Es ist ein Schnellschuss, aber einer, der bei den Mitgliedern des Bau- und Sozialausschusses ohne Wenn und Aber einhellige und richtiggehend begeisterte Zustimmung findet. „Natürlich“ stimmen sie einem Filmprojekt „75 Jahre Kriegszerstörung – 75 Jahre Neubeginn“ zu. Der größte Teil der Kosten, rund 30.000 Euro, soll über Minderausgaben beim Straßenbau im Wohngebiet Grundwegsiedlung in Altenmünster gedeckt werden.

2020 ist das Jahr, in dem sich Crailsheim an die beinahe vollständige Zerstörung der Innenstadt im Frühjahr 1945 erinnert. Als die Planung dieses Jahrestags fast schon abgeschlossen war, wurde unvermittelt ein weiterer Programmpunkt aufgenommen, ein auch als „Gebäudemapping“ bezeichnetes Filmprojekt.

Wenige Wochen Zeit

Viel Zeit bleibt nicht für die Produktion dieses Films. Folker Förtsch, der Leiter des Stadtarchivs, hat den Ausschussmitgliedern erzählt, wie ihm bei der Vorbereitung der „Langen Nacht der Türme“ bei der Media Resource Group Crailsheim Möglichkeiten der Gebäudeprojektion aufgezeigt wurden, die ihn auf den Gedanken brachten, das ins Gedenken an die Stadtzerstörung einzubinden. Und jetzt muss alles recht schnell gehen.

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Rosengarten

Gemeinsam produzieren die Stadtverwaltung und das Medienunternehmen nun also den Film „Schicksalsjahre einer Stadt“, der eine Woche lang, vom 20. bis zum 25. April, jeweils abends nach Einbruch der Dunkelheit als Gebäudeprojektion an den drei Fassadenflächen des „Schloss“-Innenhofes öffentlich vorgeführt werden soll. In diesem etwas 15 bis 20 Minuten dauernden Streifen werden historische Bild- und Filmaufnahmen mit Animationseffekten und einer Audio-Übertragung verarbeitet. Susanne Kröper-Vogt, Ressortleiterin für Soziales und Kultur, sowie Baubürgermeister Jörg Steuler nennen dieses Vorhaben „einen der Höhepunkte der Veranstaltungsreihe und eine für Crailsheim insgesamt einmalige Aktion“. Besonderheit ist, dass der Film von der Friedenszeit vor 1933 in der Weimarer Republik, über Kriegsjahre und Zerstörung bis weit hinein in den Wiederaufbau der 1950er-Jahren einen ungewöhnlich großen Zeitraum abdeckt.

Einhellige Bestätigung

Helga Hartleitner (SPD) sprach von einer „Super-Idee“ und wunderte sich, dass es dem Team um Stadtarchivar Folker Förtsch gelingt, dieses Projekt in so kurzer Zeit umzusetzen. Uwe Berger (CDU) freute sich grundsätzlich am „hochkarätigen Programm“, und Charlotte Rehbach (Grüne) fand das Vorhaben spannend. „Gerade heute ist diese Erinnerungskultur wichtig“, meinte sie. Junge Leute müssten ans Thema herangeführt werden. Auch Ingeborg Hein (BLC) nannte das Vorhaben „richtig und gut“. Die Stadtverwaltung sieht in dem Film eine außergewöhnliche und überaus eindrucksvolle Aktion im Zusammenhang mit dem besonderen Jahrestag der tragischen Ereignisse von 1945.

Schwäbisch Hall

Planung abgeschlossen

In der vergangenen Woche wurde ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm samt Flyer fertiggestellt. Unter dem Titel „75 Jahre Kriegszerstörung Crailsheim – Katastrophe und Neubeginn“ gibt es bereits vom 16. März an eine Reihe von Vorträgen, Stadtführungen und Konzerten. Unter anderem spielt am Karfreitag Organist Christoph Broer in der Johanneskiche; es gibt Filmvorführungen insbesondere des Werks von Waldemar Jauch und Hubert Ulrich „Das Ende Alt-Crailsheims“, und Gernot Mitsch und Andreas Petrou gestalten im Rathaus eine Lesung „Die Zerstörung Crailsheims in Augenzeugenberichten“. Der frühere Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert kommt zu einer Veranstaltung. Das ganze Jahr über wird dem Gedenken Raum gegeben.

Eine Fassade wird lebendig


Für solche Projektionen wird zum Beispiel eine Gebäudefassade mit spezieller Software als digitales Modell nachgebaut, das dann als Vorlage für die Projektionsinhalte dient. Jeder gewünschte Bildinhalt kann nun pixelgenau und mit der passenden Beleuchtung auf dieses Modell angepasst werden, womit sich verblüffende Effekte erzielen lassen.