Kupferzell Zum Ruhme des "Gipsapostels"

Andreas Volk referierte am Grab von Johann Friedrich Mayer auf dem Kupferzeller Friedhof über dessen Lebenswerk.
Andreas Volk referierte am Grab von Johann Friedrich Mayer auf dem Kupferzeller Friedhof über dessen Lebenswerk. © Foto: Heiner Werner
Kupferzell / SWP 20.11.2014
Eine Gruppe um den Vellberger Heimatkundler Heiner Werner plant die Gründung einer Gesellschaft, die die Erinnerung an den großen Bürger Kupferzells und Landwirtschafts-Förderer wachhalten soll.

Im Vorfeld dieses Schrittes fanden sich dazu am vergangenen Samstagmorgen mehr als 50 interessierte Bürger zu einem Vortrag über den "Gipsapostel" zusammen, bei dem Tillmann Zeller, pensionierter Agraringenieur und Landwirtschaftslehrer aus Bad Mergentheim, über ihn referierte. Zuvor führte Andreas Volk, freier Archivar und ebenso bekannter Kenner des Lebenswerks von Johann Friedrich Mayer, die Gruppe an dessen Grabmal auf dem Kupferzeller Friedhof.

Auf seinem 1801 errichteten Grabstein findet sich ein Loblied seines Freundes und ersten Biographen Georg von Forstner, der in Garnberg ein Mustergut nach Mayers Vorgaben geführt hatte. "Gipsapostel" ist ja zunächst ein Spottwort gewesen, so Zeller in seinem Vortrag. "Aber es hat seinen Ruf als Wissenschaftler nicht beschädigt." Mayer, 1719 als Sohn des gleichnamigen Gastwirts zum Schwanen in Herbsthausen geboren, besuchte nach der Lateinschule in Weikersheim das Gymnasium in Öhringen, das ihn bereits mit 17 Jahren reif für die Universität erklärte. Sein Studium der Theologie, das er teilweise mit Lottospielen selbst finanzierte, führte ihn nach Jena, wo er auch ökonomische Vorlesungen hörte. Seine erste Pfarrstelle erhielt er 1741 in Riedbach. Danach wurde er über sein Pfarramt in Ernsbach a.K. in den Kalenderstreit von Sindringen verwickelt, aber von seinem Dienstherrn aus der Schusslinie genommen und nach Kupferzell versetzt, wo er 53 Jahre lang bis zu seinem Tod wirkte.

"Mayer hat insgesamt 37 Werke verfasst, war Mitglied in 9 Ökonomischen Gesellschaften, fand Anerkennung von der Schweiz bis Hamburg, von Ungarn bis zum Niederrhein", so Andreas Volk in seiner Führung. "Er war Vater von 13 Kindern, von denen freilich nur drei Töchter und fünf Söhne das Kindesalter überlebten, er unternahm beschwerliche Reisen in die Pfalz, nach Ansbach, Würzburg und Bamberg, auch nach Hechingen."

Der Gründungsakt für diese neue Gesellschaft ist nun für den 8. Dezember in Kupferzell geplant. "Die evangelische Kirchengemeinde hat bereits beschlossen, ihr als korporatives Mitglied beizutreten", so Pfarrer Klaus Anthes nicht ohne Stolz.