüber hinaus ist die Ausstellung zum Kulturwochenende auch am Sonntag, 22. Juli, von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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