Jagstheim Wie viel Kundenwunsch ist verkraftbar?

Jagstheim / Birgit Trinkle 14.05.2018
In der Generalversammlung der Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl eG gibt es Betrachtungen zur Zukunft der Landwirtschaft.

„Dass von Landwirten immer höhere Standards eingefordert werden, muss verbunden sein mit der Bereitschaft der Verbraucher, höhere Preise an der Ladenkasse zu bezahlen“. Das fordert die Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl eG. Bei der Generalversammlung in der Jagstauenhalle freute sich der Vorstandsvorsitzende Gerd Moser, dass auch viele Bäuerinnen und junge Landwirte gekommen waren, um sich über das Geschehen in ihrer Molkerei zu informieren – das war nicht immer so.

2017 hätten unter anderem die neuen Regelungen für Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern die Landwirte in Bedrängnis gebracht, so Moser; auf der anderen Seite sei das Jahr 2017 nach einer sehr schwierigen Zeit für die Milcherzeuger ein Ausnahmejahr gewesen – was auch darauf zurückzuführen war, dass in dieser Krisenzeit einfach nicht mehr so viel produziert wurde. Nahezu alle Milchprodukte erholten sich von der Tiefpreisphase, vor allem der Höhenflug der Fettbewertung hat den Milchpreis entscheidend beeinflusst: Solche Fett- und damit auch Butterpreise wurden in der Branche noch nie umgesetzt. Längst sind die Prognosen freilich weniger günstig, weshalb die Genossenschaft den Auszahlungspreis wieder zurücknehmen musste.

Für Moser war 2017 das Jahr „in dem wir lernen mussten, dass Preisveränderungen von einem Euro nach oben oder unten innerhalb eines Monats möglich sind.“ Und es war auch das Jahr der Umstellung auf die Produktion von „Milch ohne Gentechnik“ (oGT). „Auch wir als Milchwerk wurden unter Druck gesetzt, diesen Schritt zu vollziehen“, so Moser; heute hätten fast hundert Prozent der Betriebe die Umstellung begonnen oder bereits abgeschlossen, aber es stelle sich schon die Frage, wie viel Kundenwunsch die Landwirtschaft verkrafte. Moser: „Wir Landwirte wollen gerne gesellschaftliche Erwartungen berücksichtigen, dürfen aber das wirtschaftlich Machbare nicht aus den Augen verlieren“.

Moser ging auf Nachhaltigkeitspläne „aus der Feder eines Aldi, Lidl & Co“ ein: „In der Realität werden damit oft Existenzen vernichtet.“ Das Spannungsfeld zwischen Produktion und Gesellschaft werde zunehmend Thema sein, sagte Moser, der deutlich machte, mit weniger Fläche, weniger Ressourcen und weniger Umweltbelastung die Produktion zu steigern, funktioniere nur, wenn die Landwirtschaft auch künftig ein wirtschaftliches Modell sei.

Harald Gronbach vom Bauernverband und Tiemo Hofman vom Landwirtschaftsamt in Hall sprachen Grußworte. Nach dem Bericht des Genossenschaftsverbandes, der der Milchwerk durchweg gutes Arbeiten bescheinigte, wurde die Entlastung einstimmig erteilt. Vorstand und Aufsichtsrat stellten sich erneut zur Wahl und wurden denn auch in ihren Ämtern bestätigt.

Einige Zahlen der Milchwerk eG aus 2017

Im vergangenen Jahr wurde die Rekordmenge von 19,4 Tonnen Käse hergestellt, 19,4 Tonnen wurden auch verkauft. Das sind 350 Tonnen mehr als 2016.

Die verarbeitete Gesamtmilchmenge erhöhte sich um 8,3 Millionen Kilo.

Der Umsatz stieg über beide Firmen auf einen Wert von 81 Millionen Euro, 13 Millionen mehr als im Vorjahr, die sich dann in einer überproportionalen Steigerung auch im Milchauszahlungspreis wiederfanden. Alle anderen Zahlen finden sich im öffentlich zugänglichen Geschäftsbericht sowie im Jahresabschluss.