Menschen Zusammen für ein gemeinsames Ziel

An allen Ecken und Enden engagiert: Reinhold Dolinsky aus Ingersheim.
An allen Ecken und Enden engagiert: Reinhold Dolinsky aus Ingersheim. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 17.04.2018

Die Liste ehrenamtlicher Tätigkeiten ist lang, wenn man Reinhold Dolinsky bittet, aufzuzählen, was er alles schon gemacht hat neben seiner Tätigkeit als Maschinenbauer. Sänger in einer Rockband, Mitglied beim THW, bei den Motorradfreunden, Stadtrat für die AWV, Betriebsrat und Miniaturdampfbahn-Freund, das alles zählt der 61-Jährige auf und scheint dabei selbst ein wenig erstaunt, wie viel zusammenkommt.

„Vor rund 30 Jahren war ich jeden Abend unterwegs, sehr zum Leidwesen meiner Frau“, sagt er schmunzelnd. Als 1995 sein drittes Kind geboren wurde, trat er aber auf die Bremse, gab Dinge auf, die ihn zu viel Zeit kosteten. Sein Engagement als Stadtrat ist seitdem Geschichte. „Ich bin immer noch interessiert und engagiert, wenn es um Crailsheim geht, doch aktiv mache ich nichts mehr“, sagt er. Seine Karriere als Hobbysänger verlief ebenfalls im Sande. Das Leben kam dazwischen, Arbeit, Familie, andere, wichtigere Interessen.

Was geblieben ist, ist die Begeisterung für Dampfloks und Motorräder. Beide Interessen verfolgt er aktiv im Verein, war im Verein der Dampfbahnfreunde Kocher-Jagst, bevor er mit anderen zusammen einen eigenen Verein, den MDBH gründete. „Das ist in den Genen. Mein Vater war Dampflokführer. Von meinem Kinderzimmer aus konnte ich den Güterbahnhof sehen, so nah haben wir gewohnt“, erinnert er sich, woher die Faszination für die Maschinen rührt.

Geschichte erlebbar machen

Der Gründung des neuen Vereins der Dampfbahnfreunde lag eine gemeinsame Vision zugrunde, erklärt Dolinsky heute: „Es ist sehr wichtig, so steht es auch in unserer Satzung, die Geschichte der Dampflok in Crailsheim hochzuhalten und erlebbar zu machen.“ Dafür engagiert sich der Verein mit Fahrtagen mit den Miniaturloks und viel ehrenamtlichem Engagement in den Werkstätten das ganze Jahr über, wo daran gearbeitet wird, alle Maschinen immer instand zu halten.

Außerdem veranstaltet der Verein seit rund 25 Jahren eine Modellbahnbörse. „Das ist mein Baby und unsere Haupteinnahmequelle“, sagt Dolinsky und taucht ein in die Erinnerungen an die Anfangsjahre in der Jahnhalle, als sein Verein noch jung und klein war und deshalb Mühe hatte, die Veranstaltung zu stemmen.

Hier kam ihm seine Mitglied­schaft bei den Motorradfreunden zugute, die er ins Boot holen konnte. Sie fungierten als Gastgeber, bis die jungen Dampfbahner etabliert waren und die Aufgabe selbst übernehmen konnten. „Ich finde es immer noch fantastisch, dass man es damals geschafft hat, dass mehrere Vereine gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, betont er und zeichnet als Vision die Zusammenarbeit von Crailsheimer Vereinen an gemeinsamen Zielen nach diesem Vorbild.

„Was kann bewegt werden ohne das Zutun engagierter Leute? Soll man alles Staat, Stadt und Gemeinde überlassen?“, fragt er rhetorisch und führt aus: „Es gibt nichts Schöneres, als eine Faszination mit anderen zu teilen, gemeinsam etwas zu erreichen und aufzubauen.“ Diese Einstellung war auch der Grund, weshalb er vor Jahrzehnten den Motorradfreunden beitrat, auch wenn er damit haderte, sein Hobby den geordneten Strukturen eines Vereins unterzuordnen. Doch als die Entscheidung gefällt war, engagierte sich Reinhold Dolinsky auch hier, war nicht nur passives Mitglied, sondern übernahm zum Beispiel die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Nur ein Rädchen im Getriebe

Der 61-Jährige bemüht bei seinen Beschreibungen stets das Bild vom Rädchen im Getriebe, will sicherstellen, dass er nicht herausgestellt ist, sondern als Teil eines großen Ganzen abgebildet wird. Seine Bescheidenheit wirkt aufrichtig, sein Einsatz für eine Sache nicht auf Außenwirkung begründet. So gibt er auch erst nach längerem Nachfragen zu, dass es neben seiner Arbeit in den Vereinen und in der heimischen Motorradwerkstatt noch ein weiteres Hobby gibt: den Hopfen. Zwar braut Dolinsky kein Bier, doch die Hopfenpflanze hat es ihm als Abkömmling eine Hopfenbauernfamilie in Niederbayern angetan.

Nachdem er wenige spärliche Ranken hinter seinem Haus zog, übernahm er auf eigenen Wunsch, und natürlich wieder ehrenamtlich, die Hege der Hopfenranken vor der Engel-Brauerei. Zusammen mit seinem Schwager hat er Setzlinge aus der Holledau geholt und ist seither verantwortlich dafür, wenn das Brauereigespann am Volksfest grün geschmückt daherkommt.

Dolinsky ist „Solarfahrer“

Der Ruhestand ist im Kopf von Reinhold Dolinsky übrigens schon präsent, auch wenn er noch ein paar Jahre arbeiten will. Wenn es so weit ist, will er die Urlaube und Städtereisen mit seiner Frau ausweiten. Bis dahin teilt er seine Freizeit zwischen seinen Interessen auf. Wenn Zeit bleibt, hilft er in der Familie beim Renovieren oder freut sich auf sonniges Wetter. Er ist nämlich „Solarfahrer“: Scheint die Sonne, packt er das Motorrad aus und fährt los.