Fast kein Stuhl blieb am Mittwochabend leer, als Dunja Hayali und Wolfgang Heim beim Musikwinter in der Rendezvous-Reihe zum Ideal der Demokratie und über die Qualität der Demokratie in Deutschland sprachen. Auf einer "Insel der Glückseligen hinsichtlich vieler Rechte" befinde man sich in Deutschland, schlussfolgerte die ZDF-Journalistin.

Zuvor hatte sie zusammen mit Heim in einem unterhaltsamen Gespräch vor allem ihren Berufsstand beleuchtet. Angesichts des Vorwurfs der "Lügenpresse" ging es unter anderem um den Umgang mit Pegida- und AfD-Anhängern. Viele von ihnen seien verängstigte und verunsicherte Menschen, die sich bei den etablierten und inzwischen stark veränderten Parteien nicht mehr aufgehoben fühlten. Hinzu komme eine verschwommene Medienausrichtung, die laut dieser Anhänger Missstände ausblende.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte die in Deutschland geborene Tochter mit irakischen Eltern sich für eine Reportage zu einer AfD-Kundgebung nach Erfurt begeben und dort Teilnehmer interviewt. Dabei kam es auch zu Handgreiflichkeiten. Einig war sich Dunja Hayali mit Wolfgang Heim, dass es nicht sein dürfe, dass in Deutschland Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes angepöbelt, bedroht oder geschubst werden.

In der Beurteilung des Umgangs mit Post, E-Mails und Kommentaren zur journalistischen Tätigkeit zeigten sich bei beiden Unterschiede im Umgang damit. Heim wollte keine Sekunde dafür verschwenden, jemanden vom Gegenteil seiner Meinung zu überzeugen. Hayali entgegnete, dass das wahrscheinlich gesund sei. Aber so lange sie auch nur einen überzeugen könne, sei es ihr das wert. Und schließlich sei es ebenso Teil des Jobs, darauf einzugehen, wenn man als "Lügenpresse" bezeichnet werde. Dazu gehöre für sie, Fehler, die bei der Berichterstattung gemacht wurden, einzugestehen. Zwei benannte sie. So habe das ZDF stark verzögert über die Übergriffe von Migranten auf Frauen an Silvester und Neujahr am Kölner Hauptbahnhof berichtet, im Morgenmagazin etwa erst ab Dienstag, 5. Januar. Der Vorwurf dazu lautete von Zuschauerseite, dass das ZDF absichtlich Ereignisse unterdrücke, die nicht ins Weltbild des Senders passten. Der zweite Fehler sei ihr bei einem Bericht über Folterungen des Assad-Regimes an der türkisch-syrischen Grenze unterlaufen. Dazu seien zum Korrespondentenbericht alte Bilder aus dem Irak eingeblendet worden. "So ein Fehler darf nicht passieren", stellte Hayali klar. Sie habe sich dafür entschuldigt. Aber wenn man Fehler eingesteht, könne dann von Seiten der Zuschauer nicht weiter der Vorwurf der Lüge lanciert werden.

"Man müsse etwas aushalten können", sagte Wolfgang Heim später. Beleidigungen seien eben Teil der Gage - und wenn sie in sich widersprechende Richtungen gingen, hätte man es wohl richtig gemacht. Auch Hayali unterstrich die Verpflichtung zu Neutralität und Unabhängigkeit, wehrte sich aber gegen Pauschalisierungen. So seien wohl auch "schwarze Schafe" unter den Flüchtlingen. Aber die Mehrheit fliehe vor dem Krieg. Hayali: "Man kann nicht so vermessen sein zu glauben, was mit den Menschen in Kriegsgebieten geschieht, gehe einen nichts an. Solch eine Haltung irritiert mich. Es gibt klare Gründe für Flucht. Man flieht nicht einfach so." Menschlichkeit, Humanismus stehe für sie an erster Stelle bei der Flüchtlingsthematik.

Ob das nicht der Maxime von Hanns-Joachim Friedrichs widerspreche, sich nicht mit einer Sache gemein zu machen, hielt ihr Heim entgegen. Da habe der "tagesthemen"-Moderator ja selbst dagegen verstoßen, zum Beispiel bei seinem Einsetzen für Hunde. Und prompt gab es einen kleinen Exkurs zum Thema Hund, speziell zu Hayalis Golden Retriever Emma.

Das Thema Minderheiten wurde im Dialog der beiden Journalisten fast zu einem Randthema, das kurz mit Hayalis Bisexualität und dem Abschieben von Roma in den Kosovo angesprochen wurde. "Veränderung kann es da nur geben, wenn man die Dinge aufdeckt", folgerte Dunja Hayali, "in der Welt von heute gibt keine einfachen Antworten mehr - außer bei der AfD".

Zur Person vom 30. Januar 2016

Dunja Hayali ist Tochter irakischer Christen aus Mossul. Ihre Mutter ist chaldäisch-katholische Christin, ihr Vater ist ein syrisch-orthodoxer Christ. Hayali selbst ist Katholikin und war in der Jugend Messdienerin. Die Eltern zogen von Bagdad nach Wien, um Medizin und Pharmazie zu studieren. Zum Zeitpunkt der Geburt Hayalis führte ihr Vater eine eigene Praxis in Datteln, in der ihre Mutter aushalf. Hayalis älterer Bruder ist ebenfalls Arzt. In ihrer Jugend betrieb sie intensiv verschiedene Sportarten. Sie studierte von 1995 bis 1999 an der Deutschen Sporthochschule mit dem Schwerpunkt Medien- und Kommunikationswissenschaften und arbeitete anschließend als Sportmoderatorin beim Radio der Deutschen Welle und als freie Mitarbeiterin bei Radio Köln. Im April 2007 übernahm Hayali die Moderation der ZDF-heute-Nachrichten sowie die Co-Moderation des heute-journals. Seit Oktober 2007 moderiert sie außerdem das ZDF-Morgenmagazin, welches sie seit Oktober 2010 als Nachfolgerin von Patricia Schäfer neben Wulf Schmiese oder Mitri Sirin in der Spätschiene (7 bis 9 Uhr) als Hauptmoderatorin präsentiert. Am 21. September 2010 war Hayali zum letzten Mal als Co-Moderatorin im heute-journal zu sehen.

QUELLE: WIKIPEDIA