Schädlingsbekämpfung Wenn die Drohne Eier legt

Aalen / Tobias Dambacher 04.09.2017
Schädlingsbekämpfung: Wie und warum ein Unternehmen aus Waldhausen im Ostalbkreis mit einer programmierten Drohne Schlupfwespen über Maisfeldern ausbringt.

Drohnen erobern den Himmel. Fotoaufnahmen von oben bekommt man so einfach wie nie, und Experten prophezeien seit Jahren die Paketzustellung aus der Luft – die allerdings bis heute auf sich warten lässt. Derweil beackert ein Dienstleistungsunternehmen aus Waldhausen im Ostalbkreis erfolgreich ein ganz irdisches Feld mit der Drohne: Daniel Racsits setzt das Fluggerät mit seiner Firma „R2 Drone Solutions“ gegen den Maiszünsler ein. Das ist ein Schädling, der im Mais großen Schaden anrichten kann. Die Falter legen ihre Eier an den Pflanzen ab. Die Larven bohren sich hinein und sorgen so für großen Ernteverlust. Laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft zählt der Maiszünsler seit 15 Jahren zu den bedeutendsten Schädlingen im Mais.

Der natürliche Feind des Maiszünslers ist die Schlupfwespe. Doch die Ausbringung der kleinen Eier im Feld per Hand ist aufwendig und kostet Zeit, Personal und damit Geld. Traktoren mit konventionellem Spritzmittel verursachen Fahrschäden im Feld. Außerdem ist eine chemische Bekämpfung nicht immer gewünscht.

Daniel Racsits zeigt, wie Hochtechnologie bei der biologischen Schädlingsbekämpfung helfen kann. Mit seinem Hexacopter – das ist eine Drohne mit sechs Rotoren – bringt er die Schlupfwespen auf das Maisfeld. Deren Eier liegen in kleinen Kügelchen aus abbaubarer Stärke.

Wenige Tage nach dem Ausbringen schlüpfen die Tiere, stürzen sich auf die Eier des Maiszünslers und machen sie unschädlich. Der richtige Zeitpunkt der Ausbringung ist dabei entscheidend. „80 bis maximal 100 Hektar schafft ein Pilot am Tag“, sagt Racsits. Den Kurs programmiert er vorab. GPS-Daten sagen der Drohne exakt, wie sie über das Feld fliegen muss und in welchem Abstand sie die Kugeln fallen lässt. Etwa alle zehn Meter bei einer Geschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Sekunde. In jeder Kugel stecken etwa 1000 Eier der Schlupfwespe.

Nach dem Start der Drohne muss Racsits nur noch ihren Kurs kontrollieren, den Rest regelt die intelligente Steuerung ganz automatisch. Zwischen fünf und acht Hektar schafft sie mit einer Akkuladung innerhalb von 20 Minuten.

Förderung vom Land

„Das Land fördert die Maiszünslerbekämpfung mit Schlupfwes­pen finanziell“, sagt Racsits. Etwa 60 Euro pro Hektar gibt es vom Agrarumweltprogramm als Zuschuss.

Rund 650 Hektar Fläche haben Landwirte dieses Jahr bereits bei „R2 Drone Solutions“ beauftragt. Über Maschinenringe wird versucht, das Thema als neue, zeitgemäße Alternative bekannt zu machen. Im kommenden Jahr rechnet Racsits mit mehr Aufträgen und überlegt, in dem engen Zeitfenster der Ausbringung zwischen Ende Mai und Ende Juli dann auch Studenten einen attraktiven Nebenjob zu bieten.