Geschichte zum Anfassen  Wenn das Kriegsbeil begraben ist

„From the citizens of Worthington – Von den Bürgern aus Worthington – 1965“ ist im steinernen Pfeifenkopf eingraviert.
„From the citizens of Worthington – Von den Bürgern aus Worthington – 1965“ ist im steinernen Pfeifenkopf eingraviert. © Foto: Ute Schäfer
Ute Schäfer 07.10.2017
Eine Friedenspfeife ist ein offizielles Geschenk der Stadt Worthington an die Stadt Crailsheim. Sie steht für 70 Jahre internationaler Städte-Partnerschaft.

Klar: Wer jemals Winnetou gelesen oder im Fernsehen gesehen hat, weiß, wie wichtig Friedenspfeifen sind. Der Indianer vergräbt das Kriegsbeil, danach raucht er die Friedenspfeife. Und dann ist Happy End. So einfach ist das. Bei Winnetou zumindest. Beziehungsweise bei dessen Schöpfer Karl May.

Natürlich sind diese indianischen Pfeifen nicht nur für den Frieden geschaffen. Sie sind ursprünglich identitätsstiftende Stammespfeifen, und das gemeinsame Rauchen war und ist ein Ritual – und als solches auch zur Bekräftigung der Freundschaft genutzt. Diese friedensstiftende Funktion indes ist vor allem meist nur im nicht-indianischen Verständnis der indianischen Kultur betont worden (siehe Karl May).

Eine Friedenspfeife bestand ursprünglich aus einem Saugrohr, später aus einem solchen mit Pfeifenkopf, wie die abgebildete hier, deren Form an die indianischen Ritualpfeifen erinnert. Das Holzrohr ist fein verziert. Die Quasten haben besondere Bedeutung: Im indianischen Original hingen sie bis auf den Boden und verbanden Erde und Himmel (via Rauch). Der Pfeifenkopf besteht aus einem ganz speziellen roten Tonstein, dem Pipestone (Pfeifenstein), der in der Nähe der Crailsheimer Partnerstadt Worthington im südlichen Minnesota gefunden wird. Heute ist der Steinbruch als „Pipestone National Monument“ geschützt.

Was die Pfeife, die freilich nie geraucht wurde, heute zum Objekt unserer Serie „Geschichte zum Anfassen“ macht, ist ihre Geschichte: Sie war ein offizielles Geschenk der Stadt Worthington an die Stadt Crailsheim, und wer genau hinschaut, erkennt eine Gravur im Pfeifenkopf: „From the citizens of Worthington 1965“ steht da (Von den Bürgern aus Worthington).

Damals ein wichtiges Ereignis

Die Stadt Worthington übergab die Pfeife an Roland Hilt, als dieser als Austauschschüler in Worthington war. Die Übergabe der Friedenspfeife war ein wichtiges Ereignis, über das seinerzeit sogar die Tageszeitung in Worthington berichtete.

Sicher verpackt brachte Roland Hilt die Pfeife dann nach Crailsheim. „Das war eine besondere Ehre für mich“, erinnert er sich. Wieder zu Hause, übergab er sie dem Crailsheimer Bürgermeister Hellmut Zundel, der damals ganz am Anfang seiner Zeit als Bürgermeister stand (1962 bis 1982). Zundel hat die Symbolik der Pfeife offenbar zu schätzen gewusst. „Sie hing viele Jahre in seinem Amtszimmer“, so Hilt.

Dann ist die Pfeife etwas in Vergessenheit geraten und in einer Kiste im Bauhof erst wieder aufgetaucht, als das Worthington-Komitee im Sommer eine Ausstellung zur Partnerschaft mit Worthington im Stadtmuseum plante.

Der Anlass: Die Partnerschaft wurde in diesem Jahr 70 Jahre alt, eine stramme Leistung! Eine große Delegation von Bürgern aus Worthington besuchte Crailsheim in diesem Frühjahr und feierte mit der ganzen Stadt – und besuchte natürlich die Ausstellung, in der auch diese Friedenspfeife zu sehen war.

Allerdings: „Es war damals noch ein Brief dabei“, berichtet Hilt. „Der ist leider nicht mehr zu finden gewesen. Das ist schade. Es wäre heute interessant zu lesen, was zum Thema Frieden geschrieben wurde.“ Immerhin war damals, 1965, der kalte Krieg in einer heißen Phase und die Kuba­krise gerade mal drei Jahre her.

Die Partnerschaft zwischen Crailsheim und Worthington gedieh und steht heute auf sicheren Füßen. Das ist nicht zuletzt den Austauschschülern hüben und drüben zu verdanken, die sich für die Partnerschaft engagieren. Und wer weiß, vielleicht auch dieser Friedenspfeife? Jedenfalls steht sie symbolisch für 70 Jahre gelungene Städtepartnerschaft.

Freunde über Ländergrenzen

Und auch wenn die globalisierte Welt weiter zusammenwächst – friedlicher wird sie derzeit nicht, was auch die Verleihung des Friedensnobelpreises gestern an die Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican zeigt. Umso wichtiger sind Begegnungen und Freundschaften über Landesgrenzen hinweg. Auch dafür steht die Pfeife.