Seit 1991 gibt es das von Professor Peter Feuchtwanger ins Leben gerufene Pianofestival in Feuchtwangen. Am Dienstag wurde es mit einem Konzert von John Robilette aus den USA eröffnet.

Im Jahr 1975 sei er das erste Mal auf Peter Feuchtwanger getroffen, bekennt John Robilette in einem Interview für das Festivalheft und fügt hinzu: "Ich lernte viele Dinge von Peter. Eines war, wie man locker und leise spielt. Die meisten Lehrer sagen nur: Spiel leise! Aber er bot Übungen an, die sich mit dem Anschlagsgrad auf der Tastatur auseinandersetzen; die wiederum helfen, ein Gefühl für die Schwere der Taste zu entwickeln, auch eine Empfindung für das Gewicht des Filzhammers und den Weg bereiten für ein langsameres Niederdrücken der Taste und eine erhöhte Kontrolle für nuancenreiches Spiel."

Dies ist einer der wesentlichen Ansätze von Feuchtwangers Unterrichtsmethode bis heute. Dass dies mehr Vorteile als Nachteile birgt, zeigte vor allem der ersten Teil des Konzertes von Robilette, einst Schüler des berühmten französischen Pianisten Alfred Cortot. Bei so manchem Triller im "Adagio" aus dem von Johann Sebastian Bach für Tasteninstrument bearbeiteten dritten Oboenkonzert von Alessandro Marcello vermisste man zwar Elastizität und Spannung. Dafür klang dieser langsame Satz, mit dem Robilette den Abend eröffnete, aber ausdrucksvoll gesanglich.

Besser geriet ihm danach Georg Friedrich Händels Chaconne in G, vor allem die schön federnden Triolen. Etwas im Pedalbad ertranken dagegen einige schnelle Skalen. Ausdrucksstarkes Innehalten war bei der Moll-Variation zu erleben. Später hob Robilette die Bassfiguren schön kraftvoll hervor - ein weiterer Vorteil von Feuchtwangers Spielansatz: das Herausheben auch der vermeintlichen Nebenstimmen.

Zwiespältig blieb der Eindruck von Robilettes Interpretation der D-Dur-Klaviersonate op. 10 Nr. 3 von Ludwig van Beethoven. Zwar hatte er im Eingangssatz die Motivarbeit Beethovens deutlich werden lassen, allerdings hätte man sich dies drahtiger, mit mehr Dynamik und schneller vorstellen können.

Beim langsamen Satz unterstrich Robilette den getragenen Ton und sorgte ebenso für sonore Kantabilität. Gegen Ende des Satzes gelang ihm auch ein dramatischerer Ton. Der Kontrast zum sehr liedhaften wiedergegebenen Menuettsatz hätte kaum größer ausfallen können. Und das Finale bot ein schönes Gegenüberstellen von Momenten der Anspannung und des Los- wie Fließenlassens.

Das Gesangliche suchte der Pianist danach auch zu Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz", schön federnd und mit Eleganz wiedergegeben. Hier wurde der Bogen vom ersten Konzertteil mit Werken deutschsprachiger zum zweiten mit solchen französischer Komponisten gespannt. Denn ganz ans Ende hatte Robilette die hochvirtuose "Étude en forme de valse" von Camille Saint-Saëns gestellt: allerdings mit dem Virtuosen im Dienst des Ausdrucks.

Zuvor hatte Robilette einen Bogen von der französischen Romantik bis zur Neoklassik gespannt. Francis Poulencs "Mouvements perpétuels" erklangen mit Witz und fast im Plauderton. Maurice Ravels "Jeux d'eau" erhielt einen leicht geschärften Tonfall und wirkte sehr klar im Anschlag. Gabriel Faurés erhielt einen warmen Grundton, dem ein leichtes Drängen gegenüberstand.

Claude Debussys "Poissons d'or" aus dem zweiten Band der "Images" verpasste Robilette einen weich tänzelnden Charakter, gefolgt von sehnenden und melancholischen Walzertönen zu "La plus que lente" und einem flüchtig wirkenden Prélude zu "Pour le piano" mit dramatischen Akzentsetzungen.

Drei Zugaben spielte John Robilette am Ende für die etwa 70 Zuhörer im kleinen Saal des Fränkischen Museums: einen französischen Walzer des Debussy-Zeitgenossen Déodat de Séverac, die erste der Arabesken Debussys und ein Nocturne von Dave Brubeck.

Heute Daniel Kasparian

Noch drei Tage dauert das Pianofestival in Feuchtwangen. Ebenfalls im Fränkischen Museum spielt heute um 20 Uhr Daniel Kasparian Werke von Bortnianskij über Bach bis zu Chopin. Um die gleiche Uhrzeit und an demselben Ort ist morgen Daniel Roberts mit Werken von Beethoven, Feuchtwanger, Moskowksi und Medtner zu erleben sowie am Sonntag das Abschlusskonzert der Teilnehmer von Feuchtwangers Meisterkurs. snu

SWP