Crailsheim Wird Parkstraßen-Kindergarten zum Streitfall?

Crailsheim / Andreas Harthan 17.04.2018
Die Stadtverwaltung will Kindergarten in die Schönebürgstraße verlegen, evangelische Kirchengemeinde will in der Parkstraße bleiben. Der Gemeinderat entscheidet übermorgen.

Außer Frage steht, dass die Situation im Kindergarten in der Parkstraße nicht so bleiben kann, wie sie ist. Aber bei der Frage, wie es weitergeht, fallen die Antworten der Beteiligten sehr unterschiedlich aus. Während die Stadtverwaltung die Kindertagesstätte gerne in einen Neubau in der Schönebürgstraße verlegen würde, will die evangelische Kirchengemeinde, die die Einrichtung betreibt, am bisherigen Standort bleiben. Am Donnerstag beschäftigt sich das Stadtparlament mit dem Sachverhalt. Der Beschlussantrag der Verwaltung ist eindeutig: „Der Gemeinderat stimmt einem Kindergartenneubau an der Schönebürgstraße zu.“

Doch genau das will die Kirche nicht. In einem Brief an Baubürgermeister Herbert Holl betont Dekanin Friederike Wagner, dass der Gesamtkirchengemeinde die räumliche Nähe des Kindergartens zur Johanneskirche wichtig sei. Damit verbunden sei eine inhaltliche Nähe. Wagner wörtlich: „Diese Zusammengehörigkeit ist für uns identitätsstiftend und wird als unverzichtbares Profil angesehen.“ Die Dekanin hebt hervor, dass der „Lern- und Erfahrungsort Kirche und Gemeindehaus“ von den Erzieherinnen „bewusst oft aufgesucht“ werde, und so den Kindern „dieser vielseitige Lebensraum unseres christlichen Glaubens altersgerecht erschlossen wird“. Daher spreche sich die Gesamtkirchengemeinde „einstimmig für den Erhalt des bisherigen Standorts aus“.

Auch die Eltern wollen in der Parkstraße bleiben. In einem Brief an die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen unterstreichen sie, dass für sie die Nähe des Kindergartens zur Kirche „unerlässlich“ sei. Für sie ist wichtig, dass die Kinder nicht nur jederzeit mit den Erzieherinnen in die Kirche gehen können, sondern auch aktiv in das Leben der Kirchengemeinde und in die Feste des Kirchenjahres einbezogen werden. Würde der Kindergarten in die Schönebürgstraße verlegt, drohe die Gefahr, dass sich der Kontakt zur Kirche lockert.

Warum steht der Kindergarten überhaupt zur Diskussion? Weil die Gebäude in der Parkstraße nicht nur zu klein, sondern auch in einem schlechten baulichen Zustand sind. Das kleinere Gebäude (Pavillon) muss, so die Stadtverwaltung, abgerissen, das Hauptgebäude aufwendig saniert und mit einem Anbau versehen werden. Aber auch dann sei die Situation alles andere als gut. Die Kosten für Sanierung und Erweiterung beziffert das Rathaus auf 2,4 Millionen Euro.

Neubau ist teurer

Ein Neubau in der Schönebürgstraße wäre teurer, käme nach Berechnung der Verwaltung auf 2,6 Millionen Euro. Aber er ermög­liche eben bessere betriebliche und organisatorische Rahmenbedingungen, heißt es in der Sitzungsvorlage für die Stadträte. Die Verwaltung verweist insbesondere auf die benachbarte Leonhard-­Sachs-Schule. Diese Nähe ermögliche eine intensive Kooperation von Schule und Kindertagesstätte. Zudem liege der Standort Schönebürgstraße zentraler im Einzugsgebiet des Kindergartens als der bisherige Standort. Und: Ein neuer Kindergarten beim Jugendzentrum könne ein wichtiger städtebaulicher Baustein im Sanierungsgebiet östliche Innenstadt (Volksfestplatz) sein.

Im Rathaus sprechen sich sowohl der Fachbereich Planen und Bauen als auch der Fachbereich Bildung und Familie für den Neubau aus. Die Bauverwaltung betont die Kooperationsmöglichkeiten mit Leonhard-­Sachs-Schule und Jugendzentrum und verweist auf Kreckelberg und Tierpark als Ausflugsmöglichkeiten. Die Sozialverwaltung verweist darauf, dass ein Neubau maßgeschneidert auf das pädagogische Konzept der Einrichtung erfolgen kann. Zudem sei an der Schönebürgstraße mehr Platz zum Bringen und Holen der Kinder. Das damit verbundene Verkehrsaufkommen sei in der Parkstraße ein großes Problem.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel