Crailsheim Wenn Fotografien sprechen

Die Kamera immer griffbereit - so ist Hans Kumpf landauf landab bekannt; im Hintergrund eine Kumpf-Aufnahme von Joachim Gauck.
Die Kamera immer griffbereit - so ist Hans Kumpf landauf landab bekannt; im Hintergrund eine Kumpf-Aufnahme von Joachim Gauck. © Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 12.07.2014
Den Raum ins Bewusstsein der Menschen rücken möchte Stadtarchivar Folker Förtsch mit der ersten Ausstellung im Forum in den Arkaden in Crailsheim. Dafür hat er Fotoporträts von Hans Kumpf aus Hall gewählt.

Wenn man das Foto sieht, so Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl bei der Vernissage, höre man Ministerpräsident Winfried Kretschmann geradezu sprechen. Michl ist von den Fotos wie von der "breiten Begabung" des oft auch als Klarinettist auftretenden Künstlers aus Hall sichtlich beeindruckt. Manche der Fotos von Kumpf würden ihm wie Schnappschüsse, andere wie Inszenierungen vorkommen.

48 Fotos von Künstlern und Politikern sind in diesem Forum im Crailsheimer Rathausneubau zu sehen. Zu jedem Foto kann Hans Kumpf eine Geschichte erzählen: wie es entstanden ist und in welcher Situation. Im Gespräch mit Folker Förtsch konnte das Publikum dazu einiges erfahren.

Viele Fotos sind in Schwäbisch Hall entstanden, wo Hans Kumpf lebt. Dort traf er etwa auf den eher kamerascheuen Schriftsteller Patrick Süskind bei einer Tagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtkunst. Oder er fing Christo bei einer Vernissage in der Kunsthalle Würth ein, wo der Fotograf 2008 auch den schon auf den Rollstuhl angewiesenen Alfred Hrdlicka ablichtete. Kumpf fotografierte aber nicht nur in seiner Heimat. Etliche Bilder sind in der Region Stuttgart entstanden: in Ludwigsburg etwa, wo er Wim Wenders im Bild einfing oder Willy Brandt, Letzteren bereits 1976 - noch in Schwarz-Weiß-Fotografie.

Damals gab es noch keine digitalen Kameras. Zudem sei es seinerzeit eine Kostenfrage gewesen, ob man einen Farb- oder Schwarz-Weiß-Film einlegt, so Kumpf. Mit indirektem Blitz habe er damals die Menschen abgelichtet und war etwa für die "Stuttgarter Nachrichten" unterwegs. So sind anfangs auch die Fotos von Musikern entstanden - wie etwa die in Crailsheim gezeigten Fotos des Jazzklarinettisten Benny Goodman oder des Neue-Musik-Komponisten John Cage. Überhaupt habe er vor allem Jazzkollegen auf Zelluloid und später auf digitalen Speichermedien gebannt.

Noch heute schreibt Hans Kumpf auch für Musikfachzeitschriften wie die "Jazzpages", das "Jazzpodium" oder das Warschauer "Jazzforum". Dafür begibt er sich auch auf Reisen - etwa, um Nigel Kennedy im polnischen Gdynia zu hören und zu fotografieren oder Astor Piazzolla in der Berliner Philharmonie. Das Foto des Bandoneonspielers und Begründers des Tango Nuevo fand auch den Weg auf eine Notenausgabe in Brasilien.

Manche der auf Fotos festgehaltenen Personen stehen Kumpf auch näher. Dazu zählen zwei seiner Lehrer: Wolfgang Gönnenwein, der ihn am damaligen Aufbaugymnasium in Michelbach an der Bilz in Musik unterrichtete sowie der Komponist Helmut Lachenmann, bei dem er an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg Musik studierte.

Ob Joachim Gauck, Guido Westerwelle, Frank-Walter Steinmeier, Frank Zappa, Giora Feidman, Mick Jagger, Woody Allen, Heiner Müller, Klaus Maria Brandauer, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl - der Fotograf Hans Kumpf fängt immer auch ein Stück der Persönlichkeit ein. Und liefert dabei schon einmal auch seine eigene Sichtweise auf den Porträtierten. Am Ende der Vernissage gab es Jazzimprovisation zusammen mit dem Kontrabassisten Jan Jankeje - Klänge zwischen "St. Louis Blues" und "Summertime".