Niederstetten Wie sich die Bundeswehr-Feuerwehr in Niederstetten auf den Ernstfall einstellt

Niederstetten / SASCHA BICKEL 18.08.2015
Feuerwehr der Bundeswehr: Der Heeresflugplatz in Niederstetten verfügt über eine eigene Feuerwache, die rund um die Uhr besetzt ist. Ein neues Einsatzgebäude ist in der Planung.

Unverzichtbar für den Flugbetrieb der Bundeswehr in Niederstetten ist die eigene Berufsfeuerwehr. Sie steht bereit, sobald ein Hubschrauber aus dem Hangar kommt und kann innerhalb einer Minute eingreifen.

6600 Liter in 90 Sekunden

"Wir können mehr, als uns so mancher zutraut. Unser tonnenschweres Fahrzeug hat 6600 Liter Wasser an Bord, kommt auf eine imposante Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern bei 700 PS Leistung, und die komplexe Technik wird über vier Rechner und per Joystick im Fahrerhaus gesteuert. Im Ernstfall können wir das gesamte Wasser in nur 90 Sekunden herausschießen - keine andere Feuerwehr der Region hat so etwas zur Verfügung. Das ist schon beeindruckend und beschreibt nur einen Bruchteil unserer Arbeit und unserer speziellen Fähigkeiten", schwärmt Alexander Schmitt (38). Er gehört zur 42 Mann starken Bundeswehr-Feuerwehr am Heeresflugplatz Niederstetten und freut sich, in seinem Traumberuf arbeiten zu dürfen - zu Hause in Igersheim gehört er zudem der freiwilligen Feuerwehr an.

Die Feuerwehr der Bundeswehr (BW) ist mit über 2800 Leuten die zweitgrößte Berufsfeuerwehr in Deutschland und wird personell nur noch von der Berliner Feuerwehr übertrumpft. Die Direktion sitzt in Sonthofen/Bayern und ist zuständig für 62 Bundeswehr-Feuerwachen im gesamten Bundesgebiet. Der Chef der Feuerwache in Niederstetten ist Brandamtmann Marco Pelz (40) aus Lauda. Er ist stolz auf seine Truppe, für die die Aufrechterhaltung und Gewährleistung des Flugbetriebs stets an erster Stelle steht, "alles andere ist dem untergeordnet".

50 Kilometer rund um die Hermann-Köhl-Kaserne, das Transporthubschrauberregiment 30, den zugehörigen Flugplatz sowie das gegenüberliegende Munitionslager Wermutshausen gehören zum Einsatzradius der BW-Feuerwehr. "Wir sind in Sachen Brandbekämpfung spezialisiert auf Drehflügler (Hubschrauber, Anm. d. Red.) und andere Luftfahrzeuge", erzählt Pelz und fügt an, dass natürlich auch die Gebäude und Hallen der Kaserne zum Zuständigkeitsbereich gehören, wenngleich hier immer die Freiwillige Feuerwehr Niederstetten mit alarmiert werde. "Die Menschenrettung steht im Vordergrund", betont er. Zwei Großtanklöschfahrzeuge sowie vier ältere Tanklöschfahrzeuge, dazu ein Rüstwagen und ein Kommandowagen sowie in Zukunft noch ein Löschgruppenfahrzeug (für Gebäudebrände) stehen der BW-Feuerwehr zur Verfügung. Ein militärisches Brandschutzteam sorgt in Notfällen für zusätzliche Unterstützung.

Die Einsätze reichen von der einfachen technischen Hilfeleistung (Kerosin oder Benzin ausgelaufen) bis hin zu Luftnotlagen sowohl militärischer als auch ziviler Art. Denn der Flugplatz wird auch von Firmen- oder Privatflugzeugen genutzt. Oder es kann passieren, dass die Polizei mit ihren Hubschraubern vor Ort oder wie zuletzt ausländische Militärs aus der Schweiz das Landen und Starten üben. 66 Einsätze hat der Feuerwehrchef in diesem Jahr schon gezählt. Unglücke blieben dabei in den vergangenen Jahren "zum Glück" aus. Technische Probleme bei Luftfahrzeugen gibt es jedoch immer wieder. Die Pistenbereitschaft ist ein ganz wesentlicher Teil der täglichen Arbeit. 6375 Stunden wurden alleine 2014 registriert, also umgerechnet stolze 265 Tage am Stück. Dazu kommen 1200 Stunden an Sicherheitswachen rund um den Flugbetrieb.

