Eigentlich sei es schon ihr drittes Konzert an diesem Tag gewesen, meint Annegret Baier nach dem letzten in der 7180-Bar. Am Vormittag war sie schon zusammen mit ihrer Trommel- und Gesangsgruppe „Inanna – Sisters in Rhythm“ in Baiers Café Frank zu hören. Am Nachmittag stand eine kleine Betriebsfeier in Baiers Bäckerei und Konditorei an, die die drei Musikerinnen aus Maine musikalisch umrahmten.

Schwäbisch Hall

Man hat spätabends aber den Eindruck, dass ihnen das überhaupt nichts ausgemacht habe. Fast spürt man ein Verlangen danach, endlich in Crailsheim auftreten zu können. Und in der Tat hört man von Annegret Baier, dass es für sie sehr bewegend gewesen sei, nach 25 Jahren ihre Musik mit einer der beiden Gruppen, in denen sie mitspielt, in ihrer Heimat vorstellen zu können.

1986 nach Stuttgart

Die jüngere Schwester des Cellisten des Hohenloher Streichquartetts, Jörg Baier, hatte ihre Heimatstadt 1986 verlassen, um in Stuttgart an der Musikhochschule zu studieren: Violine, Gesang, Klavier und vor allem Rhythmik. Dort war sie auch erstmals auf ihren aus Guinea stammenden Trommellehrer Famoudou Konate getroffen.

Schon während ihrer Studienzeit hatte sie erstmals Teile von Afrika bereist. Einige Jahre später studierte sie die Musik Westafrikas eingehender und besuchte ihren Trommellehrer in seiner Heimat. Die Trommler dort seien von ihr fasziniert gewesen und hätten anerkennend gesagt, dass sie noch nie eine weiße, blondhaarige Frau erlebt hätten, die so trommeln könne wie einer von ihnen, weiß eine ehemalige Mitstudentin aus Stuttgart in der 7180-Bar zu erzählen.

Annegret Baier hielt es aber trotz aller Faszination nicht in Guinea. Sie blieb in Stuttgart und arbeitete dort dreieinhalb Jahre lang als Musikerin: Sie erteilte Unterricht und spielte in verschiedenen Gruppen wie etwa der Afro-Pop-Band „Baraba“ mit.

Crailsheim

Im Sommer 1993 lernte sie ihren Ehemann kennen. Im Winter im Jahr darauf übersiedelte sie zu ihm nach Maine, wo sie schon bald in Portland eine neue Heimat fand. Ihr Ehemann stellte sie dem damals noch größeren Ensemble „Inanna“ vor. Tätigkeiten an Schulen und Trommelkurse kamen hinzu, und die Gründung der Band „Zulu Leprechauns“. Deren Ausdrucksstil sei eine Mischung von Musik aus Afrika, den Appalachen und psychedelischer Musik, grenzt sie es ein.

Mehr in Richtung Weltmusik geht das, was am Samstagabend in der gut besuchten 7180-Bar zu hören ist. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf afrikanischer Musik. Auch die beiden anderen Musikerinnen, Shirsten Lundblad und Tori Morrill, haben afrikanische Musik studiert. Und schließlich hatten „Inanna“ ursprünglich auch Musikerinnen aus Mali und Gambia angehört.

„Sorsonee“ heißt ein Stück, das man in der 7180-Bar zu hören bekommt. Zwei Djemben und große Trommeln werden dazu gespielt und dazu – auch mehrstimmig – gesungen. Nach einem Djembe-Solo ist es mit dem einschwingenden Teil vorbei und es geht aggressiver im Ton und in deutlich beschleunigtem Tempo weiter.

Sogartige Wirkungen sind dieser Musik mit ihren Wiederholungen eigen. In „Aye“ kommen zu Trommeln und Gesang noch Ukulele und Violine. Und trotzdem merkt man dieser Musik immer noch ihren Ursprung in Westafrika an.

Darin unterscheidet sich „Inanna“ ein wenig von anderen Weltmusikgruppen mit ihren wilden Mischungen. Manchmal hat man bei Stücken wie „Rattle Snake“ und „Evolution Seven“ das Gefühl, dass Musik der „Indian First Nations“ Nordamerikas eine Rolle gespielt haben. Besonders bei „Rattlesnake“ wird aufgrund des perfekten Ineinandergreifens der Rhythmik deutlich, dass die drei Musikerinnen bereits sieben CDs aufgenommen haben.

Mehr wie Musik des Orients

Das Trio geht noch über afrikanische Musik hinaus: „Calliopeia“ heißt ein Stück, das sich auf die altgriechische Hymne für die Muse Kalliope bezieht. Da klingen „Inanna“ dann wieder mehr nach Musik des Orients – wie zuvor beim Jam mit zwei Gästen.

Dass die drei Musikerinnen in den USA beheimatet sind, zeigen sie zum Schluss mit „Aquarius“ und „Let The Sun Shine In“ aus Galt MacDermots Musical „Hair“. Weltmusik in aller Ursprünglichkeit folgt mit der Zugabe nach langem Beifall: der Rhythmus der Nalu aus Guinea und das Jodeln von Annegret Baier dazu.