Tauberbischofsheim Wiederwahl mit Zwischentönen

Landrat Reinhard Frank freut sich mit seiner Frau über die Wiederwahl. Am 1. April beginnt die offizielle zweite Amtsperiode des Kreisoberhaupts. Foto: Oliver Bauer
Landrat Reinhard Frank freut sich mit seiner Frau über die Wiederwahl. Am 1. April beginnt die offizielle zweite Amtsperiode des Kreisoberhaupts. Foto: Oliver Bauer
Tauberbischofsheim / BOL 22.03.2013
Kontinuität an der Spitze des Main-Tauber-Kreises: Die als sicher geltende Wiederwahl von Landrat Reinhard Frank erfolgte im Kreistag, aber nicht nur SPD-Fraktionäre versagten ihm die Gefolgschaft.

Landrat Reinhard Frank (CDU) bleibt für weitere acht Jahre an der Spitze des Main-Tauber-Kreises. 29 von 43 Kreisräten schenkten ihm in der Kreistagssitzung im Tauberbischofsheimer Rathaus ihr Vertrauen und sorgten schon im ersten Wahlgang für die nötige Mindeststimmenzahl von 25. Das Ergebnis galt zuvor als sicher, denn einen Gegenkandidaten hatte Frank nicht. Und: Abgesehen von der Mehrzahl der SPD-Fraktion konnte sich der 57-Jährige einer Mehrheit sicher sein. Die allerdings fiel knapper aus als vielleicht erwartet: 14 Kreisräte (die SPD stellt nur sieben) stimmten nicht für Frank.

Die Ankündigung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Siegfried Neumann, seine Fraktion werde mehrheitlich nicht für Frank stimmen, sorgte nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses für einige Kontroversen. Stefan Mikulicz (CDU) stellte bei seinem Glückwunsch klar: "Die CDU steht zu ihrem Landrat." Er wünsche sich ein Klima des Miteinanders über Fraktionsgrenzen und einen ordentlichen Umgang. Diesen sah er offenbar durch Neumanns Pressemitteilung verletzt, und das obwohl die SPD im Ausschuss zur Wahlvorbereitung auf einen zweiten Kandidaten verzichtet habe - weil sie keinen hatte und der auch keine Chance gehabt hätte, so Mikulicz.

Neumann wiederum verwies darauf, dass vieles unvollendet geblieben sei. Insbesondere nannte er das Thema Pflegeheim in Königshofen, die Gesundheitsholding und die Verteuerung der Psychiatrie in Tauberbischofsheim. "Es wäre noch eine ganze Latte darzulegen, und wir werden das in der politischen Debatte tun", kündigte Neumann an. "Trotzdem gratulieren wir und wünschen eine glückliche Hand." Später lieferte er sich noch ein kurzes Wortgefecht mit Werner Nitschke (Freie Wähler), während Neumanns Fraktionskollege Fritz Danner ausdrücklich klarstellte, dass er die Kritik an Landrat Frank so nicht mittrage.

Für die Freien Wähler gratulierte Klaus Kornberger: Das Wahlergebnis sei ein gutes Signal für die Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit. Er lobte die Dialogfähigkeit des Landrats. "Wir sichern gerne volle Unterstützung zu." Überwiegend lobende Worte hatte auch Rainer Moritz für die Grünen parat, wenngleich Franks Contra zur Landespolitik "heute die Gräben eher vertieft" habe. Albrecht Rudolf (FDP) wünschte eine erfolgreiche Arbeit, und Linke-Solist Dr. Hans-Hermann Fahrenkrog beließ es bei einem persönlichen Glückwunsch.

In seiner Bewerbungsrede hatte Frank eingangs der Sitzung Bilanz seiner 2005 begonnenen Amtsperiode gezogen. Die damals genannten Schwerpunkte "Haushaltskonsolidierung, Wirtschaftsförderung, Sicherung der Gesundheitsversorgung, Berufliches Schulwesen, Klimaschutz, soziales Miteinander und Weiterentwicklung des Kloster Bronnbach", resümierte er allesamt als bearbeitet, aber nicht abgeschlossen.

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Bildungslandschaft, Gesundheitsstandort, Energiewende, das Gestalten des sozialen Miteinanders und das Juwel Kloster Bronnbach umriss er als Aufgaben für die Zukunft. Gerade der demografische Wandel sei voll in der Region angekommen, die Abwanderung von jährlich 300 jungen Menschen unter 25 Jahren tue richtig weh, zeigte er ein Kernthema auf, das er mit einem "Zukunftsdialog 2030" aufgreifen möchte. Kritisch setzte sich Frank mit dem zunehmenden Trend zum Zentralismus auseinander. Er sprach von einem Abschied erfolgreicher Politik, ländliche Gebiete und Ballungsräume gleichermaßen zu entwickeln.

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