"Wir stehen immer mit einem Großtanklöschfahrzeug und vier Mann an Bord in der Nähe bereit, damit innerhalb nur einer Minute eingegriffen werden kann. Das ist ein Spitzenwert. Auf rein zivilen Flughäfen muss der Erstangriff in den ersten drei Minuten erfolgen. Wir leben mit dem Flugbetrieb, auf der Feuerwache ist ein ständiges Kommen und Gehen, denn nach zwei Stunden am Flugfeld erfolgt die Ablösung", so Pelz weiter. Durch die Ankunft des neuen Hubschraubers NH-90 ändere sich nichts Grundlegendes.

"Wir haben unsere Einsatztaktik bereits optimiert", sagt Pelz. Beim NH-90 gebe es mehr "fiese Fasern" als bei der Bell UH-1D. Grundsätzlich gelte, dass bei einem Notfall auf dem Flugplatz der Status quo eingefroren werde; "jeder Hubschrauber bleibt, wo er ist, am Boden, in der Luft, etc." Die Feuerwehr leitet dann den Rettungseinsatz, bis die Lage unter Kontrolle ist.

Nicht jeder Bewerber ist geeignet

Die größte Sorge von Marco Pelz ist derzeit die Personalknappheit. Im gesamten Bundesgebiet gibt es mehrere Hundert offene Dienstposten bei der BW-Feuerwehr, unter anderem bedingt durch die Einführung der 48-Stunden-Woche. Vier Mann fehlen allein Pelz, um auf seine Sollstärke von 45 Leuten zu kommen. Vergangenes Jahr wurden nun die Einstellungsquoten verdoppelt, aber ein schwieriges Auswahlverfahren lässt nicht jeden Bewerber zum Zug kommen.

Alexander Schmitt aus Igersheim berichtet, dass er 1998 mit 21 Jahren nach Niederstetten kam. "Ich war bei der Jugendfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr, dann war eine Ausschreibung in der Zeitung, darauf habe ich mich beworben, ich wollte schon immer zur Berufsfeuerwehr und wurde glücklicherweise genommen." Die neue Fahrzeuggeneration in Betrieb nehmen zu dürfen, sieht er als ein Highlight der vergangenen Jahre. Und er wirbt für seinen Beruf: "sicherer Arbeitsplatz, heimatnah, interessant und weit mehr als nur Pistenbereitschaft". Der Alltag mit den Kollegen mache Spaß, "wir sind eine witzige Truppe", und der Schichtbetrieb gehöre einfach dazu, dafür habe man auch einmal unter der Woche frei.

Sein Chef Marco Pelz erzählt weiter: "Wir haben einen 24-Stunden-Dienst, ein Drittel davon ist Bereitschaftszeit, dazu kommen jeden Tag theoretische Ausbildungen und praktische Übungen, Sport und Materialbewirtschaftung." Zudem müsse die Technik instand gehalten werden, und ein hoher Verwaltungsanteil sei leider auch zu leisten. "Wir machen nicht nur das Feuer aus", betont Pelz. Früher waren es 28 Feuerwehrleute, dann 36, jetzt 45. Das Ziel lautet weiter aufzustocken. Die Feuerwache aus dem Jahr 1980 ist wie eine Berufsfeuerwehrwache ausgestattet mit Ruheräumen, Übungs- und Verpflegungsräumen, Einsatzzentrale und Büro. "Der Neubau kommt Ende 2016/Anfang 2017, die Fertigstellung ist für 2019 angepeilt", berichtet Pelz voller Vorfreude. Die Ursprungspläne stammen von 2006. Das Millionenprojekt sieht eine Waschhalle und sieben Fahrzeugstellplätze vor - und damit mehr als bislang.

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