Crailsheim Zwei auf der Piste

Schwaben-Comedy vor 700 Leuten: Petra Binder (links) und Doris Reichenauer
Schwaben-Comedy vor 700 Leuten: Petra Binder (links) und Doris Reichenauer © Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 03.12.2018
Um Frauen und ihre Wechseljahre geht es am Samstagabend im Hangar mit dem Duo „Dui do on de Sell“. 700 Crailsheimer wollen Petra Binder und Doris Reichenauer sehen – und hören.

Wir Frauen in den Wechseljahren, wir haben Bedürfnisse“, klang es zu Beginn aus dem Mund der sich gelegentlich Haushaltsrollenpapier unter die Achseln steckenden Doris Reichenauer. Zuneigung gehöre dazu und das Vorspiel.

Doch da ist sie wohl bei ihrem Dieter auf den falschen Partner getroffen. Der meine, dass er doch auch nicht eine Viertelstunde vor der Garage stehe und hupe, bis er hineindürfe. Außerdem finde er sie nicht mehr sexuell attraktiv, weshalb sie sich nun eine zweite Meinung einholen werde.

So pointiert, wie aus dem Bauch heraus und scheinbar aus dem Gespräch geboren, und mit vielen herzhaften Lachern des Publikums ging es am Samstag mehr als zwei Stunden mit ihr und Petra Binder weiter. Die habe sich zum Schönheitschirurgen begeben – wegen eines „Body-Liftings“. Fluchtartig habe sie dessen Praxis verlassen, als er anfing, die Schnittstellen auf ihren Bauch aufzuzeichnen. Seitdem gilt er bei ihr als Änderungsschneider. Bei einer anderen Frau wäre das „Bauchnäbele“ im „Abnäher“ verschwunden. Die sei jetzt wegen ihrer „Piercing-Löchle“ undicht – die hätten nicht mehr unter den „Abnäher“ gepasst.

Den jungen Weibern gefallen

Natürlich kamen bei allen Wechseljahren die Männer des schwäbischen Duos nicht zu kurz. Die hätten ja keine Wechseljahre, denn: „Die kommet doch gar net aus der Pubertät naus.“ Und: „Wenn se mal 40 senn, fanget se an zu spinne.“ Da werde dann ein Mountainbike angeschafft und als zweite Stufe am Stadtmarathon teilgenommen. Alternativ würden sich die Faulen ein Motorrad zulegen: „Sie wollet wieder den junge Weibern gfalle.“

Und wenn er ihr mal ein „Schuhschränkle“ selbst zusammengebaut habe, dann müsse sie sich wochenlang dafür bedanken, regte sich Doris Reichenauer auf. Sie könne froh sein, dass er überhaupt etwas selbstständig mache, befand Petra Binder. Ihrem Gerhard müsse sie immer die richtigen „Schräuble“ hinhalten, sonst geschehe gar nichts.

Zudem müsse es neben jeder Boutique einen Heimwerkermarkt geben, meinten beide. Da könne man seinen Mann abstellen und dann in Ruhe Kleider einkaufen. Nicht minder problematisch das Schnarchen im Bett: Nachdem sie endlich ihre Hitzewallungen heruntergekühlt hatte, begann die Schnarcherei nebenan. Manchmal habe sie auch nach ihrem Dieter geschlagen, gab Doris Reichenauer zu. Neulich habe sie Angst bekommen, ihn erschlagen zu haben, weil nichts mehr zu hören war. Der Grund: Er leide unter Atemaussetzern.

Bitte nehmen Sie meinen Mann

Von ihren Männern getrennt und als Single lebend wollte das Duo seinen „Marktwert“ ausfindig machen. Petra Binder hatte eine Zeitungsanzeige geschaltet: „Suche einen Mann.“ Hunderte Antworten habe sie erhalten mit „Bitte nehmen Sie meinen.“

Bevor es also in der Pause „auf die Piste“ ging, wurde abermals Haut- und Gewichtsbegutachtung betrieben. „So wie man sich füttert, wiegt man“, hieß es da und zur Haut an den Oberarmen: „Ich möcht zwar in den Himmel komme, aber dass mir jetzt scho Flügel wachse ...“

Der zweite Teil war vorwiegend der Männersuche gewidmet. Nach erfolgloser Suche in der Pause mit „Augen-Tinnitus“ bei Petra Binder war das Problem ausgemacht: „Tolle Typen“ fände man nur noch im Internet. Also wurde fleißig als „Denise“ und „Chantal23“ gechattet.

Klar sind für die beiden „reiferen“ Frauen zwei Dinge: Zum einen sollte er kultiviert sein. Zum anderen: „Lieber einen jungen Mann verhalten als einen Alten versorgen.“ Für Doris Reichenauer bedeutet das auch: „Bloß keinen mehr wie ihren Dieter, den „Lellebebbel.“ Ein Holzfällertyp müsse her.

Im Publikum ging sie auf die Suche mit Blick auf Haare am Rücken. Da wurde sie beim „Backstreet Boy Spätlese“ fündig und bei Wolfgang „mit dem breiten Kreuz“ und dem „Solardächle“. Am Ende sollte es doch nur ein ambulant, nicht stationär aufgenommener Mann sein, „vielleicht halbtags“. Oder doch „a Kätzle“ stattdessen? Klar war am Ende nur noch eines: „Die Konkurrenz schläft net.“ Also: zurück auf die Piste.

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