Obersontheim Wind an Kohlenstraße schwach

So könnten die Windräder aussehen, wenn sie an der Kohlenstraße gebaut werden. Die Fotomontage der Haller Stadtwerke zeigt die Perspektive vom Ortsausgang Oberfischach aus.
So könnten die Windräder aussehen, wenn sie an der Kohlenstraße gebaut werden. Die Fotomontage der Haller Stadtwerke zeigt die Perspektive vom Ortsausgang Oberfischach aus.
Obersontheim / SIGRID BAUER 22.09.2012
Mit hohen Renditen dürfe man bei Windrädern entlang der Kohlenstraße nicht rechnen. Dafür wehe der Wind dort zu schwach. Das sagte Gebhard Gentner im Gemeinderat Obersontheim.

Der Obersontheimer Gemeinderat kam zu einer Extra-Sitzung zusammen. Zwei Konzepte für Windkraft sollten vorgestellt werden: eines von den Haller Stadtwerken, das andere von der Heilbronner Firma Kruck und Partner. Letztere sagte kurzfristig ab.

Die nüchterne Darstellung der Fakten zur Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen durch Gebhard Gentner, einer der drei Geschäftsführer der Haller Stadtwerke, kam bei den Räten gut an. Entscheidend für die Rendite sei die durchschnittliche Windgeschwindigkeit, so Gentner. Die ist entlang der Kohlenstraße, wo die Gemeinde Flächen für Windkraft ausweisen möchte, nur in wenigen kleinen Bereichen höher als sechs Meter pro Sekunde. So steht es jedenfalls im Windatlas, der die Grundlage bei der Planung für Windkraftvorrangflächen bildet.

Aktuelle Windmessungen der Stadtwerke auf dem Höhenzug im Bereich der Gemeinden Gaildorf und Obersontheim ergaben eher noch niedrigere Werte. "Laut unserem Gutachten liegt die Windgeschwindigkeit noch einen halben Meter pro Sekunde darunter. Das bringt 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag", so Gentner.

Insgesamt sei die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in den letzten Jahren deutschlandweit zurückgegangen. Das habe auch in den nördlichen Bundesländern zu niedrigeren Renditen geführt, als die Betreiber sich erhofft hatten. Gleichzeitig gebe es häufiger Starkwinde, bei denen die Anlagen aus dem Wind gedreht werden müssen, damit sie nicht beschädigt werden, so der Energieexperte.

Im vorderen Bereich des Höhenzugs auf der Gemarkung Michelbach sei der Wind etwas stärker. Momentan gehen die Stadtwerke dort von fünf Anlagen aus. Auf Obersontheimer Grund rechne er allenfalls mit ein bis zwei Anlagen. Sichtbar wären allerdings von der Gemeinde Obersontheim auch die Anlagen auf Michelbacher Gebiet, wie Gentner in einer Visualisierung zeigt. Von Herlebach etwa würde man vier Windräder sehen, die bei einer Nabenhöhe von 140 Metern mehr als 100 Meter über den Wald herausragen würden. Auch von Oberfischach wären die Anlagen "markant in der Landschaft" zu erkennen, so Gentner. "Auch wenn das nicht jedem gefällt, sollten wir alles tun, wenn wir ernsthaft auf erneuerbare Energien umsteigen wollen. Dann müssen wir halt mal 30 Jahre Windräder ertragen, nachdem wir unsere fossilen Energievorräte in kürzester Zeit aufgebraucht haben."

Die Bürgerbeteiligung an Windkraftanlagen geht Gentner vorsichtig an. Zu welchem Prozentsatz Bürger beteiligt werden könnten, solle erst entschieden werden, wenn die Anlagen zwei, drei Jahre laufen. Dann könne man einschätzen, wie hoch die Rendite ist.

"Wir können den Bürgern nichts versprechen, wenn es nicht sicher ist", meint er und weist auf die schlechten Erfahrungen mit dem Windrad in Veinau hin. Dort waren die Stadtwerke von zu hohen Renditen ausgegangen.

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