Schüleraustausch Wie der Vater, so die Tochter

Anfang August geht’s los: 31 Jahre nachdem Axel Huss als Austauschschüler in Worthington war, geht nun seine Tochter Liss Marie Huss in die Crailsheimer Partnerstadt.
Anfang August geht’s los: 31 Jahre nachdem Axel Huss als Austauschschüler in Worthington war, geht nun seine Tochter Liss Marie Huss in die Crailsheimer Partnerstadt. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 06.07.2018
Bei Familie Huss macht sich die zweite Generation auf den Weg in die weite Welt. Nach Axel Huss geht jetzt Liss Marie Huss für ein Jahr nach Worthington.

Es muss nicht unbedingt Amerika sein, aber einen Aufenthalt im Ausland – weg von der Familie – kann ich nur empfehlen“, sagt Axel Huss (51) aus Crailsheim. In seinem Fall war es Amerika: Er war vom Sommer 1986 bis zum Sommer 1987 ein Jahr als Austauschschüler in Worthington im Bundesstaat Minnesota. „Die Zeit hat mich sehr geprägt“, sagt er. „Es war das erste Mal, dass ich für längere Zeit allein von zu Hause weg war.“

Ganz genau erinnert sich der Crailsheimer an den Beginn des Abenteuers: Er weiß noch, wie er am Parkplatz vor dem Hallenbad in den Bus einstieg, der ihn zum Flughafen brachte, wie eine Mischung aus Vorfreude und Unbehagen die Anreise begleitete. „Ich hatte nie Heimweh, aber anfangs habe ich manchmal ein wenig gehadert, ob es die richtige Entscheidung war.“

Das Hadern war bald vorbei: Der Empfang in den Gastfamilien war herzlich, das Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufregend und dann waren die Ferien vorbei und es begann die Schulzeit und mit ihr das umfangreiche Sportprogramm. Huss spielte Football, Eishockey und Tennis – und war glücklich.

Aufmerksam lauscht Liss Marie Huss (16) den Geschichten ihres Vaters. Bald schon wird sie ganz ähnliche Geschichten zu erzählen haben. Die Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums wird am 9. August in den Flieger steigen und als neue Austauschschülerin für ein Jahr in Worthington leben. „Ich freue mich sehr darauf“, sagt sie und fügt an: „Ich war auch noch nie so lange weg von zu Hause. Ein Jahr ist eine lange Zeit.“

Für Liss Marie ist es nicht so sehr eine Reise ins Unbekannte wie für ihren Vater vor 31 Jahren. Zweimal schon ist die 16-Jährige in der Partnerstadt gewesen. Axel Huss hat vor drei Jahren mit seiner Familie seine ehemaligen Gastfamilien und alte Freunde in Worthington besucht. „Obwohl zwei Jahrzehnte vergangen waren, war es ein Gefühl, als wäre ich nur kurz weg gewesen. Es gab keine Berührungsängste: So wie ich gegangen bin, bin ich wieder aufgenommen worden“, sagt der Hausverwalter und Immobilienmakler. Seine Tochter nickt zustimmend: „Es gab eine große Herzlichkeit und Offenheit. Das durfte ich auch erfahren, obwohl wir uns noch gar nicht kannten.“

Die Besuche in Worthington haben in Liss Marie den Wunsch geweckt, als Austauschschülerin in die USA zu gehen. Sie kennt sogar schon die Schülerin Chloe Bents, die im Tausch für sie ein Jahr in Crailsheim leben wird. „Chloe hat mich bei unserem Worthington-Besuch zu einem Schnuppertag mit in die Schule genommen.“ Auch zur Austauschschülerin Grace Moody, die gerade ihre letzten Wochen in Crailsheim verbringt, gibt es Kontakte. Liss Marie: „Die Familie von Grace ist meine erste Gastfamilie in Worthington.“

Und noch etwas wird für Liss Marie einfacher sein, als es damals für Axel Huss war: der Kontakt zur Heimat. Text- oder Sprachnachrichten verschicken, sich beim Telefonieren über den Bildschirm in die Augen schauen – all das ist heute kein Problem. „Ich habe früher Briefe nach Hause geschrieben, die waren wochenlang unterwegs.

Reise in die USA

Oft war der Inhalt schon längst überholt, bis der Brief eintraf“, sagt der 51-Jährige. „Und um die halbe Welt telefonieren, das hat damals ein Vermögen gekostet.“

Am Ende von Liss Maries Aufenthalt in Worthington wird Axel Huss wieder in die USA reisen – um seine Tochter wiederzusehen und die wieder aufgelebten alten Freundschaften zu pflegen. Manchmal muss es eben doch Amerika sein.

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