Biber Dauerhafte Lösung nicht in Sicht

Hier sind abgestorbene Erlen und Weiden am Weidenbach südlich des Gewerbegebietes Südost zu sehen.
Hier sind abgestorbene Erlen und Weiden am Weidenbach südlich des Gewerbegebietes Südost zu sehen. © Foto: Stadt Crailsheim
Crailsheim / pm 06.10.2018
Die Verwaltung informiert über Schäden im Stadtgebiet. Die Tiere machen selbst vor kleinen, wenig Wasser führenden Bächen keinen Halt. Mit Sorge verfolgt die Stadt die Ansiedlung am Trutenbach.

Der Baumbestand des innerstädtischen Grünzugs Trutenbach mit der als Naturdenkmal geschützten Trutenbachallee ist gefährdet. Anwohner klagen über vom Biber gefällte Obstbäume und Hecken oder befürchten das Eindringen von Wasser in Keller und Tiefgaragen, schreibt die Stadt Crailsheim in einer Pressemitteilung.

 Seit den 1980er-Jahren siedelt sich der Biber von Bayern kommend wieder im Gewässersystem der Jagst an. Wurde er bei seiner Rückkehr zunächst positiv als Sinnbild für eine sich regenerierende Natur wahrgenommen, so kommt es zunehmend zu Konflikten, da der Biber im Stadtgebiet selbst kleine, wenig Wasser führende Bäche bis in den Innenstadtbereich besiedelt.

Der Biber zählt zu den nach deutschem und europäischem Naturschutzrecht streng geschützten Tierarten. Dies entspricht der höchsten Schutzkategorie. Nicht nur das Fangen oder Töten der Tiere ist verboten, sondern auch die Störung während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeiten sowie die Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten.

Manschetten aus Maschendraht

Gegen die Nagetätigkeit des Bibers schützt die Stadtverwaltung wertvolle Einzelbäume durch Maschendraht-Manschetten. Oftmals ist die Schädigung der Bäume und Gehölze aber nicht auf Fraßschäden zurückzuführen. Der Grund für das Absterben, wie es am Sulzbrunnen/Weidenbach südlich des Gewerbegebietes Südost zu beobachten war, ist der dauerhafte Einstau des Wurzelbereiches.

Zwar sind Erlen, Weiden und Eschen als Baumarten der Auen tolerant gegenüber Überschwemmungen, entscheidend ist jedoch die Dauer der Überflutung. Stehen die Bäume über viele Wochen im Wasser, faulen die Wurzeln und die Pflanze kann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen. Die dauerhafte Vernässung erschwert auch die Bewirtschaftung bachnaher Wiesen.

Im Siedlungsbereich drohen weitere Gefahren durch Biberdämme, die einen Rückstau ins Kanalsystem verursachen. Größere Regenmengen können dann unter Umständen nicht mehr ungehindert abfließen. Mit Sorge wird die Ansiedlung des Bibers am Trutenbach beobachtet. Im Bereich der stark frequentierten Fußgängerbrücke und wegen der Veranstaltungen am Eisweiher müssen erhöhte Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht gestellt und gefährdete Bäume frühzeitig gefällt werden.

Die Konflikte wurden entschärft

Die Verwaltung steht deshalb in ständigem Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde. Eine Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Eingriffe an Biberdämmen ohne vorherige Abstimmung sind nicht möglich. Die Umsiedlung einzelner Tiere ist nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig und stellt in der Regel keine dauerhafte Problemlösung dar, da frei gewordene Reviere meist schnell wieder besiedelt werden.

Bei der Gewässerrenaturierung am Weidenbach wurden ausreichend breite Gewässerrandstreifen und stark vernässte, nicht mehr landwirtschaftlich nutzbare Flächen in städtisches Eigentum übernommen und so die Konflikte entschärft. Durch den Einbau einer Gabionensickerung wird der Wasserstand auf der festgelegten Höhe gehalten.

„Grundsätzlich sind Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofes häufig im Einsatz“, schreibt die Stadt, „um Kanalauslässe und Ablaufbauwerke freizuhalten sowie die Gehölzbestände innerhalb der Biberreviere zu kontrollieren und zu schützen.“

Die zuständige Behörde und der Biberberater

Die für artenschutzrechtliche Belange zuständige Untere Naturschutzbehörde ist beim Bau- und Umweltamt im Landratsamt Schwäbisch Hall angesiedelt. Der für Crailsheim zuständige ehrenamtliche Biberbeauftragte ist Martin Zorzi (Umweltzentrum Schwäbisch Hall, Telefon 07 91 / 5 59 67). Anders als in Bayern ist in Baden-­Württemberg keine Schadensregulierung aus Landesmitteln vorgesehen, lediglich Material für den Baumschutz wird zur Verfügung gestellt.

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