Wie gesungen

Der Gitarrist Maximilian Mangold musizierte bei Kerzenlicht in der Johanneskirche. Foto: Ralf Snurawa
Der Gitarrist Maximilian Mangold musizierte bei Kerzenlicht in der Johanneskirche. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 27.01.2012

Sinnierend, aber nicht verloren, sondern zielbestimmt ging Gitarrist Maximilian Mangold das "Grave" von Johann Sebastian Bachs a-Moll-Violinsolosonate BWV 1003 an. Das klang angesichts der fast nur auf Kerzenschein reduzierten Lichtquellen in der Johanneskirche noch konzentrierter.

Begünstigt wurde es durch den Umstand, dass Mangold - wie sonst oft üblich - auf eine leicht elektronische Verstärkung seines Instruments verzichtete und so einen äußerst kammermusikalischen Klang zur Wirkung brachte. Da musste man beim Fugensatz, der das Ziel der langsamen Einleitung von Bachs Sonate war, schon genau hinhören.

Doch dann erschloss sich der Klangkosmos in den Imitationen und Themeneinsätzen besonders feinsinnig. Das nachfolgende Air erschien besonders innig auf der Gitarre gesungen. Mangold bewies dabei Sinn für feine Wendungen. Sie endeten in einem treibenden virtuosen "Allegro".

Mit Airs ging es weiter: "Aires de la Mancha" von Federico Moreno Torroba. "Jeringonza" brachte tänzelnde melodische Figurationen. Schwer tropfenden Melancholie bestimmte "Ya llega el invierno", abgelöst vom heiteren, anmutig gespielten Tanzcharakter der "Coplilla". Empfundener Gesang war "La Pastora", den wieder ein ausgelassenes Tänzeln zu "La Seguidilla" ablöste.

Nur ein einziges Mal griff Maximilian Mangold zu Noten: zu Alois Bröders "Strahlen. Licht", eine Komposition, die Mangold auf Anregung von Kantor Christoph Broer zum Kirchenlied "Strahlen brechen viele aus einem Licht" bei Bröder in Auftrag gegeben hatte. Flüchtig schnelle Figuren wechselten mit zart getupften Flageolettklängen.

Den Schlussteil des Konzerts bei Kerzenschein bestimmten drei argentinische Komponisten. Máximo Diego Pujols "Láminas de invierno" sind eine kleine Suite. "Bajo la luna de julio" war durch perkussive Elemente wie Klopfen auf den Gitarrenkorpus und scharfes Anreißen der Saiten bestimmt, was Mangold sehr organisch wirken ließ.

Mit Hingabe und sehnsüchtig zart spielte Mangold darauf in "Popelina" die Vorhaltswendungen aus. Auch im dritten Satz, "Baracatumba", waren wieder Jazzelemente bestimmend. Gewitzt und mit Esprit wurde er vom Gitarristen wiedergegeben. Empfunden gesungen erklang Roberto Calvos "Canción Chiquita". Fast ein wenig wehmütig und etwas bewegter wirkten danach "Profunda" und wie in Melancholie getauchte Erinnerung "Sonrisal". Perkussive Elemente bestimmten dann "Encuentro".

Am Ende des Konzerts standen zwei Tangos von Astor Piazzolla: ein fast flüchtiges "Tanguisimo" und "La Muerte del Angel". Der erregt klingende Hauptteil des Engelstodes umschloss ein sanft zurückgenommenes Kantabile. Für das begeisterte Publikum gabs noch einen Tango als Zugabe.