OB-Wahl OB-Wahlen: Wer zieht in dieses Büro ein?

Crailsheim / Andreas Harthan, Sebastian Unbehauen 31.08.2017
OB-Wahl in Crailsheim: Wer folgt auf Rudolf Michl? Die Bewerbungsfrist beginnt übermorgen. Ein Kandidat hat sich bereits in Stellung gebracht. Es gibt mindestens zwei weitere Interessenten.

Am 12. November wählen die Crailsheimerinnen und Crailsheimer ihren neuen Oberbürgermeister – so viel steht fest. Noch unklar ist, wer überhaupt zur Wahl steht. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil die Bewerbungsfrist erst am Samstag beginnt. Trotzdem schwirren schon seit Wochen Namen durch die Stadt, gibt’s Gerüchte und wird nicht  nur an Stammtischen spekuliert.Die HT-Redaktion hat sich auf die Suche nach Interessenten und ihren Namen gemacht – und ist fündig geworden. Gleich zwei Fundstellen liegen westlich von Crailsheim und gar nicht weit weg. In einem der Nachbarkreise gibt’s einen Bürgermeister, den der OB-Sessel in der Großen Kreisstadt an der Jagst reizt. Zur Kandidatur entschlossen hat er sich noch nicht, das letzte Wort, so die HT-Recherchen, soll seine Familie haben. Mit einer Entscheidung wird in den nächsten Tagen gerechnet (die Bewerbungsfrist endet am 16. Oktober).

Crailsheimer interessiert sich

Ein weiterer Name, der immer wieder fällt, wenn es um mögliche Bewerber für die Michl-Nachfolge geht, ist Dr. Christoph Grimmer. Der 31 Jahre alte gebürtige Crailsheimer ist seit Oktober 2016 Mitarbeiter der FDP-Fraktionsvorsitzenden in der Hamburger Bürgerschaft, Katja Suding. Er fungiert außerdem als stellvertretender Fraktionssprecher der Freien Demokraten in der Hansestadt. Er selbst gehört keiner Partei an. Vor seinem Engagement in der Politik arbeitete der promovierte Sportwissenschaftler als Sachbuchautor, Dozent und Journalist. Zuletzt beschäftigte er sich an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen mit Sportkommunikation.

Nach HT-Informationen gab es bereits vor der Ankündigung Michls, nicht mehr für das Oberbürgermeisteramt kandidieren zu wollen, Treffen der Fraktionsspitzen von CDU, AWV und Grünen mit Grimmer. Man suchte einen gemeinsamen Gegenkandidaten, falls der Amtsinhaber hätte weitermachen wollen. Ende März dann erklärte Michl seinen Verzicht, zu weiteren Treffen mit Grimmer kam es nicht.

Anruf in Hamburg: Grimmer ist überrascht, dass das HT sich meldet. Seit zweieinhalb Monaten habe er nichts mehr aus Crailsheim gehört, sagt er. Ob er als Oberbürgermeisterkandidat antritt, ist offen. „Die Perspektive, unabhängig vom Parteidenken die Crailsheimer Stadtpolitik voranzubringen, reizt mich schon“, sagt der 31-Jährige. Er wisse aber auch, dass sein junges Alter und seine fehlende Verwaltungserfahrung bei manchem auf Skepsis stoßen könnte.

Warum also sollte Grimmer von Hamburg in die Hohenloher Provinz kommen? „Weil mein Herz einfach höher schlägt, wenn ich an meine Heimat denke“, sagt er. Er hat am ASG Abitur gemacht, in Goldbach Fußball und beim TSV Tennis gespielt. Er kommt immer gerne nach Crailsheim und sagt: „Wenn meine Heimatstadt mich bräuchte, könnte ich nur schwer Nein sagen.“

Bewerbung steht fest

Seine Entscheidung für eine Kandidatur in Crailsheim bereits getroffen hat Jürgen Loga aus Ellhofen. Auf HT-Anfrage bestätigte der 52-jährige gebürtige Stuttgarter, der sich als Berater und Projektmanager bezeichnet, dass er seine Bewerbung in der kommenden Woche im Rathaus einreichen werde. Loga hat 2008 in Löwenstein das Gesundheitszentrum Sali Med gegründet. Er betreut, so seine Homepage, Unternehmen und Verwaltungen bei der Einfürung des psychischen Arbeitsschutzes und beim Qualitätsmanagement. Nach HT-Informationen war Loga auch schon für die Stadt Crailsheim tätig. Er bezeichnet sich als „Vollblut-Manager mit Herz“ und als „parteipolitisch neutral“. Er trete ohne Unterstützung einer Partei an, schreibt er in einer Mail an die Redaktion, und fügt hinzu, dass er schon dabei sei, ein Wahlkampfteam in der Stadt auf die Beine zu stellen. Er setze auf breite Bürgerbeteiligung, Crailsheim brauche vor allem eines: „Ein neues Miteinander“.

Großer Handlungsspielraum

Dass Crailsheim auf jeden Fall einen neuen Oberbürgermeister bekommt, ergibt sich aus dem Rückzug des Amtsinhabers. Rudolf Michl (SPD), der sich 2009 im zweiten Wahlgang gegen den CDU-Mann Günther Freisleben durchgesetzt hatte, überraschte im März die Bürgerschaft mit der Erklärung, dass er aus „privaten Gründen“ nicht für eine zweite Amtszeit kandidiere. Michls erste Amtsperiode endet am 31. Januar 2018. Seit März also wissen Interessenten, dass sie nicht gegen einen Amtsinhaber antreten müssen. Und seit einiger Zeit wissen sie zudem, dass auch die Stellen ihrer wichtigsten Mitarbeiter, nämlich die des Ersten Bürgermeisters und des Bürgermeisters, neu besetzt werden, weil sowohl Harald Rilk als auch Herbert Holl erklärt haben, nicht nochmals zu kandidieren. Es wird also auf jeden Fall eine komplett neue Verwaltungsspitze im Crailsheimer Rathaus geben. Der neue Oberbürgermeister wird also viel Gestaltungsspielraum vorfinden.

Verhaltenes Interesse

Diese Umstände machen eine Kandidatur in Crailsheim durchaus interessant, haben aber nicht verhindern können, dass zumindest im Vorfeld der Bewerbungsfrist das Interesse am Amt des Crailsheimer Oberbürgermeisters eher verhalten ausfiel. Ändert sich das nun ab übermorgen? Stehen schon ab Samstag neue Namen im Raum? Nicht nur die Mitarbeiter im Rathaus sind gespannt.

12. November: Tag der Entscheidung

Erst wird gefeiert, dann gewählt: Nach dem Fränkischen Volksfest (15. bis 18. September) dürfen die Crailsheimerinnen und Crailsheimer (mindestens) zweimal zur Wahl gehen. Am 24. September findet die Bundestagswahl statt und am 12. November die OB-Wahl. Wenn an diesem Tag keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, wird ein zweiter Wahlgang fällig. Der ist auf den 3. Dezember terminiert – und dann reicht die einfache Mehrheit. ah

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