Crailsheim Wo die Kühe noch Namen haben

In Rüddern bei der Landwirtsfamilie Schock lief der Tag des offenen Hofs.
In Rüddern bei der Landwirtsfamilie Schock lief der Tag des offenen Hofs. © Foto: Ursula Richter
Crailsheim / Ursula Richter 03.07.2018
Großer Andrang herrscht in Rüddern auf dem Anwesen der Familie Schock beim Tag des Hofs. Der Kuhstall wird zu einem ganz besonderen Magneten.

Einmal muss man das gemacht haben!“ Der 17-jährige Hofnachfolger Maximilian freut sich, dass es geklappt hat. Er ist Mitglied bei der Landjugend, die den Tag zusammen mit dem Landwirtschaftsamt organisiert. „Und dann habe ich dem Vater noch ein bisschen zugeredet.“ Karl-Thomas Schock ist zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung.

Ein Publikumsmagnet ist der Kuhstall. 90 Kühe stehen im weitläufigen Gebäude. Alles, was auf den 48 Hektar Wiesen und 30 Hektar Feldern geerntet wird, kommt in die Futtermischung, von der die 90 Kühe fressen können, wann sie wollen. Gemolken wird immer zu zweit. „Damit es ruhig vonstattengeht.“ Die Kühe haben noch Namen. Maximilian kennt sie alle. Und er weiß aus dem Stand, welchen Vater, welche Mutter jede Kuh hat. Die Milch wird in einem großen Edelstahltank gekühlt und geht ans Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl. Auch dessen Vertreter sind da. So wie es Stände von Tierärzten, Futtermittelvertretern, den Maschinenringen Crailsheim und Hall und anderen gibt.

Maschinenring ist auch da

Die Ortsrandlage in Rüddern ist für die Veranstaltung ideal. Hinter den Wirtschaftsgebäuden beginnt die offene Landschaft mit einer großen Wiese, auf der auch die ganz großen Arbeitsmaschinen begutachtet werden können. Der Maschinenring zeigt seine Mietfahrzeuge. Die Viehzentrale Südwest lässt einen Viehtransporter besichtigen.

Lohnunternehmer Walter Köhler ist auch da. „Ich finde es wichtig, dass wir unsere Produktionsmethoden zeigen.“ So verringere sich mit der Anwendung des Feldhäckslers für Grassilage das Ernterisiko. „Wir silieren innerhalb von 24 Stunden.“ Der Tiefenbacher erinnert sich an seine Kindheit: „Wir haben mal das ganze Heu einer Wiese weggeschmissen, weil es verfault war.“ Er möchte, dass die Verständigung zwischen denen, die die Nahrungsmittel produzieren, und denen, die sie essen, besser wird. Es überrasche, wie selbstverständlich alle davon ausgehen, zu jeder Tageszeit alles preiswert zur Verfügung zu haben. Walter Köhler wünscht sich, dass man sich bewusst ist, wie viel Arbeit dahintersteht und Respekt davor hat.

Das ist auch ein Anliegen der Landjugend. Philipp Mayer betont: „ Wir möchten zeigen, wie es wirklich ist. Wie viel Mühe sich die Bauern geben.“ Die Milchviehhalter etwa: „Sie stehen jeden Morgen sehr früh auf und melken. Und das nicht an fünf Tagen in der Woche, sondern an sieben.“ Die Wertschätzung ist ihm wichtig und die Regionalität: „Es muss gar nicht alles nach Diesel schmecken, was auf den Teller kommt.“ Der Goldbacher ist ganz ruhig, redegewandt und selbstbewusst. „Wir machen alle zwei Jahre den Tag des offenen Hofs.“ Er und die um die 225 Mitglieder, die er als Vorstand vertritt, möchten den Bezug zur Landwirtschaft verstärken. Dafür engagieren sie sich tatkräftig.

„Wir helfen vier bis fünf Wochen lang auf den Höfen bei der Vorbereitung.“, berichtet er. „Und in der letzten Woche geht’s richtig zur Sache.“ Auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Augenfällig wird das bei der Aufführung der Rock-’n’-Roll-Tanzgruppe der Crailsheimer Landjugend. Schwarze Hosen mit schwarzen Hosenträgern über weißen Hemden und grüne, rote und blaue weite Röcke, ganz im Stil der Fünfziger, mit vielen kleinen Tupfen übersät, fliegen im Rhythmus der bekannten Klänge. Und die wichtigste Frage beim Rock ‘n’ Roll: Mit oder ohne? wird klar beantwortet. Ja – mit Überschlag.

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