Autor Wildis Streng lehrt, malt, fotografiert und schreibt - Neues Buch "Trauerweiden"

Crailsheim / SEBASTIAN UNBEHAUEN 09.03.2013
"Mir ist wichtig, dass immer etwas im Entstehen ist", sagt Wildis Streng. Also malt sie und fotografiert und schreibt. Zuletzt ist ihr Crailsheim-Krimi "Trauerweiden" erschienen - auch als Ausdruck ihrer Heimatliebe.

Zuweilen ist es ein alter Kaugummiautomat, der reglos wie eh und je am Straßenrand hängt, in Wildis Streng aber etwas auslöst: Erinnerungen an die Kindheit nämlich und an die Unbefangenheit jener Tage, als ein Zehn-Pfennig-Stück und ein Drehen am Hebel den Weg ins kleine Glück ebneten. Es kann auch ein Fuchs sein, der vor ihr über die Straße rennt und zur Inspirationsquelle wird. Dann hat sie eine Idee. "Und dann muss ich sie umsetzen", sagt Streng - ob schreibend, malend, fotografierend, ob in ihrem Atelier im Kirchberger Schloss oder daheim in Crailsheim am Computer.

Die schöne Vokabel "Sehnsucht" spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Kaugummiautomat: Sehnsucht nach einem vergangenen Gefühl, das festgehalten werden will. Der Fuchs: Sehnsucht danach, eins zu sein mit der Natur. Streng hat nach der Begegnung mit dem Rotpelz ihre Heimatwald-Serie gemalt, zu der auch das Bild auf dieser Seite zählt.

Meistens malt sie Frauen, oft sich selbst. Immer schauen sie den Betrachter direkt an, immer strahlen sie eine selbstverständlich selbstbewusste Weiblichkeit aus. Streng will das nicht als Appell verstanden wissen oder gar als feministisches Manifest. Vielmehr ist es ein Ausdruck dessen, was sie auf der ersten Seite ihres neuen Krimis "Trauerweiden" über Jessica Waldmüller schreibt: "Sie war gern eine Majorette. Und sie war auch gern eine Frau." Letzteres trifft genau so auf Streng zu.

Das Fräulein Waldmüller - gerade hat es noch den Leuchtstabauftritt der Majoretten am Volksfestfreitag absolviert - kann sich indes nur noch wenige Augenblicke an seiner Weiblichkeit erfreuen. Schon wird die Bedauernswerte dahingemeuchelt und in die Jagst geschmissen. Wie es halt so ist in einem ordentlichen Krimi. Es ist Strengs zweiter kriminalistischer Streich nach "Ohrenzeugen" im Jahr 2011.

Schon als Zwölfjährige hatte die Crailsheimerin ihren ersten, 52 Seiten starken "Roman" verfasst. Der Titel: "Rita und Britta jagen die Diebe". Einen Verlag hat sie damals freilich nicht aufgetan. Für die Schublade zu schreiben, da ist sie ganz ehrlich, dafür ist der Lehrerin für Deutsch und Kunst an der Kirchberger Schloss-Schule ihre knappe Zeit mittlerweile zu schade. "Ich habe das Bedürfnis, dass mit dem, was ich mache, auch etwas passiert." Kunst um der Kunst willen, im abgeschotteten Atelier, das ist nicht ihr Ding. Sie will hinaus damit. Also stellte sie fest: Regionalkrimis sind beliebt, und in Crailsheim gibt es noch keinen - eine Marktlücke, die zu füllen war.

Eine Zuneigung zur Gegend, über die man da schreibt, ist freilich unerlässlich. Streng, die 1978 in Crailsheim geboren wurde und 1998 am Albert-Schweitzer-Gymnasium ihr Abitur machte, liebt Hohenlohe. Lange hat sie in Karlsruhe studiert, dann auch im Badischen als Lehrerin gearbeitet - "Der Blick über den Tellerrand ist wichtig", sagt Streng. Heimat aber blieb immer Crailsheim: "Das ist etwas, das wachsen muss. Deshalb finde ich den Begriff ,Wahlheimat ganz komisch. Ich kann auch nicht verstehen, dass sich Leute gänzlich entfremden." Da war sie wieder, die Sehnsucht. Streng wollte zurück. Wenn sie heute zur Schule nach Kirchberg fährt, dann "gibt es Momente, da bin ich einfach nur glücklich, dass ich hier bin". Sie ist verwurzelt wie die buchtitelgebenden Trauerweiden an der Jagst, in denen sich bald die Leiche verfängt.

Aus Sehnsucht und Verwurzelung zieht Streng Kraft für den täglichen Kampf, den Kunst bedeuten kann. "Wenn ich ein Bild male, dann habe ich es bereits im Kopf" - und die Leinwand will besiegt werden. Momentan besiegt Streng leere Seiten. Der nächste Krimi ist schon in der Mache, er soll im Februar 2014 erscheinen. Arbeitstitel: "Fischerkönig". In einer Hauptrolle: das Goldbacher Lichterfest.

Info Am Mittwoch, 13. März, um 20 Uhr liest Wildis Streng in der Buchhandlung Baier aus "Trauerweiden".

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