Vermutlich war es Bach. Jacinta Pereira hat Musik immer geliebt und mit 14 Jahren gewusst, dass sie mal Musik studieren würde, aber da gibt es ja so viele Möglichkeiten, so viele Instrumente. Ihre Familie war nie sonderlich musikalisch, doch die kleine Jacinta und die beiden anderen Töchter der Familie durften eine Kunst- und Musikschule in ihrer Heimatstadt Leiria in Portugal besuchen, in der sich eine jede auf ihre ureigenen Talente und Neigungen besinnen konnte. Bei Jacinta war es zunächst das Keyboard das reizte, in Verbindung mit Chor und ersten Erfahrungen in der Gehörbildung und im Anordnen von Noten in mehrstimmigen Werken. Über ihre Firmpatin, eine Ordensfrau, kam sie dann zu ihrer Bach-Begeisterung, die noch heute spürbar wird, wenn sie etwa schildert, wie Organistenhände „fließend“ über die Manuale genannte Klaviatur gleiten und einen Raum mit Musik erfüllen. Auch wenn sie übers Deutsch­lernen spricht, erzählt sie zuerst, dass es eine Offenbarung war, zu verstehen, wovon bei Bach die Rede ist, und den Worten dieser Musik, etwa in der Matthäus-Passion eine Bedeutung zu geben.

Ein weiterer Schlüsselmoment war dann das Spielen einer richtigen Orgel, das sich mit einer elektronischen Orgel gar nicht vergleichen lasse: In ihrer Liebeserklärung an die Königin der Instrumente klingen ungezählte Stimmen anderer Orgelfreunde aus vielen Jahrhunderten an, die sich in der Faszinationen des so komplexen Zusammenspiels von Pfeifen und Registern verlieren. Aus dieser Freude am Instrument Orgel wurde dann der Orgel-Master an der Escola Superior de Música de Lisboa in Lissabon. Parallel hat sie sich die Ausbildung in Liturgiemusik in Fátima erarbeitet, Marienwallfahrtsort in der Nähe ihrer Heimatstadt. Sie war 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal als Organistin arbeitete und als Chorleiterin Konzerte und Gottesdienste gestaltete.

2013 wurde ihr ein von der EU gefördertes Erasmusjahr an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik der Diözese Regensburg ermöglicht, und da hat sie sich dann endgültig für die Kirchenmusik entschieden. Musik sei für sie „eine Möglichkeit, Glauben auszudrücken, Menschen zu berühren“ – und ihnen im besten Fall auch Glauben zu vermitteln. In den vergangenen beiden Jahren hat die mittlerweile 28-Jährige an der Hochschule für Kirchenmusik in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Kirchenmusik studiert und im September mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

Über die Musica Sacra, Zeitschrift für katholische Kirchenmusik, kam sie unter anderem auf eine in Crailsheim zu besetzende Stelle. Sie hat einen Sonntag in der Stadt verbracht und sich wohlgefühlt. Weil sie fünf Jahre in Regensburg gelebt und auch in Tübingen und Rottenburg Freunde hat, fand sie zudem, die Stadt liege genau richtig.

Bestätigt wurde sie unter anderem durch die Bonifatius-Orgel, die, ebenso wie die Orgel in St. Moriz in Rottenburg, auf der sie ihre Improvisationsprüfung bestanden hat, vom Lindauer Orgelbaumeister Winfried Albiez gebaut wurde. Das Besondere an diesem Instrument in St. Bonifatius ist die sogenannte „Spanische Trompete“, ein horizontal angeordnetes Orgelregister, das in ihrer Heimat verbreitet ist.

Auch die Orgel in Dreifaltigkeit hat es ihr angetan; selbst wenn bei diesem 1962 entstandenen Instrument wohl irgendwann eine Sanierung ansteht, genießt sie das Spiel auf dieser dem Ideal der Romantik entsprechenden Orgel, das den Klang unterschiedlicher Orchesterinstrumente nachahmen kann.

Ankommen in Crailsheim

Weil das Leben auch für sie nicht nur aus Musik besteht, fällt ihr noch mehr ein, was ihr zurzeit Freude macht. Der herzliche Empfang auf dem Kreuzberg am vergangenen Donnerstag etwa, wo sie nach dem von ihr gestalteten Gottesdienst zum Frühstück eingeladen und mit dem Horaffen-Gebäck vertraut gemacht wurde. Oder der Beschluss, gemeinsam mit ihrem Mann, der jetzt mit ihr in Crailsheim lebt, am ersten Crailsheimer Halbmarathon teilzunehmen. So lange ist sie noch nie gelaufen, und sie freut sich auf die Herausforderung und darüber, dass sie schon jetzt Mit-Läufer gefunden hat.

Empfang am Sonntag

Am Sonntag wird Pfarrer Franz-Josef Konarkowski Jacinta Pereira nach der Eucharistiefeier um 10.45 Uhr in der Kirche Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit im Rahmen eines Empfangs im Gemeindehaus als erste hauptamtliche katholische Kirchenmusikerin der Stadt vorstellen. Die junge Herzblutmusikerin hat Orgel, Chor und Gitarre zum Beruf gemacht hat und will ihre Liebe zur Musik leben – in der Arbeit mit Crailsheimer Kleinkindern im Kindergartenalter ebenso wie im Musikmachen mit Senioren, im Gestalten der Gottesdienste mit gregorianischem Gesang und modernen Liedern. Sie wird zudem den Kirchenchor leiten und neue Gruppen auf den Weg bringen.