Auftakt Wenn Mozart Mambo tanzt

Als es um eine CD ging, ließen sich einige Zuhörer nicht lange bitten und tanzten auf der Kuwo-Bühne im Crailsheimer Spitalpark mit den Musikern
Als es um eine CD ging, ließen sich einige Zuhörer nicht lange bitten und tanzten auf der Kuwo-Bühne im Crailsheimer Spitalpark mit den Musikern © Foto: . Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 21.07.2018

Staatsballett – so bezeichnete Kontrabassist Kilian Förster augenzwinkernd die Tanzeinlage von vier Kuwo-Besuchern zusammen mit dem kubanischen Perkussionisten Elio Rodriguez Luis zum „Menuett Cubano“. Zu einer Kombination der Melodie von Luigi Boccherinis berühmten Menuett aus dem Streichquintett op. 11 mit Cha-Cha-Cha-Rhythmen konnten die sichtlich Tanzbegeisterten im Ensemble um eine CD wetteifern.

Publikum macht mit

Der Kuwo-Auftaktabend im Spitalpark stand unter dem Motto: „Classic Meets Cuba“. Dabei spielte sich die eigentlich weniger bei Open-Air-Veranstaltungen zu findende Gruppe mehr und mehr in die Herzen des Crailsheimer Publikums. Spätestens mit ihrer Version von George Gersh­wins „Summertime“ hatten sie die Zuhörer für sich gewonnen.

Kilian Forster leitete dabei mit einem fantastischen Chorus auf seinem Kontrabass ein. Mit Fingerschnippen, bei dem auf den Zuhörerbänken eifrig mitgeschnippt wurde, ging es weiter, bis hin zu einem explosiven Drum-Chorus von Tim Hahn.

Dass es das Quintett verstand, sein Publikum miteinzubeziehen, zeigte aber schon das erste Stück des Abends: die Habanera aus ­Georges Bizets Oper „Carmen“, einmal nicht im 2/4-, sondern im 7/8-Takt. Dafür gab‘s Lob für das gekonnte Mitklatschen von Forster, der dann den Blick auf Afrika und den Urwald und auf die „Halle des Gorillakönigs“, frei nach Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ aus der ersten „Peer Gynt“-Suite lenkte.

„Afro Misterioso“ heißt das Stück dann bei den „Klazz Brothers“, wozu die Perkussionisten Tierlaute aus dem Dschungel nachahmten und natürlich auf Bongos und Congas für einen etwas relaxteren Sound als beim klassischen Original sorgten. Explosive Timbales lieferte später Alexis Herrera Estevez zum „Kubanischen Tanz“, frei nach Johannes Brahms‘ „Ungarischem Tanz Nr. 5“.

Manchmal ging es auch in andere Richtungen, etwa zur Titelmelodie zum Film „Schindler‘s List“. Da konnte Pianist Bruno Böhmer Camacho zusammen mit Kilian Förster auf dem Kontrabass für innige gesangliche Einlagen sorgen. Ansonsten durchpflügte der kolumbianische Musiker die Klaviertasten mit schnellen Tonfolgen oder akkordischer Ekstase, etwa zu Astor Piazzollas „Libertango“. Bei den Tangostücken des Abends kam gelegentlich auch Bajan-Spieler Alexander Pankov hinzu, der sich im Wesentlichen auf gesangliches Spiel beschränkte, dafür aber seinem Akkordeon wunderbares Vibrato entlockte. Dass es nie nur beim Tango blieb, dafür sorgte dann die Percussion-Sektion.

Wettstreit auf der Bühne

Am Ende lieferte sich etwa Tim Hahn mit Alexis Herrera Estevez zu Gerardo Matos Rodriguez‘ „La cumparsita“ einen kleinen Wettstreit: bei wem das Publikum am besten nachklatscht, mit den Fingern schnippt, auf die Brust klopft und schließlich nachsingt. Da waren die Zuhörer schließlich so hingerissen, dass sie bei der ersten Zugabe, „Mambozart“, einer Kombination aus Mambo-Rhythmus und Eröffnungsthema aus Mozarts letzter g-Moll-Sinfonie, mittanzten, ebenso zum nachfolgenden „Merengon“ und dem „Chan Chan“ des „Buena Vista Social Club“.

Info Mehr Informationen zum Programm des Kulturfests gibt’s unter www.crailsheim-kulturwochenende.de

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